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Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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Katholische Morgenfeier am 29.11.2015 / 1. Adventsonntag C

Heilsame Worte und Taten
Mit dem Lukas-Evangelium durch das Kirchenjahr

Lk 21,25-28 – Lk 13,10-16 – Lk 1,68-75 – Lk 12,54-57

Podcast

Ein großer Bauernhof in einem kleinen Dorf irgendwo in Frankreich: Hier lebt der sechzigjährige Ferdinand. Vor zwei Monaten sind sein Sohn und seine Schwie­gertochter mit den beiden Enkeln aus dem Bauernhof ausgezogen; das hat Ferdinand tief verletzt. Seither lebt er ganz allein und fühlt sich einsam in dem riesigen Haus.
Viel schlechter als Ferdinand ist seine Nachbarin Marceline dran. Die verarmte Cellistin lebt in einer heruntergekommenen Hütte und schlägt sich mehr schlecht als recht mit dem Verkauf von Gemüse aus dem eigenen Garten durch. Zwar kennen sich die beiden Nachbarn kaum, doch als Ferdinand sieht, dass das Dach von Marcelines Haus eigestürzt ist und Regen kommt, fasst er sich ein Herz und bietet ihr an, die Nacht in seinem Haus zu verbringen. Am nächsten Morgen legt sich Ferdinand umständlich Worte zurecht, mit denen er Marceline dazu bewegen will, dauerhaft bei ihm einzuziehen – er hat erkannt, dass Marceline niemals das Geld aufbringen könnte, ihr Haus reparieren zu lassen.

Nun entspinnt sich folgendes Gespräch:

M  „Ich kann keine Miete zahlen, das wissen Sie genau.“

F   „Ich habe nichts von Ihnen verlangt.“

M  „Warum tun Sie das?“

F   „Weil es normal ist.“

M  „Was ist normal?“

F   „Sich gegenseitig zu helfen.“

M  Ich verstehe nicht. Wir haben fast nie ein Wort miteinander gewechselt, haben uns nie die Hand gegeben, Sie wissen kaum, dass es mich überhaupt gibt, und plötzlich schlagen Sie vor…“

F   Ich weiß. Aber zerbrechen Sie sich darüber nicht den Kopf, Madame Marceline. Kommen Sie herein.“[1]

Und so zieht Marceline in das Haus von Ferdinand.
Kurze Zeit später stirbt die Frau von Guy, einem Bekannten, an Krebs. Ferdinand beobachtet, wie Guy alleine immer mehr verwahrlost, und so beschließt er, Guy ebenfalls in sein Haus zu holen. Guy willigt ein und bereichert die WG mit seinen organisatorischen und technischen Fähigkeiten.
Doch mit dem Drei-Personen-Haushalt ist noch nicht Schluss. Zwei alte Damen, die seit siebzig Jahren ein kleines Elektrogeschäft im Dorf betreiben und in der ganzen Zeit zusammen wohnten, droht der Rauswurf durch einen Erben, der es auf ihr Haus abgesehen hat. Erschwerend kommt hinzu, dass die eine Dame dement ist. Auch diese beiden lädt Ferdinand in seinen Bauernhof ein – Platz ist schließlich genug.
Nun macht sich Ferdinand auf die Suche nach einer Pflegekraft für die demente Seniorin und findet die angehende Krankenschwester Muriel, die auf Wohnungssuche ist. Sie bekommt als Gegenleistung für ihre Pflegetätigkeit Kost und Logis in Ferdinands Haus, ebenso der Student Kim, dessen Wohnung gekündigt wurde. Er hat den Auftrag, Gemüsegarten und Acker zu bewirtschaften, da dies den älteren Herrschaften immer schwerer von der Hand geht. Außerdem installiert Kim einen Internet-Anschluss im Haus, der nach anfänglicher Skepsis auch von den Senioren begeistert genutzt wird.

Eine bunt gemischte Siebener-WG hat sich ergeben, die allen Beteiligten Vorteile bringt. Am Esstisch und auf der Bank vor dem Haus treffen sie sich regelmäßig, um sich auszutauschen; mit großem Verständnis und Wohlwollen gehen sie mit­einander um und stützen sich in schweren Zeiten, beispielsweise als die demente Frau stirbt.
Schließlich taucht noch eine weitere Bewohnerin auf; für sie ist die WG der allererste Glücksfall ihres Lebens…
Diese anrührende Geschichte erzählt das Buch „Und dann kam Paulette“ von Barbara Constantine. Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen am Leben leiden, finden in dem Bauernhof von Ferdinand einen gemeinsamen Lebensraum vor, der ihr Leid zum Guten wendet.
Ich habe dieses Buch mit großem Genuss gelesen. Es erzählt in humorvoller, lockerer Sprache, wie heilsam das Zusammenleben ganz verschiedener Leute sein kann, wenn sie einander in Worten und Taten gut tun.

Heute will ich Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, ein weiteres Buch vorstellen, das schon viel älter ist als das eben genannte. Es berichtet ebenfalls von heilsamen Worten und Taten und wird so manche katholische Morgenfeier der kommenden Monate begleiten.

Am heutigen ersten Adventsonntag hat ein neues Kirchenjahr begonnen, das „Lesejahr C“. Diese Bezeichnung bedeutet: In den Sonntagsgottesdiensten werden nun hauptsächlich Passagen aus dem dritten Evangelium der Bibel verkündet, dessen Verfasser Lukas heißt; er hat sein Evangelium um das Jahr 80 herum geschrieben.
Lukas war Arzt von Beruf, und dies ist vermutlich der Grund dafür, dass er von allen vier Evangelisten am Deutlichsten das Heilsame in den Worten und Taten Jesu herausarbeitet. Psychologisch feinfühlig beschreibt Lukas, wie Menschen mit ihren körperlichen und seelischen Nöten zu Jesus kommen und bei ihm Heilung finden. Damit nimmt Jesus denen, die ihm begegnen, die Angst vor Gott, indem er ihnen versichert: Gott will euer Heil und nicht eure Vernichtung! Und Jesus ruft sie auf: Wirkt selber heilsam mit dem, was ihr sagt und tut!
Einige zentrale Aussagen Jesu über das heilsame Wirken Gottes und der Menschen sind nur bei Lukas zu finden, zum Beispiel das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32) oder vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37).

Weil es so voller heilsamer Worte und Taten ist, lese ich das Lukas-Evangelium immer wieder mit großer Freude. Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, möchte ich heute einige Auszüge aus diesem biblischen Buch näherbringen – zum einen den Abschnitt, der heute in den Gottesdiensten gelesen wird, zum anderen ein paar Passagen, die im „Lesejahr C“ in der gottesdienstlichen Verkündigung nicht vorkommen, aber dennoch lesens- und hörenswert sind.

Im heutigen Evangelium sagt Jesus:

Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.

Jesus verkündet kommendes Unheil nicht als Strafe Gottes; er macht lediglich ganz realistisch klar, dass in der Geschichte jedes Menschenlebens wie auch der gesamten Menschheit immer wieder schwere und sogar richtig schlimme Zeiten daherkommen. Doch zugleich betont Jesus: Gott steht über allen natürlichen und menschengemachten Katastrophen und wird dafür sorgen, dass diese nicht das letzte Wort behalten. Gott wird mit seiner Macht, die ausschließlich gut ist und die stärker ist als alles Unheil, zu den Menschen kommen und das Unheil in Heil verwandeln. Deshalb schließt Jesus mit der ermutigenden Aufforderung: „Richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“
Erhobenen Hauptes werdet ihr aus Schwierigkeiten hervorgehen, denn euer Gott ist gerade dann bei euch. Er gibt euch die Kraft, die nötig ist, um euch den Problemen zu stellen; ihr werdet nicht daran kaputtgehen, sondern daran reifen. Und vielleicht lässt Gott auch wieder bessere Zeiten für euch anbrechen. Vertraut auf Gott, dass er auf eurer Seite steht und heilsam für euch tätig wird! Bittet ihn um seine Hilfe! Er wird euch nicht enttäuschen.

Dabei ist Gott allerdings kein Wunscherfüllungs-Automat, der mir alles herbeizaubert, was ich mir erträume. Manchmal agiert Gott auf ganz andere Weise als von mir gedacht – auch und gerade das ist heilsam.
Was ich damit meine, möchte ich mit einer kleinen Begebenheit am Rande eines Seniorenausflugs meiner Pfarrei erklären. Wir besuchten eine Wallfahrtskirche, dort lag ein Buch für Gebetsanliegen aus, in dem ich ein bisschen herumblätterte. Dabei bin ich auf folgenden Eintrag gestoßen: „Gott, ich danke dir, dass du viele meiner Gebete nicht erhört hast.“ Was das wohl für Bitten waren?, habe ich mich gefragt. Dabei sind mir etliche Anliegen in den Sinn gekommen, die ich sel­ber an Gott gerichtet habe, die aber nicht erhört wurden – was sich im Nachhinein als gut für mich herausgestellt hat. Oder andersrum: Hätte Gott mir damals die eine oder andere Bitte erfüllt, wäre es für mich schädlich gewesen.
Vielleicht ist es Ihnen schon ähnlich ergangen – ähnlich wie dem Realschüler, der eine Absage nach der anderen auf seine Bewerbungen bekommt, daraufhin weiter zur Schule geht und nach ein paar Jahren in einem Beruf arbeitet, der ihm viel besser entspricht.
Oder die Familie, die im Bergurlaub eine Woche lang schlechtes Wetter hat, sich viel in der Pension aufhalten muss und eben deswegen Freundschaft mit einer anderen Familie schließt, mit der sie sich immer noch regelmäßig trifft.
Oder die junge Frau, deren Traumpartner kein Interesse an ihr zeigt, die aber zwei Jahre später ihren Mann fürs Leben findet – und mit dem sie nach zwanzig Jahren immer noch glücklich verheiratet ist.
In der Wallfahrtskirche habe ich mir damals gedacht: Gut, dass Gott nicht alle meine Gebete genauso erhört hat, wie von mir erwartet! Er hat nicht alle meine Wünsche erfüllt, aber er hat mir bisher immer gegeben, was gut für mich war – und wenn es „nur“ die Kraft war, mich einem Schicksalsschlag zu stellen, ihn auszuhalten und dabei nicht aufzugeben.

Gott ist heilsam tätig in meinem Leben. Darauf ist Verlass.
Dass dies kein leeres Geschwätz oder billiger Trost ist, habe ich durch meine Oma gelernt. Sie hatte ein bewundernswertes Gottvertrauen; und so sagte sie immer: „Der Herrgott wird’s schon recht machen.“ Dieses Vertrauen auf Gottes heilsames Wirken in ihrem Leben hat ihr geholfen, zwei Weltkriege durchzustehen, die Vertreibung aus dem Sudetenland, den frühen Tod ihres Ehemannes und ihrer Tochter und viele andere Schwierigkeiten eines 91 Jahre langen Lebens. Bis zu ihrem Tod blieb meine Oma eine fröhliche, zufriedene und positiv aufs Leben blickende Frau, weil sie immer wieder erlebt hatte: Auch wenn mein Leben derzeit noch so katastrophal verläuft, Gott hat mich nicht aus den Augen verloren. Gott hilft mir, mich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, das gegenwärtige Schlimme zu ertragen, den Kopf zu heben und den nächsten Schritt im Leben weiterzugehen. Mit diesem Gottvertrauen hat meine Oma mich angesteckt; ich bin dankbar, sie als Vorbild zu haben.

Gott setzt seine Macht heilsam für die Menschen ein – darauf weisen die vielen Heilungsgeschichten hin, die Lukas in seinem Evangelium gesammelt hat. Zum Beispiel diese:

Am Sabbat lehrte Jesus in einer Synagoge. Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde; ihr Rücken war ver­krümmt und sie konnte nicht mehr aufrecht gehen. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. Der Syna­gogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sag­te zu den Leuten: Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Ta­gen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat! Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit werden dürfen?

Von einem Dämon besessen sein: Mit dieser Begrifflichkeit versuchten die Men­schen zur Zeit der Bibel, sich einen Reim auf psychische oder psychosomatische Erkrankungen zu machen wie zum Beispiel depressive, manische oder epileptische Symptome.
Wenn Lukas hier also von einer Frau berichtet, die seit achtzehn Jahren von einem Dämon geplagt wurde, beschreibt er eine schlimme psychische Krankheit, die die Frau seit schier unerträglich langer Zeit begleitet hat. Jesus hat Mitleid mit ihr, spricht sie an und befreit sie von dem seelischen Leid.
Achtzehn Jahre: manche schwere Zeit im Leben dauert quälend lange. Gib nicht auf! rät Jesus. Gott ist und bleibt bei dir, er leidet mit dir, und er wird dich auch wieder bessere Zeiten erleben lassen.
Außerdem sollst du wissen: Für Gott gibt es keinen Ruhetag, der ihn davon abhalten könnte, auf deine Anliegen zu hören und heilsam für dich tätig zu werden.

Ganz am Anfang des Lukasevangeliums begegnet uns ein Jerusalemer Tempel­priester namens Zacharias. Er und seine Frau Elisabet sind schon „in vorgerücktem Alter“, wie Lukas schreibt. Die beiden schleppen seit Jahrzehnten eine tiefe Demütigung mit sich herum: Sie haben keine Kinder; dies galt in der damaligen Zeit irrtümlicherweise als Zeichen dafür, dass sie oder ihre Vorfahren große Fehler begangen haben und dafür von Gott mit Kinderlosigkeit bestraft werden.
Gegen jede biologische Wahrscheinlichkeit wird Elisabet jedoch schwanger, und als der Sohn namens Johannes auf der Welt ist, jubelt Zacharias über seinen Gott, der nach einer langen Zeit des Wartens heilsam an ihm und Elisabet gehandelt hat:

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen; er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David. So hat er verheißen von alters her durch den Mund seiner heili­gen Propheten. Er hat uns errettet vor unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen; er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet und an seinen heiligen Bund gedacht, an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat.

Zacharias hat Gott als zuverlässigen Bündnispartner erfahren, der zu seinem Versprechen steht, für die Menschen da zu sein und sie zu retten, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Dafür dankt er Gott, und er erkennt darin den Auftrag, selber heilsam zu handeln, wie Gott an ihm heilsam gehandelt hat. Und so betet Zacharias:

Gott hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsre Tage.

Diese paar Worte beschreiben, was heilsames Handeln für uns bedeuten kann:

Wir, aus Feindeshand befreit.

„Feind“ steht für alles, was Schwierigkeiten bereitet, belastet oder weh tut – jede Form von Unheil im Leben also. Wenn wir erfahren haben, dass Gott uns von solchen „Feinden“ befreit hat, ist es eine schöne Form der Dankbarkeit Gott gegenüber, wenn wir…

ihm furchtlos dienen vor seinem Angesicht.

Dienst am Menschen ist immer auch Gottesdienst. Alles Gute, das wir einem anderen Menschen sagen oder tun, sieht Gott, und er freut sich darüber, wie wenn es ihm selber gegolten hätte. Dieses Gute soll großzügig von uns ausgehen, und es soll geschehen…

in Heiligkeit und Gerechtigkeit all unsre Tage.

Heiligkeit, ich möchte sagen Heilsamkeit, strahlen wir aus, wenn wir anderen Menschen hilfsbereit begegnen, wenn wir für sie ein freundliches Wort oder ein ehrliches Kompliment haben, wenn wir ihnen unsere Zeit schenken oder ein wirklich so gemeintes „Wie geht es dir?“. Und Gerechtigkeit liegt in all dem, was andere Menschen aufrichtet, sei es Ermutigung, Lob oder Hochachtung. Dazu gehört auch, nicht zu dulden oder wegzuschauen, wenn jemand kleingemacht oder abgelehnt oder mit Hass bedacht wird.
Auch das Richten im Sinne von Reparieren kaputter Verbindungen ist eine Form von Gerechtigkeit: Dazu gehört die Bereitschaft zur Versöhnung oder der Versuch, einen brachliegenden Kontakt wiederzubeleben.
Übrigens: Das „all unsre Tage“ aus dem Mund des Zacharias weist uns darauf hin, dass es auch für uns keinen Ruhetag geben sollte für heilsames Reden und Tun.

Das Lukas-Evangelium versichert mir anhand vieler Heilungsgeschichten: Gott hat heilsame Worte und Taten auch für mich. Dieses Wissen motiviert mich, dass ich selber Heilsames sage und tue.

Damit ich gerade jetzt in der Adventszeit beide Aspekte heilsamen Handelns im Blick behalte, habe ich heuer einen ganz besonderen Adventskalender gestaltet; vielleicht mögen Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, ihn für sich selber nachbauen...

Zuerst brauche ich einen klassischen Adventskalender mit Schokolade drin; fair gehandelt muss die allerdings schon sein, damit sie mir schmeckt. Dazu kommt eine Bibel und außerdem ein Blatt Papier mit einem Text drauf.
Mein Adventskalender funktioniert so: Morgens öffne ich ein Türchen und genieße die Schokolade. Sie zeigt mir, dass ich heute die Energie habe, heilsame Worte und Taten zu verschenken. Abends schlage ich in der Bibel das Lukas-Evangelium auf. Es hat gleich viele Kapitel wie der Schoko-Adventskalender Türchen und hält somit für jeden Tag bis Weihnachten ein neues Kapitel für mich bereit. Dieses lasse ich in Ruhe auf mich wirken. Und mittags nehme ich das Blatt mit dem Text zur Hand, der an allen vierundzwanzig Tagen der gleiche ist. Er erinnert mich mitten im Getriebe des Alltags daran: Auch heute kann ich Gottes heilsames Wirken erfahren. Außerdem bewahrt mich der Text davor, mich selbst zu überfordern in Sachen Heilsamkeit. Papst Johannes XXIII. hat ihn verfasst; er lautet:

Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben – ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen – und ich werde es niemandem erzählen.

Nur für heute werde ich … mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.
Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.
Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.
Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten an jedem Tag zu jeder Stunde, und ohne Übertreibung und mit Geduld.[2]

Und so segne dich und begleite dich durch diese Adventszeit
der menschenfreundliche Gott,
der für dich und in dir und durch dich heilsam wirkt:
Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.



[1] Barbara Constantine, Und dann kam Paulette. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2013. ISBN 978-3-463-40641-1

[2] zitiert nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_10_Gebote_der_Gelassenheit