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Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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Katholische Morgenfeier am 12.07.2015

Damit die Frohe Botschaft landen kann

Mk 6,7-13

Podcast

Es ist der 2. März 2004, einer von so vielen tropisch heißen Tagen im südameri­kanischen Französisch-Guayana. Im Raumfahrtzentrum Kourou zählt der Count­down auf null. Die Antriebsdüsen der Trägerrakete Ariane zünden. Langsam erhebt sich die Rakete und gewinnt an Tempo, immer höher steigt sie in den blauen Himmel. Mit Ariane startet kostbare Fracht: das Satellitenpaar Rosetta und Philae. Als die Flughöhe erreicht und die Trägerrakete verglüht ist, beginnt für Rosetta und Philae eine lange und weite Reise durchs All: Zehneinhalb Jahre lang sind die beiden als Tandem unterwegs, dabei legen sie sieben Milliarden Kilometer zurück.

Der November 2014 brachte für Rosetta und Philae die riskanteste Episode der Mission: Rosetta begab sich auf eine Umlaufbahn um den Kometen Tschurjumow-Gerassimenko, besser bekannt als „Tschuri“. Philae wurde von Rosetta abgekoppelt, um dort zu landen – auf einem winzigen, stark zerklüfteten Gesteinsbrocken. Das war Weltpremiere!

Die Landung gelang, Philae hatte es geschafft. Großer Jubel bei der Europäi­schen Raumfahrt-Agentur ESA, die Medien überschlugen sich mit Berichten. Doch leider kam Philae an einem schattigen Ort auf „Tschuri“ zu stehen, sodass die Solarzellen ihre Arbeit nicht aufnehmen konnten und die Batterie nach gut zwei Tagen leer war. Funkstille.

Ich habe mir damals gedacht: Was soll das? Da wird jahrelang an so einer Mis­sion getüftelt und massenweise Geld ausgegeben. Da fliegt so eine Sonde zehn Jahre im Weltall herum, nur dass ihr dann, als sie endlich am Ziel ist, nach 57 Stunden der Saft ausgeht? Warum haben denn die Konstrukteure von der ESA nicht einfach eine stärkere Batterie eingebaut? Da habe ich ausgiebig recher­chiert und schließlich eine plausible Antwort gefunden: Für diese Mission, auf so einem winzigen Himmelskörper zu landen, hat Philae möglichst klein und leicht gebaut werden müssen; grad mal 100 Kilo bringt der Lander auf die Waage. Nur mit ganz leichtem Gepäck hatte Philae überhaupt die Chance, auf dem Kometen aufzusetzen. Eine stärkere und damit schwerere Batterie hätte bedeutet, dass die Stromversorgung viel länger gesichert wäre, aber dann hätten an Bord weni­ger Geräte für Experimente Platz gefunden. Die Wissenschaftler entschieden sich gegen die größere Sicherheit; dafür bauten sie mehr Instrumente ein, um dem Kometen möglichst genau auf den Stein fühlen zu können – in der Hoff­nung, dass genug Sonnenlicht da ist, um die kleine Batterie immer wieder aufzu­laden.

Es wird sich zeigen, ob sich die Risikobereitschaft der Forscher bezahlt gemacht hat. Immerhin hat sich Philae vor kurzem wieder gemeldet, weil mittlerweile der Komet näher an der Sonne ist und damit die Solarzellen mehr Sonnenlicht abbekommen. Wenn in der nächsten Zeit auch noch der Funkkontakt von Philae zur Erde besser wird, könnte die Weltraum-Mission noch ein echter Erfolg werden.

Liebe Hörerinnen und Hörer, ich möchte Ihnen heute Vormittag noch von einer weiteren Mission erzählen: Sie ist ähnlich ambitioniert und risikofreudig wie Rosetta und Philae. Allerdings startete sie nicht vor zehn Jahren, sondern vor zweitausend. Und sie ist noch lange nicht zu Ende.

Von den Anfängen dieser Mission erzählt der Evangelist Markus. Diese erstreckt sich im Unterschied zu Philae und Rosetta nicht auf den Weltraum, sondern auf das Gebiet von Galiläa in Israel. Nicht die ESA ist verantwortlich für das Projekt, sondern Jesus; und der schickt keine Satelliten auf die Reise, stattdessen Men­schen. Doch genug der Unterschiede; beide Missionen weisen interessante Ähn­lichkeiten auf.

Hören wir, was Markus berichtet:

In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen.

Philae und Rosetta sind zu zweit am Kometen Tschuri tätig: Die Messungen der beiden Satelliten ergänzen sich zu einem umfassenden Bild; außerdem braucht Philae ihre Partnerin Rosetta als Verbindungsstation für den Funkkontakt zur Erde.

Ganz ähnlich ist es bei der Mission Jesu: Er schickt seine engsten Freunde, genannt die Zwölf, paarweise los. So können sie sich gegenseitig ergänzen und unterstützen bei dem, was sie zu sagen und zu tun haben. Darüber hinaus ist die Chance größer, dass die beiden auf offene Ohren und offene Türen treffen, wenn sie freundschaftlich miteinander unterwegs sind und zwischen ihnen beiden gute Stimmung herrscht. Vor allem gewinnt durch ihr paarweises Auftreten ihre Mis­sion an Glaubwürdigkeit, denn damals, zur Zeit Jesu, gilt: Eine Aussage ist dann wahr, wenn zwei Zeugen für sie einstehen.

Was ist das für eine Mission, auf die sich die Zwölf begeben? Der Evangelist Markus gibt Antwort.

Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Die ESA hofft, durch die Philae-und-Rosetta-Mission viele Datenpakete zuge­funkt zu bekommen, die völlig neue Erkenntnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems ermöglichen.

Auch Jesus geht es um grandiose Neuigkeiten in der von ihm gestarteten Mis­sion; allerdings will er Neuigkeiten nicht sammeln, sondern senden. Und so gibt er seinen Freunden drei „Tatenpakete“ mit auf den Weg:

·        Die Menschen zur Umkehr aufrufen.
Darin steckt die größte Neuigkeit, die die Freunde Jesu verbreiten sollen: Gott ist die Liebe! Der Gott, den Jesus verkündet, ist ausschließlich liebe­voll, gütig und menschenfreundlich. Alle Menschen sind eingeladen, ihn kennenzulernen und sich an seinem Maßstab der Liebe zu orientieren. Wer an den Gott Jesu glaubt, ist aufgerufen zur Umkehr: Er soll sich abwenden von allem, was der Liebe widerspricht; er soll also Egoismus, Neid, Boshaf­tigkeiten und Gewalt in jeder Form aus seinem Verhalten herausnehmen. Zugleich soll er sich hinwenden zu dem, was Liebe bedeutet, also Fairness, Wohlwollen, Respekt und Hilfsbereitschaft zur Grundlage seines Redens und Tuns machen.
Die Zwölf haben die Aufgabe, die Menschen, denen sie begegnen, mit dem liebevollen Gott bekannt zu machen; das gelingt natürlich am besten, wenn sie selbst liebevoll agieren – beispielsweise, indem sie

·        Dämonen austreiben.
„Dämon“ war in der Zeit der Bibel der Sammelbegriff für alles, was der Seele wehtut: Ängste, Depressionen oder Wahnvorstellungen wurden auf Dämonen zurückgeführt. Wer so einen „Dämon“ hatte, wurde aus der Gemeinschaft ausgestoßen; er bekam zu hören: Gott hat sich von dir abge­wandt. Du musst ja schon was ganz Schlimmes angestellt haben, dass Gott dich nicht mehr liebt. Wir halten uns lieber fern von dir, damit du uns nicht anstecken kannst mit deiner Schlechtigkeit. – So hatten Betroffene neben ihrer seelischen Last auch die Verachtung ihrer Mitmenschen zu tragen.
Gerade zu den Menschen, die von solchen „Dämonen“ geplagt werden, suchen die Freunde Jesu Kontakt, um ihnen zu vermitteln: Gott hat sich nicht von euch abgewandt, im Gegenteil. Er liebt euch genauso wie die anderen, er geht mit euch durch diese schwere Zeit, und er wird euch die Kraft geben, eure Lasten auch wieder loszuwerden.
Ihr seid nicht allein, Gott ist bei euch! versichern die Zwölf den seelisch Leidenden, indem sie selber bei ihnen bleiben. Der erste Schritt zur seeli­schen Heilung ist getan.
In einer ähnlichen Lage wie die seelisch Leidenden waren damals körper­lich Kranke: Diese sollen die Zwölf

·        mit Öl salben und heilen.
Auch körperliche Krankheiten galten als Konsequenz schwerer Sünden – mit dem gleichen Effekt, dass Kranke nicht mehr Teil der Gemeinschaft waren. Die Zwölf hingegen salben die Kranken mit Öl – ein Ritual, das für die herausragendsten Persönlichkeiten im Volk Israel reserviert war. Der König wurde beim Amtsantritt mit Öl gesalbt und der Hohepriester des Jerusalemer Tempels. Ein mit Öl Gesalbter galt als jemand, der bei Gott einen besonders großen Stein im Brett hatte. Dies erfuhren nun auch die Kranken, als sie mit Öl gesalbt wurden. Zugleich war das ein völlig neues Zeichen in Richtung der Gesunden: Hütet euch davor, die Kranken nieder­zumachen! In Gottes Augen sind sie wertvoll und liebenswert.

Zur Umkehr aufrufen, Dämonen austreiben, Kranke mit Öl salben: Das ist die Mission, auf die Jesus seine besten Freunde, die Zwölf, schickt. Damit sollen sie den Menschen, denen sie begegnen, wichtige Neuigkeiten bringen:

·        Gott ist die Liebe. Nach dem Maßstab Gottes leben, heißt liebevoll leben.

·        Denen, die seelisch oder körperlich leiden müssen, wendet sich Gott in besonderer Weise zu.

·        Jeder Mensch ist für Gott in gleicher Weise wertvoll und liebenswert.

Das sind gute Neuigkeiten! Damit diese Frohe Botschaft bei den Menschen lan­den kann, weist Jesus die Zwölf an, mit leichtem Gepäck zu reisen.

Hier setze ich meinen letzten Vergleich mit der Philae-Rosetta-Mission an. Das geringe Gewicht von Philae war ja die Voraussetzung, auf dem Kometen landen zu können. Jesus weist die Zwölf an, auf ihrer Mission ebenfalls jedes schwere Gepäck zuhause zu lassen, wie der Evangelist Markus notiert:

Jesus gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.

Nur einen Wanderstab nehmen sie mit; er erinnert sie daran, dass sie unterwegs bleiben zu den Leuten und mit ihnen. Auf ihrem Weg haben die Zwölf allein die Frohe Botschaft im Gepäck; damit diese zur Geltung kommt, verzichten sie auf alles Materielle, an das sie ihr Herz und ihr Hirn hängen könnten.

Eine riskante Mission ist das, ohne jeden Besitz und unbewaffnet unterwegs zu sein, doch die Zwölf gehen dieses Risiko ein. Die Sicherheit, sich irgendwo bequem einzurichten, tauschen sie ein gegen die Aussicht, den Menschen, die ihre Wege kreuzen, ganz nah zu sein, weil sie ja von deren Wohlwollen abhängig sind. Außerdem können sie so gar nicht der Versuchung erliegen, die Frohe Bot­schaft mit Zwang oder Gewalt zu verbreiten.

Jesus sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.

Die Zwölf teilen das Leben mit denen, die sie in ihr Leben lassen. Sie essen mit ihnen, sie stehen mit ihnen auf dem Marktplatz beieinander, sie reden mit ihnen über Gott und die Welt. In dieser Atmosphäre kann die Frohe Botschaft landen, weil die Zwölf den Menschen mitten in deren Leben etwas Gutes sagen und gut tun – und weil sie deutlichmachen, wer ihnen dafür die Kraft und Inspiration gibt: Der liebevolle Gott.

So begann vor zweitausend Jahren die Mission, die Frohe Botschaft Jesu bei den Menschen landen zu lassen. Der genaue Blick auf die Anfänge lohnt sich, denn diese Mission ist bis heute nicht zu Ende; und die Christen der Gegenwart können von den Zwölf viel lernen.

Deren Umfeld damals ist gar nicht so verschieden zur heutigen Situation in unse­rem Land, was den christlichen Glauben angeht. Auch in unserer Zeit wissen viele Menschen nichts oder nur wenig von der Frohen Botschaft; selbst vielen Christen ist das, was Jesus gesagt und getan hat, fremd.

Und dennoch steckt in mehr Menschen, als man denkt, ein Sehnen und Suchen gerade nach einem menschenfreundlichen Gott – einem Gott, der es gut mit ihnen meint und sie auf ihren Lebenswegen beschützt. Der Redakteur Matthias Kamann von der Tageszeitung „Die Welt“ schreibt im Blick auf unsere Gesell­schaft: „[Es] ist davon auszugehen, dass ein weiterhin erheblicher Anteil der Bevölkerung das nach wie vor vorhandene Bedürfnis nach Religiosität vor allem auf die christliche Tradition richtet, diese aber zunehmend aus der Perspektive interessierter Ungläubigkeit betrachten wird.“[1] Kamann schließt mit der Prog­nose, dass für die inspirierte Auseinandersetzung mit christlichen Botschaften und Geschichten eher gute Zeiten anbrechen dürften.[2]

Da eröffnet sich in unserem Land ein Feld, auf dem die Frohe Botschaft Jesu landen kann. Wie damals in Galiläa braucht Jesus auch heute in Deutschland Freundinnen und Freunde – die modernen Zwölf sozusagen –, die er losschicken kann, um die alte Botschaft, die doch so aktuell ist, zu den Menschen zu bringen: Gott liebt dich! Gott ist und bleibt dir freundlich zugewandt, denn für Gott bist du wertvoll und liebenswert.

Wie damals bei den Zwölf gelingt das heute am besten, wenn die „modernen Zwölf“ zusammenarbeiten und einander ergänzen, wenn sie auf Glaubwürdigkeit achten und mit leichtem Gepäck reisen, um nah bei den Menschen zu sein – und wenn sie auf jede Form von Druck oder Zwang bei der Verbreitung der Frohen Botschaft verzichten.

Zu den modernen Zwölf in meiner Stadt gehört Bruder Martin Berni, ein gelernter Krankenpfleger, der hier in Ingolstadt eine Straßenambulanz für Obdachlose[3] gegründet hat. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Oliver Markgraf kümmert er sich seit zehn Jahren um Wohnsitzlose. Diese bekommen in der Straßenambu­lanz ein warmes Essen und eine Dusche, einen Schlafplatz und frische Kleidung. Bei Bedarf werden sie medizinisch versorgt, bei Behördengängen unterstützt oder in Therapien vermittelt. Seit Bruder Martin aus dem Franziskanerorden aus­getreten ist und eine eigene ökumenische Gemeinschaft gegründet hat, finanziert er sein Leben und seine Arbeit größtenteils aus Spenden.

Bruder Martin ist mit leichtem Gepäck unterwegs. Materielle Sicherheit stellt er hintenan; seine Priorität ist es, sich ganz auf die Obdachlosen einzulassen, die zu ihm kommen, und ihnen die Frohe Botschaft Jesu nahezubringen. Bruder Martin und sein Mitarbeiter tun dies, indem sie den Bedürftigen das Lebensnot­wendige geben, das sie gerade brauchen, und indem sie viel Zeit, ein offenes Ohr und ein gutes Wort für sie haben. Sie tun dies aus der christlichen Überzeu­gung, dass Gott jeden Menschen liebt, weil jeder Mensch für Gott wertvoll ist – auch der, der auf der Straße lebt. Dieses Engagement weckt Interesse auch bei dem einen oder der anderen, die an der Straßenambulanz vorbeigehen: Warum tut ihr beiden das? fragen sie, und: Wer oder was motiviert euch dazu? Sie bekommen die Antwort: Unser Gott hält uns dazu an, seine Liebe gerade zu denen zu bringen, die vielleicht am wenigsten davon spüren.

Die Straßenambulanz von Bruder Martin ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie die Frohe Botschaft Jesu landen kann – in meiner Zeit und in meiner Stadt.

Zugegeben: Ich könnte mir nicht vorstellen, so zu leben wie Bruder Martin. Das ganz leichte Gepäck, der völlige Verzicht auf Sicherheit ist wohl bei weitem nicht jedes Christen Sache. Doch jede und jeder kann darauf achten, den Mitmen­schen nahe zu sein innerhalb des Rahmens, den Familie und Beruf setzen. Ich kenne etliche Frauen und Männer, die zwar nicht auf ihren gesamten Besitz ver­zichten, aber doch regelmäßig auf etwas Geld, um die Straßenambulanz mit ihrer Spende zu unterstützen. Andere verzichten auf einen Teil ihrer freien Zeit und arbeiten ehrenamtlich mit; sie stellen ihre Fähigkeiten als Köchin oder Arzt, als Gesprächspartner oder Näherin zur Verfügung.

Zwei weitere Beispiele will ich noch nennen, wie „moderne Zwölf“ auf ihrer Mis­sion aussehen können; ich finde sie hier in meiner Pfarrei St. Anton.

Ein gutes Dutzend Frauen und Männer sind in der Nachbarschaftshilfe der Pfar­rei aktiv. Als regelmäßige Kirchgänger und aktive Christen tragen sie die Frohe Botschaft über ihre eigene Kirchen- und Haustür hinaus zu Menschen, die ihre Hilfe brauchen. Sie investieren dafür Zeit und Energie und ihre je eigenen Bega­bungen: Die eine hat vormittags Zeit und ein Auto daheim, um gebrechliche Menschen zum Arzt zu fahren. Der andere kennt sich gut bei den Behörden aus und hilft fremdsprachigen Mitbürgern beim Ausfüllen von Formularen. Wieder eine andere beaufsichtigt als Lehrerin den kleinen Sohn einer alleinerziehenden Mutter, damit diese zum Bewerbungsgespräch fahren kann. So kommt in der Nachbarschaftshilfe von St. Anton eine bunte Gruppe von Leuten zusammen, die auf ihre je eigene Weise anderen helfen, ganz egal ob diese katholisch oder evangelisch, muslimisch oder konfessionslos sind. Warum sie so gern helfen, hat eine Frau mal auf den Punkt gebracht: „Ich helfe den anderen nicht, weil sie Christen sind, sondern weil ich Christin bin.“

Durch die Frauen und Männer von der Nachbarschaftshilfe kann die Frohe Bot­schaft landen.

Dies geschieht auch in einer Gruppe junger Leute, die aus der pfarrlichen Jugendarbeit herausgewachsen sind und sich vor ein paar Jahren zu einer Gemeinschaft junger Erwachsener zusammengetan haben. Durch persönliche Kontakte fanden auch junge Erwachsene von außerhalb der Pfarrei zu der Gruppe, sogar zwei Ungetaufte. Bei gemeinsamen Unternehmungen lernten sich die jungen Erwachsenen immer besser kennen, und so entstand die Idee, einen Glaubenskurs zu organisieren. Unter der Leitung unseres Pastoralassistenten brachten die Christen ihre religiösen Erfahrungen ein, und die Nichtchristen erfuhren viel Neues über den christlichen Glauben. Vor zwei Monaten konnten sie Taufe, Erstkommunion und Firmung feiern – ihre Paten kamen aus ihrer Gruppe.

Die Taufe eines bisherigen Nichtchristen ist bei weitem nicht das einzige Krite­rium dafür, dass die Mission der „modernen Zwölf“ Erfolg hat. Immer wenn ein Mensch – sei er Christ oder nicht – erfährt, dass ein Christ ihm Gutes sagt und Gutes tut, und wenn dieser Mensch spürt, dass da ein liebevoller Gott dahinter­steckt, der sich auch ihm freundlich zuwendet, weil er wertvoll ist in Gottes Augen: immer dann hat die Frohe Botschaft einen Landeplatz gefunden.

Ich will beten:

Herr Jesus Christus,

als deine Freundinnen und Freunde

sendest du uns zu unseren Mitmenschen,

um ihnen den liebevollen Gott nahezubringen

durch gute Worte und Werke.

Gib uns deinen Geist,

damit wir erkennen, was wir tun

und was wir lieber bleiben lassen sollen,

damit deine Frohe Botschaft landen kann

und unsere gemeinsame Mission Erfolg hat.

Amen.



[1] http://www.welt.de/politik/deutschland/article119742216/Christen-in-Deutschland-werden-zur-Minderheit.html

[2] vgl. a.a.O.

[3] weitere Informationen dazu: http://www.strassenambulanz-ingolstadt.de