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Die Frohe Botschaft für Leute von heute



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von Pfarrer Matthias Blaha



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Katholische Morgenfeier am 10.07.2016 / 15. Sonntag C

Damit das Leben aufblühen kann

Dtn 30,11-14 – Ex 20,2-3.7-10a.12-17

Podcast

Kirchliche Schulen sind äußerst beliebt, habe ich in einer großen Tageszeitung gelesen.[1] In fast allen Einrichtungen übersteigt die Nachfrage die Zahl der Plätze, die die Schulen zur Verfügung haben. Als Gründe für den guten Ruf der Schulen in kirchlicher Trägerschaft nennt die Zeitung: Gute Ausstattung, wenig ausfal­lende Unterrichtsstunden, innovative Pädagogik – und Geborgenheit. Meine Neu­gierde ist geweckt. Ich will mehr darüber wissen, was kirchliche Schulen aus­macht und warum sie so stark nachgefragt werden.

Um Antworten auf diese Frage zu bekommen, lasse ich mir einen Termin bei Herrn Vitus Lehenmeier geben. Er ist der Direktor des Gnadenthal-Gymnasiums in Ingolstadt, das zusammen mit der Mädchenrealschule auf dem gleichen Gelände dem Bistum Eichstätt als Trägerin untersteht. Als ich den Schulhof betrete, fällt mir gleich der weitläufige Garten auf – eher untypisch mitten in der Stadt, wo sich Bauwerk an Bauwerk drängt. Da gibt sich jemand aber ganz besonders Mühe!, denke ich mir, als ich durch den Garten gehe. Beete mit bunt blühenden Rosenstöcken sind akkurat von niedrigen Buchsbaum-Hecken ein­gefasst. Einige alte Bäume spenden Schatten, und auf Bänken entlang der Rasenflächen genießen Schüler die Nachmittags-Sonne – einer schaut abwech­selnd auf sein Smartphone und ein Schulheft, eine andere plaudert mit ihrer Freundin.

Als ich Direktor Lehenmeier kurz darauf in seinem Büro auf die gelungene Gar­tengestaltung anspreche, erklärt er:

„Ursprünglich wurden beide Schulen von Ordensfrauen betrieben. Den Franzis­kanerinnen ist die Bewahrung der Schöpfung, der Respekt vor der Umwelt ein zentrales Anliegen. Sie haben diesen Garten angelegt, weil ihnen eine grüne und blühende Oase inmitten ihrer Schullandschaft wichtig war. Diese Verbundenheit mit der Natur haben die Franziskanerinnen dem neuen Träger, der Diözese, wei­tervererbt. Und für mich als Direktor ist der Schulgarten ein schönes Bild für das, was unsere Schul-Gemeinschaft ausmacht: Kinder und Jugendliche sollen in unseren Schulen einen Lebensraum finden, der sie mit ihrer Persönlichkeit fördert und wachsen lässt; einen Ort, an dem sie aufblühen können.“

Mit diesen Worten hat Direktor Lehenmeier bereits begonnen, meine Frage zu beantworten: Was ist das Besondere an einer kirchlichen Schule?

„Wir leben hier nicht im Paradies. Auch wenn es wie in jeder anderen Schule Konflikte gibt, wird in meinem Gymnasium ein besonders familiärer Umgang miteinander gepflegt; die Kultur der Versöhnung und der Toleranz besitzt einen hohen Stellenwert. Grundlegend dafür sind die christlichen Werte. Man kann nicht wertneutral erziehen, und bei uns ist es eben der christliche Werte-Kanon, grundgelegt in den Zehn Geboten, der unser Schulleben prägt.“

Dabei seien längst nicht alle Schülerinnen und Schüler christlich, erklärt Lehen­meier. Die Schule stehe Mitgliedern aller Religionen und auch Bekenntnislosen gleichermaßen offen, doch wer sein Kind hier anmelde, wisse um die christliche Prägung des Gymnasiums. Und gerade die werde auch von Nichtchristen gewünscht; sie möchten, dass ihr Kind christliche Werte kennenlernt und in das eigene Verhalten übernimmt. Warum ist das so?

„Was in den Zehn Geboten an Werten formuliert ist, liegt den meisten anderen Religionen ebenfalls zugrunde; dem Judentum sowieso, und auch dem Islam. Und wenn wir von den drei Geboten absehen, die den Bezug des Menschen zu Gott regeln, können auch die, die nicht glauben, bei den christlichen Werten mit­gehen, denn diese sind zutiefst menschenfreundlich. Dass hier ein Werte-Kanon, nämlich der christliche, für alle, Schüler wie Lehrer, verbindlich gilt, schafft Klar­heit, welcher Geist hier an der Schule herrscht – und dieser Geist ist ein guter.

Ein wichtiges Element, das dazu beiträgt, dass der christliche Geist des Gymna­siums der Schulfamilie im Bewusstsein bleibt, ist der Morgenkreis. Mit ihm beginnt am Montagmorgen die Schulwoche in jeder Klasse. Phasen der Stille, meditative Elemente und Zeit zum Austausch schaffen für die Schüler den Frei­raum, das in den Blick zu nehmen, was sie gerade bewegt: Schönes und Kon­flikthaftes im Umgang miteinander, Erlebnisse am Wochenende, aber auch das Weltgeschehen oder die Beziehung zu Gott. Der Morgenkreis ist der Raum, in dem das ‚kollektive Gemüt‘ einer Klasse sich entfalten kann. Das ist keine mess­bare und genau definierbare Größe, aber ich erkenne es daran, wie die Schüler einer Klasse miteinander und mit anderen umgehen. Eben dieser Umgang ver­ändert sich durch den Morgenkreis zum Positiven; er wird familiärer – Stich­wort Nächstenliebe, wieder was Christliches. Viele Schüler schätzen diesen fami­liären Umgang miteinander, und manchen fällt es richtig schwer, die Schulfamilie nach dem Abitur zu verlassen. Ich erinnere mich an eine Abiturientin, die bei der Ver­abschiedungsfeier zu mir gesagt hat, dass sie am liebsten noch ein Jahr hier an der Schule bleiben möchte.“

Durch meinem Besuch im Gnadenthal-Gymnasium habe ich erfahren: Diese kirchliche Schule ist zwar nicht das Paradies, aber doch ein besonderer Ort, an dem das Leben gefördert wird und aufblühen kann, ein Lebens-Raum, der von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften gleichermaßen geschätzt wird.

Eine wichtige Grundlage dafür, so hat der Direktor festgestellt, sind die Zehn Gebote. Sie prägen die Schulgemeinschaft, und wenn mal durch Streit, Lüge oder Respektlosigkeit ein Gebot verletzt wird, dann wird mit den Beteiligten über­legt, welche Änderung des Verhaltens nötig ist, um wieder gut miteinander aus­zukommen.

Die Zehn Gebote sind keine christliche Erfindung; es gab sie schon tausend Jah­re vor Christus im Judentum. Und in den anderen großen Religionen der Erde sind sie in ähnlicher Form ebenfalls zu finden. Das lässt vermuten: Was in den Zehn Geboten geregelt wird – der Bezug zu Gott und zu den Mitmenschen –, ist im Menschen bereits als Anlage vorhanden. Diese Vermutung wird von der Bibel bestätigt; im alttestamentlichen Buch Deuteronomium ist darüber folgendes zu lesen:

Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir.  Es ist nicht im Himmel, sodass du sagen müsstest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf, holt es herunter und verkündet es uns, damit wir es halten können?  Es ist auch nicht jenseits des Meeres, sodass du sagen müsstest: Wer fährt für uns über das Meer, holt es herüber und verkündet es uns, damit wir es halten können?  Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.

Die Gebote müssen nicht erst bei Gott abgeholt werden; Gott hat sie dem Men­schen von Anfang an ins Herz gelegt. Damit sind die Gebote nichts, das dem Menschen fern läge oder fremd wäre; sie gehören ganz selbstverständlich zum Menschsein dazu. Jeder Mensch hat grundsätzlich die Möglichkeit, menschlich zu handeln, wenn er die Gebote kennt, die Gott in ihm verankert hat, und sie hält.

Um die Gebote Gottes kennenzulernen, die dem Menschen eingepflanzt sind, war es nach alttestamentlicher Auffassung erforderlich, zum Volk Israel zu gehö­ren, also Jude zu sein. Als solcher hatte man Zugang zu der Heiligen Schrift, der Tora, in der die Gebote schriftlich festgehalten sind.

Gott sprach alle diese Worte: Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.

Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.

Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht.

Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.

Du sollst nicht morden.

Du sollst nicht die Ehe brechen.

Du sollst nicht stehlen.

Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.

Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen.

Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.

Im Neuen Testament weitet Jesus den Personenkreis, der diese Gebote kennen­lernen darf, auf alle Menschen guten Willens aus. Daher handelt die kirchliche Schule, die ich anfangs vorgestellt habe, ganz im Sinne Jesu, wenn sie die Zehn Gebote allen Mitgliedern der Schulfamilie bekanntmacht, egal ob diese Christen sind oder nicht. Denn nur wer die Gebote kennt, die ihm ins Herz gelegt sind, kann sie zum Maßstab für das eigene Verhalten machen – und wer dies tut, trägt dazu bei, dass um ihn herum das Leben aufblüht. Offensichtlich gelingt das in dieser Schule besonders gut.

Damit die Menschen möglichst aller Religionen und Kulturen die Gebote Gottes kennenlernen und ihr Leben danach ausrichten, hat der Theologieprofessor Hans Küng das „Projekt Weltethos“ ins Leben gerufen. Küng hat erforscht, welche Gebote allen Weltreligionen gemeinsam sind, und daraus „einen Grundkonsens bezüglich bestehender verbindender Werte, unverrückbarer Maßstäbe und per­sönlicher Grundhaltungen“[2] zusammengestellt. Diesen Konsens, der unter den Religionen besteht, bietet das „Projekt Weltethos“ allen Menschen auf der Erde an, ob gläubig oder nicht. Er soll dazu beitragen, dass sich die Welt zum Besse­ren wandelt, dass Fanatismus, Hass und Gewalt überwunden werden und die Vision eines friedlichen Zusammenlebens der Menschheit Wirklichkeit wird.

Aus Hans Küngs Forschungstätigkeit entstand die „Erklärung zum Weltethos“, die im Jahr 1993 vom „Parlament der Weltreligionen“, das in Chicago tagte, ver­abschiedet wurde. Die Unterzeichner, Vertreter aller großen Weltreligionen, beto­nen darin, dass alle Menschen verantwortlich für eine bessere Weltordnung sind, dass aber die religiös und spirituell orientierten Menschen aus ihrem Glauben heraus „eine ganz besondere Verpflichtung für das Wohl der gesamten Mensch­heit und die Sorge um den Planeten Erde“[3] haben.

In der Einführung zu dieser Erklärung ist zu lesen:

Wir sind Frauen und Männer, welche sich zu den Geboten und Praktiken der Religionen der Welt bekennen: Wir bekräftigen, dass sich in den Lehren der Religionen ein gemeinsamer Bestand von Kernwerten findet und dass diese die Grundlage für ein Weltethos bilden.

Es gibt bereits uralte Richtlinien für menschliches Verhalten, die in den Lehren der Religionen der Welt gefunden werden können und welche die Bedingung für eine dauerhafte Weltordnung sind.

Deshalb verpflichten wir uns auf dieses Weltethos. Wir laden alle Menschen, ob religiös oder nicht, dazu ein, dasselbe zu tun.[4]

Das Weltethos besteht aus einer Grundforderung und vier unverrückbaren Wei­sungen, die in der Erklärung genannt werden.

Die Grundforderung lautet: Jeder Mensch muss menschlich behandelt werden.

Da jeder Mensch eine unveräußerliche und unantastbare Würde besitzt, sind alle, die Einzelpersonen wie die Staaten, verpflichtet, diese Würde zu achten und zu schützen. Ein wichtiges Prinzip, dies zu gewährleisten, ist die „Goldene Regel“, die seit Jahrtausenden in vielen religiösen und ethischen Traditionen der Menschheit zu finden ist und sich bewährt hat: Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu. Oder positiv: Was du willst, das man dir tut, das tue auch den anderen!“[5]

Aus dieser Grundforderung ergeben sich vier unverrückbare Weisungen, die in den meisten Religionen der Erde zu finden sind.

Die erste: Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben.

Das Gebot „Du sollst nicht töten“, positiv formuliert „Hab Ehrfurcht vor dem Leben“, legt fest: „Kein Mensch hat das Recht, einen anderen Menschen phy­sisch oder psychisch zu quälen, zu verletzen, gar zu töten.“[6] Konflikte sind grund­sätzlich ohne Gewalt zu lösen, denn ohne Frieden kann die Menschheit nicht überleben.

Die Ehrfurcht vor dem Leben bezieht sich auch auf Tiere und Pflanzen. Da alle Bewohner der Erde miteinander verflochten und voneinander abhängig sind, gilt: „Nicht die Herrschaft des Menschen über Natur und Kosmos ist zu propagieren, sondern die Gemeinschaft mit Kultur und Kosmos zu kultivieren.“[7]

Die zweite unverrückbare Weisung des Weltethos lautet: Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung.

„Du sollst nicht stehlen“ lautet das Gebot, das dieser Weisung zugrundeliegt; es ruft dazu auf, gerecht und fair zu handeln. „Kein Mensch hat das Recht, einen anderen Menschen zu bestehlen oder sich an dessen Eigentum oder am Gemeinschaftseigentum zu vergreifen. Umgekehrt aber hat auch kein Mensch das Recht, sein Eigentum ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Gesellschaft und der Erde zu gebrauchen.“[8]

Dies gilt auch für die Wirtschaft, die den Menschen zu dienen hat, anstatt sie auszubeuten; gerade die Schwachen soll sie im Blick behalten.

Grundsätzlich strebt das Weltethos an, dass an die Stelle von Geldgier und Kon­sum ein neuer Sinn für Maß und Bescheidenheit tritt, denn – so stellt die Erklä­rung fest – es gibt keinen Weltfrieden ohne Weltgerechtigkeit.

Im Weltethos wird als dritte unverrückbare Weisung festgeschrieben: Verpflich­tung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit.

Da es keine Gerechtigkeit in der Welt ohne Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit geben kann, mahnt das Gebot „Du sollst nicht lügen“ beziehungsweise „Rede und handle wahrhaftig“: Sei ehrlich zu dir selbst und zu den anderen, und behandle dich und andere menschlich! Diese Forderung wendet sich außer an Privatpersonen vor allem an Verantwortliche in Politik und Religion. Diese sollen jederzeit die Wahrheit sagen und damit zuverlässig für das einstehen, was richtig ist; doch wenn sie Hass und Fanatismus predigen, ist ihnen die Gefolgschaft zu verweigern.

Die vierte unverrückbare Weisung des Weltethos schließlich besteht in der Ver­pflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und der Partnerschaft von Mann und Frau.

„Du sollst nicht Unzucht treiben“, ist das hierzu gehörende Gebot, das positiv gefasst lautet: „Achtet und liebt einander“. Dieses Gebot ist zu beachten, weil es ohne partnerschaftliches Zusammenleben keine echte Menschlichkeit gibt. Part­nerschaft darf nicht dazu dienen, den anderen zu bevormunden oder zu erniedri­gen, sondern soll von Liebe und Verlässlichkeit geprägt sein. Sexualität, die in Verantwortung für das Glück des Partners gelebt wird, ist eine durch und durch gute, schöpferische Kraft. Gerade die Institution der Ehe und Familie stellt den Rahmen zur Verfügung, in dem Geborgenheit und gegenseitige Unterstützung – auch zwischen den Generationen – besonders gut gelebt werden können.

Wie stark sich der partnerschaftliche und familiäre Umgang der Menschen auf den Frieden in der Welt auswirkt, beschreibt die Erklärung zum Weltethos folgen­dermaßen: „Auf der Ebene der Nationen und Religionen kann nur praktiziert wer­den, was auf der Ebene der familiären Beziehungen bereits gelebt wird.“[9]

Auch mehr als zwanzig Jahre nach ihrer Unterzeichnung bleibt die Erklärung zum Weltethos hochaktuell für die Menschheit der Gegenwart. Das Weltethos beruht auf der Erkenntnis: Alle Weltreligionen kennen gemeinsame Gebote, die auch Nichtgläubigen einsichtig sind. Diese Gebote, die im Weltethos zusammen­gestellt sind, „sollen für den Menschen nicht Fesseln und Ketten sein, sondern Hilfen und Stützen, um Lebensrichtung und Lebenswerte, Lebenshaltungen und Lebenssinn immer wieder neu zu finden und zu verwirklichen“.[10] Je mehr Men­schen guten Willens es gibt, die diese Gebote halten, umso deutlicher wird die Vision, die dem Weltethos zugrunde liegt, Wirklichkeit – die Vision, dass ein fried­liches Zusammenleben aller Menschen tatsächlich möglich ist und dass das Leben an immer mehr Orten der Erde aufblühen kann.

Liebe Hörerinnen und Hörer, vielleicht gefällt Ihnen die Idee, dass Sie die Gebote Gottes schon immer in sich tragen – Gott hat sie Ihnen ins Herz gelegt; es kommt darauf an, sie kennenzulernen, um nach ihnen leben zu können. Vielleicht hat Sie der Gedanke des Weltethos inspiriert, den Geboten auf den Grund zu gehen und sich bewusst zu machen, dass Sie durch diese Gebote mit allen Menschen guten Willens verbunden sind, egal welcher Religion oder Kultur diese angehö­ren. Und vielleicht hat Sie das Weltethos ermutigt, trotz allem, was an Unfrieden, Gewalt und anderen Unmenschlichkeiten auf der Erde zu sehen ist, die Vision des friedlichen Zusammenlebens der Menschheit im Auge zu behalten. Sie sind damit nicht allein; viele andere Menschen leben wie Sie nach den Geboten und arbeiten mit Ihnen daran, dass das Leben um Sie herum aufblüht.

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
Hüte dich davor, Menschen oder Dinge zu vergöttern, denn du würdest bittere Enttäuschungen erleben.

Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen.
Ehre Gott, indem du liebevoll redest und handelst.

Du sollst den Sonntag heiligen.
Gönne dir diesen Tag für dich, für deine Lieben und für Gott. Und bedenke: Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage.

Du sollst Vater und Mutter ehren.
Begegne der älteren Generation mit Rücksicht und Geduld – und verhalte dich gegenüber der jüngeren Generation genauso.

Du sollst nicht töten.
Verzichte in deinem Reden und deinem Tun auf jede Form von Gewalt.

Du sollst nicht die Ehe brechen.
Bleibe dem Versprechen, das du gegeben hast, treu.

Du sollst nicht stehlen.
Achte das Eigentum des anderen, wie du auch dein Eigentum respektiert sehen willst.

Du sollst nicht lügen.
Sei ehrlich zu dir selbst und zu anderen, und sei zuverlässig.

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut.
Sei zufrieden mit dem, was du bist und was du hast. Und gönne dem anderen das Seine.

Damit dein Leben aufblühen kann,
segne deinen guten Willen und deine guten Werke
der Gott des Lebens und der Liebe:
Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.



[1] http://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-und-religion-ii-katholisches-i-tuepfelchen-1.3030117

[2] http://www.weltethos.org/1-pdf/10-stiftung/declaration/declaration_german.pdf, S. 6

[3] a.a.O., S. 5

[4] a.a.O., S. 3

[5] a.a.O., S. 8

[6] a.a.O., S. 9

[7] a.a.O., S. 9

[8] a.a.O., S. 10

[9] a.a.O., S. 14

[10] a.a.O., S. 8