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Die Frohe Botschaft für Leute von heute



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von Pfarrer Matthias Blaha



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Katholische Morgenfeier am 08.05.2016 / 7. Sonntag der Osterzeit C

Der Jünger, den Jesus liebte

Joh 1,35-40 – Joh 13,23 – Joh 19,25-30 – Joh 21,2-3.6-7a – Joh 21,20-22

Podcast

Heute, am Beginn der letzten Woche der Osterzeit, will ich Ihnen, liebe Hörerin­nen und Hörer, jemanden vorstellen, der uns seit dem Gründonnerstag begleitet hat. Er gehört zum Freundeskreis Jesu und taucht nur im Johannes-Evangelium auf. Dort wird er bezeichnet als „der Jünger, den Jesus liebte“.
Dieser Jünger gehört zu den ersten beiden, die dem Jesus nachfolgen (Joh 1,35-40); im Gegensatz zu dem anderen, der Andreas heißt, wird er mit keinem Namen bezeichnet. Von diesem namenlosen Jünger werden uns kaum Worte und keine herausragenden Taten überliefert, doch in den entscheidenden Momenten der Geschichte Jesu, die wir an den Kar- und Ostertagen gefeiert haben, findet er seinen Platz.

* Beim Letzten Abendmahl am Tag vor dem Tod Jesu liegt „der Jünger, den Jesus liebte“, an dessen Seite (Joh 13,23).
* Am Karfreitag steht „der Jünger, den Jesus liebte“, als einziger Mann zusam­men mit drei Frauen unter dem Kreuz und begleitet Jesus beim Sterben; alle anderen sind davongelaufen. (Joh 19,25-30)
* Als der Ostermorgen anbricht, erfährt „der Jünger, den Jesus liebte“, zusam­men mit Petrus von Maria Magdalena, dass der Leichnam Jesu aus dem Grab verschwunden ist; daraufhin laufen er und Petrus zum Grab Jesu. (Joh 20,3-8)
* Bei einer Erscheinung des Auferstandenen am See Gennesaret erkennt „der Jünger, den Jesus liebte“, als erster, dass der vermeintlich unbekannte Mann Jesus ist. (Joh 21,2-7)

Warum trägt „der Jünger, den Jesus liebte“, keinen Namen? Die schönste Ant­wort auf diese Frage habe ich von meinem geistlichen Begleiter gehört; er hat einmal gesagt: „Jede Leserin und jeder Leser des Evangeliums soll hier den eigenen Namen einsetzen dürfen. Jeder, der dies will, soll sich als Jünger begreifen, den Jesus liebt.“
Dies habe ich getan, und ich war verblüfft, welche Erkenntnisse ich als „Jünger, den Jesus liebt“, beim Lesen der entsprechenden Passagen des Johannes-Evangeliums gewonnen habe. Und so lade ich Sie in dieser Morgenfeier ein, den „Jünger, den Jesus liebte“, kennenzulernen und sich ebenfalls mit ihm zu identifi­zieren.

Den Beginn der Freundschaft dieses Jüngers mit Jesus beschreibt Johannes folgendermaßen:

Johannes stand am Ufer des Jordan, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren.

Johannes der Täufer betont immer wieder, dass nicht er selber der Sohn Gottes ist, sondern derjenige, der die Menschen auf ihn aufmerksam macht. Als Johan­nes zweien seiner Jünger erklärt, dass Jesus derjenige ist, beginnen Andreas und der namenlose Jünger sich für Jesus zu interessieren. Sie wollen sich ein erstes Bild von Jesus bei ihm zuhause machen; sie wollen Zeit mit ihm verbrin­gen, um ihn kennenzulernen. Jesus entzieht sich den beiden nicht, sondern lädt sie ein, ihn zu besuchen, auch wenn es schon relativ spät am Tag ist: Um die zehnte Stunde, also um vier Uhr nachmittags, ging man damals eher von einem Besuch nach Hause, als sich zu jemand anderem aufzumachen, denn bei Dunkelheit unterwegs zu sein, war gefährlich.
Der Besuch daheim bei Jesus legt den Grund für die Freundschaft der beiden Jünger mit ihm; in der Folgezeit wird aus dem namenlosen Begleiter des Andreas „der Jünger, den Jesus liebte“.

Wenn ich, wie mein geistlicher Begleiter gesagt hat, bei dem „Jünger, den Jesus liebte“, meinen Namen einsetzen darf, macht mich das zutiefst dankbar: Ich dan­ke dafür, dass es in meinem Leben Menschen wie Johannes den Täufer gege­ben hat, die mich mit Jesus bekannt gemacht haben: Meine Eltern und Pflege­eltern, meine Großeltern, so mancher Religionslehrer und Pfarrer haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass Jesus da ist in meinem Leben, und mich ein­geladen, ihn kennenzulernen.
Vielleicht kommt Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, auch die eine oder andere Person in den Sinn, der Sie Ihre Freundschaft mit Jesus verdanken. Vielleicht haben Sie wie ich erfahren, wie wertvoll diese Freundschaft ist: Immer und über­all kann ich Jesus aufsuchen, und er lässt sich gern von mir finden – sei es in der Kirche beim Gottesdienst oder bei einem Spaziergang im Wald, beim Bibellesen in meinem Wohnzimmer oder wenn ich im Bett kurz vor dem Einschlafen den Tag nochmals an mir vorüberziehen lasse. Ich kann Jesus alle meine Anliegen anvertrauen, und weil er mein Freund ist, hat er ein offenes Ohr für mich. Oft habe ich schon erlebt, dass Jesus mir geholfen hat; nicht unbedingt so, wie ich es gewünscht hätte, aber immer so, wie es letztlich gut für mich war. Und: Es ist nie zu spät für die Begegnung mit Jesus – das gilt für jeden einzelnen Tag wie auch für mein ganzes Leben.

Eineinhalb Jahre seit der ersten Begegnung mit Jesus vergehen, bis der namen­lose Jünger wieder in Erscheinung tritt. Es ist der Abend vor dem Tod Jesu. Als gläubiger Jude feiert Jesus mit seinen Freunden das Paschafest, und wie es damals üblich war, liegen sie zu Tisch beim Letzten Abendmahl.

Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte.

„Der Jünger, den Jesus liebte“, legt, wie der Evangelist weiter berichtet, seinen Kopf auf die Brust Jesu. Er sieht nicht Jesus an, sondern blickt in die gleiche Richtung wie Jesus – und er hört dessen Herzschlag.

Ich als Jünger, den Jesus liebt, bin eingeladen, den Herzschlag Jesu zu erspü­ren, also herauszufinden, „wie Jesus tickt“. Hilfreich dafür sind die vier Evange­lien. Wenn ich sie lese oder höre, kann ich erspüren, worum es Jesus ging, als er vor knapp zweitausend Jahren öffentlich aufgetreten ist: In all dem, was ich über Jesus erfahre, entdecke ich ganz viel Liebe.
Durch die Beschäftigung mit den Evangelien ermutigt Jesus mich – und genauso Sie, liebe Hörerinnen und Hörer –, den Blickwinkel Jesu einzunehmen und die Welt mit seinen Augen zu sehen. Am Herzen Jesu ruhend erfahren wir etwas von der Liebe, die Jesus erfüllt und auf uns übergeht; wir sind ja die Jüngerinnen und Jünger, die Jesus liebt. Als solche können wir uns daranmachen, unsere Welt liebevoll anzuschauen nach dem Vorbild Jesu.

Als Jesus stirbt, ist „der Jünger, den Jesus liebte“, dabei.

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass nun alles voll­bracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.

Die Mutter Jesu und „der Jünger, den Jesus liebte“, sind die beiden Personen unter dem Kreuz, die mit Jesus besonders innig verbunden waren. Umso schmerzhafter spüren sie die Leere, die sich nun in ihnen auszubreiten beginnt, denn sie wissen: Künftig werden wir Jesus nicht mehr wie bisher von Angesicht zu Angesicht begegnen können. Seine menschliche Gestalt stirbt jetzt am Kreuz. Wie es danach weitergehen wird, wissen die beiden nicht.
Da wendet sich Jesus an die beiden. Die letzten Worte, die er an konkrete Men­schen adressiert, gelten seiner Mutter und dem Jünger, den er liebte. Ab jetzt seid ihr füreinander Mutter und Sohn, sagt Jesus, ihr seid füreinander verant­wortlich, gerade wenn ihr in euch Leere empfindet, wenn ihr traurig und ratlos seid. Miteinander werdet ihr diese schwere Zeit durchstehen.

Beide Aussagen sind ein Auftrag Jesu, der mir gilt als Jünger, den Jesus liebt – und ebenso Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer: Wir sollen uns als Mitglieder der Familie Jesu begreifen, die aufeinander schaut. Gerade in Zeiten, in denen ein Kreuz ins Leben einbricht, sollen wir uns gegenseitig stützen und halten – und wir sollen auch dann bei Jesus bleiben, wenn alles in uns oder um uns herum dagegen spricht.

Am Ostermorgen liefert sich „der Jünger, den Jesus liebte“, mit Petrus einen Wettlauf zum leeren Grab Jesu.

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jün­ger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonde­ren Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.

Zuerst blickt Petrus in das leere Grab Jesu. Die fast schon penible Beschreibung des Inneren der Grabkammer zeigt, wie Petrus agiert: Er schaut genau auf die Fakten – hier Leinenbinden, dort Schweißtuch, letzteres zusammengebunden an einer besonderen Stelle –, bleibt aber beim Augenschein stehen. „Grab leer, Leichnam geklaut“, mag die logische Schlussfolgerung des Petrus gewesen sein. Nicht so „der Jünger, den Jesus liebte“: Er sah und glaubte, berichtet das Evangelium; er glaubte, dass Jesus auferstanden war. Dabei sieht auch dieser Jünger nichts, was auf die Auferstehung hinweist oder sie gar beweisen könnte; doch er spürt es einfach, weil er diese innige Verbindung zu Jesus hatte: Die Liebe von Jesus ist nach wie vor präsent, also muss auch Jesus lebendig anwesend sein! Dass „der Jünger, den Jesus liebte“, den auferstandenen Jesus nicht sehen kann, ist für ihn offensichtlich kein Problem; sein Glaube ist stark, weil er Jesu Liebe kennt.

In der Situation dieses Jüngers befinde ich mich genau wie Sie, liebe Hörerinnen und Hörer: Wir sehen keine Beweise für die Auferstehung Jesu, auch Jesus selbst sehen wir nicht. Aber wir können seine Gegenwart spüren; vor allem dann, wenn Steine aus unserem Leben weggerollt werden wie der Stein am Grab Jesu: Wenn eine Durststrecke überwunden ist und wieder Freude ins Leben einzieht, können wir Auferstehung mitten im Leben erahnen – zum Beispiel,…

…wenn der Arbeitslose nach Jahren erfolgloser Bewerbungen endlich eine Stelle erhält.

…wenn der Patient nach monatelanger Krankheit, nach Operationen und einer anstrengenden Reha wieder schmerzfrei ist und auf dem Weg, ganz gesund zu werden.

…wenn die Frau, die von ihrem Partner wegen einer anderen verlassen wurde, auf jemanden trifft, der sie einfühlsam und verständnisvoll wieder dazu bringt, an das Gute im Menschen und an die Treue zu glauben.

Solche und andere Auferstehungs-Momente im Leben können uns die Gewissheit schenken: Jesus lebt! Mit seiner Liebe ist er für uns da, und er wird auch weiterhin an jedem Ort und zu jeder Zeit bei uns bleiben – unsichtbar zwar, aber doch ganz real.

Auch wenn „der Jünger, den Jesus liebte“, am leeren Grab an die Auferstehung Jesu glaubt, fehlt ihm doch der Mut, diesen Glauben anderen Menschen als etwas Sinnvolles und für das Leben Hilfreiches anzubieten. Den anderen Jün­gern Jesu geht es ähnlich, und so kehren sie in ihren früheren Alltag zurück. Sie haben offensichtlich Angst, dass ihnen das Gleiche passieren könnte wie dem Jesus, wenn sie für ihn Werbung machen.

Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.

Der vergebliche Fischzug zeigt: Die Jünger können nicht so tun, als wäre Jesus nie in ihrem Leben aufgetaucht. Seit sie Jesus kennengelernt haben, haben sie einen neuen Beruf: Als Menschenfischer hat Jesus sie bezeichnet und ihnen damit die Aufgabe übertragen, ihren Mitmenschen zu erzählen von dem, was sie mit Jesus erlebt haben, und sie einzuladen, an ihn zu glauben. Diesen neuen Beruf können sie jetzt nicht einfach über Bord werfen, auch wenn sie das vor lau­ter Angst gerne möchten.
Um ihnen Mut zu machen, erscheint Jesus seinen Freunden, die ihn aber zunächst nicht erkennen, und gibt ihnen einen Tipp:

Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas fangen.
Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr!

„Der Jünger, den Jesus liebte“, versteht als erster, was hier los ist; jetzt sieht er klar, dass Jesus nach wie vor im Leben seiner Jünger anwesend ist. Jesus sagt ihnen, was sie tun sollen; wenn sie dies befolgen, finden sie Erfüllung und Sinn in ihrer Tätigkeit – und die Freude und der Erfolg werden auch nicht ausbleiben.
Es braucht noch einige solche Ermutigungen seitens Jesus, bis „der Jünger, den Jesus liebte“, zusammen mit den anderen die Kraft hat, wieder der Menschen­fischerei im Auftrag Jesu nachzugehen. Doch schließlich tun sie es; sie verkün­den den Menschen, denen sie begegnen, wie gut es tut und wie heilsam es ist, an Jesus und seine Botschaft zu glauben. Glaubwürdig werden sie, weil sie selbst ihren Mitmenschen heilsam begegnen und ihnen gut tun. Und so breitet sich das Christentum immer weiter aus, allen Verfolgungen zum Trotz.

Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, und mir, zeigt diese Begebenheit am See Gennesaret: Als Jüngerinnen und Jünger, die Jesus liebt, können wir nicht so tun, als gäbe es Jesus in unserem Leben nicht. Wir haben von ihm den Auftrag erhalten, da, wo wir im Leben stehen, und mit den Begabungen, die uns geschenkt sind, heilsam auf unsere Mitmenschen zu wirken und ihnen gut zu tun. Wenn wir dies ehrlich versuchen und wenn wir den Mut haben, zu sagen, dass Jesus uns den Auftrag dazu gegeben hat, bezeugen wir unseren Glauben. Das mag vielen egal sein, aber vielleicht findet der eine oder die andere Geschmack am Christsein. Auf jeden Fall schenkt uns unser heilsames und wohltuendes Verhalten Erfüllung und Sinn – und Freude macht es obendrein.

Als Jesus sich nach seiner Erscheinung am See Gennesaret von den Jüngern verabschiedet, ergibt sich folgendes Gespräch:

Petrus sah, wie der Jünger, den Jesus liebte, diesem folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt hatte. Als Petrus diesen Jün­ger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm? Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!

„Ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt“, sagt Jesus über den „Jünger, den er liebte“. Mit diesen Worten umschreibt Jesus, dass er für den Jünger das ewige Leben vorgesehen hat, weil der ihm folgt, also in seinem Auftrag unter­wegs ist. Gleiches empfiehlt Jesus dem Petrus: Folge du mir nach, so wie es dir möglich ist, und das ewige Leben blüht auch dir.

Ewiges Leben stellt Jesus auch Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, und mir in Aussicht. Er verspricht uns, dass all das Gute, das wir in seiner Nachfolge bewirken, uns über den Tod hinaus begleitet. Mit diesem Ziel vor Augen, dürfen wir jeden neuen Tag dankbar annehmen und ihn nutzen, um mit den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, heilsam und wohltuend zu wirken – als Jüngerin­nen und Jünger, die Jesus liebt.

Liebe Hörerinnen und Hörer, ich lade Sie ein, die in dieser Morgenfeier genannten Stellen, an denen „der Jünger, den Jesus liebte“, die Bühne des Johannes-Evangeliums betritt, immer wieder mal zu lesen und sich mit diesem Jünger zu identifizieren.
Diese Übung kann ein großer Gewinn für Sie sein:

* Für die Menschen, die Ihnen den Glauben weitergegeben haben, empfinden Sie tiefe Dankbarkeit, ebenso für Ihre Freundschaft mit Jesus.
* Sie erfahren, „wie Jesus tickt“, und Sie lernen, die Welt mit den Augen Jesu zu sehen.
* Ihnen wird bewusst, dass Sie zur Familie Jesu gehören, die sich gerade auch in schweren Zeiten gegenseitig stützt.
* In den Auferstehungsmomenten Ihres Lebens spüren Sie, dass Jesus für Sie da ist und bleibt.
* Sie begreifen Ihr Leben als Auftrag, durch heilsames und wohltuendes Verhalten Zeugnis für Jesus zu geben. Darin finden Sie Sinn, Erfüllung und Freude.
* Und Sie behalten das Ziel Ihres irdischen Weges vor Augen: das ewige Leben, das Jesus Ihnen versprochen hat.

So will ich beten:

Jesus, ich bin der Jünger, den du liebst.
Ich danke dir, dass du mein Freund bist.
Hilf mir, dass ich diese Freundschaft
schätze und lebendig erhalte.
Schenke mir deinen Segen,
damit ich heute und an jedem neuen Tag
die Kraft finde, Zeuge deiner Liebe zu sein,
bis ich dich schauen werde
von Angesicht zu Angesicht
und bei dir wohnen darf in Ewigkeit.

Amen.