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Die Frohe Botschaft für Leute von heute



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von Pfarrer Matthias Blaha



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Katholische Morgenfeier am 10.11.2013 / 32. Sonntag im Jahreskreis C

Bilder des Himmels

Lk 20,27-38

Podcast

Wie stellst du dir den Himmel vor? habe ich vor einigen Jahren meine Drittklässler gefragt, die ich damals in Religion unterrichtet habe. Wir haben um Allerheiligen herum überlegt, wie es mit einem Menschen weitergeht, wenn er gestorben ist. Manche Kinder waren bereits mit dem Tod von Uropa, Oma oder sogar dem Vater konfrontiert worden, und gerade sie waren sich sicher: „Wenn jemand gestorben ist, dann kommt er in den Himmel, und dort lebt er weiter.“ Von diesem Himmel als Wohnort der Verstorbenen sollten nun die Kinder ihr ganz persönliches Bild malen. Das haben sie mit viel Eifer getan und anschließend ihren Klas­senkameraden wie auch mir ihre Ergebnisse präsentiert.

Ein Bub hat ein strahlend helles Bild gemalt; er stellt sich vor, dass im Himmel immer die Sonne scheint. Als sonnigen Ort sieht auch ein Mädchen „ihren“ Himmel: Als eine bunte Blumenwiese mit Apfelbäumen, Hasen und Schmetterlingen, über der die Sonne lacht. Das Himmels-Bild eines weiteren Jungen zeigt eine prächtige Ritterburg mit hohen Türmen, mit Zinnen, einem großen Tor und einer Zugbrücke. Sein Banknachbar hat in eine ähnliche Richtung gedacht und einen prächtigen Thronsaal gemalt. Ein freundlich lächelnder König sitzt auf dem Thron, und damit jeder weiß, wer dieser König ist, deutet ein Pfeil auf ihn mit dem Vermerk „Gott“. Dass es im Himmel Ferraris gibt, die über eine Rennbahn sausen, meint ein anderer Bub. Jede Menge Geldscheine sind auf dem Bild eines Mädchens zu sehen. Und ein weiteres Mädchen stellt fest: „Zum Himmel gehören Schnitzel und Pommes, denn das ist mein Lieblingsessen.“

Nachdem alle Kinder ihre Bilder vom Himmel vorgestellt hatten, haben wir uns ausführlich darüber unterhalten und herausgefunden: Jedes dieser Bilder ist gewissermaßen „richtig“, denn jedes einzelne Bild enthält einen Teil der Wahrheit dessen, was der Himmel ist. Diese Wahrheit versteckt sich in den ganz unterschiedlichen Symbolen, die die Kinder verwendet haben.

Die Sonne im Himmels-Bild vermittelt die Überzeugung, dass es im Himmel warm ist und freundlich und schön. Dazu passt auch die Blumenwiese, die den Himmel als Ort beschreibt, an dem das Leben blüht und Freude herrscht.

Den Himmel als sicheren Ort, als Heimat und auch als Zuflucht stellt die wehrhafte Burg dar; ihre Bewohner sind vor Feinden geschützt – rein darf nur, wer in friedlicher Absicht kommt.
Dass Gott im Himmel das Sagen hat, wird durch den König im Thronsaal deutlich.
Sogar die Rennwägen haben als Himmels-Symbole ihre Berechtigung, weil sie die Freude und den Sieg nach vollbrachtem Lauf darstellen.
Die Geldscheine drücken aus, dass im Himmel jeder genug zum Leben hat und niemand Not leiden muss.
Und das Schnitzel mit Pommes lässt hoffen, dass im Himmel alles vorhanden ist, was gut tut, was buchstäblich Geschmack ins Leben bringt.

Diese kindlichen Bilder mit ihrer reichen Symbolik haben mich tief beeindruckt. Sie illustrieren den Himmel als durch und durch positiven Ort, als guten Lebens-Raum – und der tut sich all denen auf, die ihr Leben auf dieser Erde vollendet haben.

Die Drittklässler befinden sich mit ihren Bildern vom Himmel in guter Gesellschaft: Auch Jesus hat Himmels-Bilder gemalt – nicht mit Buntstift und Papier, aber mit Worten. Und auch Jesus verwendet ausschließlich positive Symbole, wenn er vom Himmel als dem Ort spricht, an dem die Verstorbenen leben.

Im Evangelium des heutigen Sonntags stellt Jesus erst mal grundsätzlich klar, dass es den Himmel überhaupt gibt. In der Diskussion mit Sadduzäern, die die Lehre vertraten, dass nach dem Tod kein Weiterleben mehr kommt, sagt Jesus:

Sprecherin:
Dass die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dorn­busch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt.
Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig.

Ihr irrt euch, wenn ihr meint, der Tod wäre das Ende, betont Jesus gegenüber den Sadduzäern. Denn für Gott sind alle lebendig: Die bedeutenden Figuren der Geschichte des Judentums wie Abraham, Isaak oder Jakob – und genauso auch die weniger schillernden Persönlichkeiten wie zum Beispiel die eigenen Vorfahren. Dass es die Auferstehung der Toten und damit den Himmel gibt, ist für Jesus ein Faktum – unbestreitbare Tatsache und offensichtliche Wirklichkeit.

Doch die Sadduzäer geben sich nicht so einfach geschlagen; sie erzählen Jesus ein Beispiel, um ihn und seinen Himmel in Frage zu stellen:

Sprecherin:
Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der zweite, danach der dritte und ebenso die ande­ren bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau. Wes­sen Frau wird sie nun bei der Auferste­hung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.

Eine Frau in der Gesellschaft des Vorderen Orients zur Zeit Jesu war ohne Mann an ihrer Seite praktisch rechtlos. Starb ihr Mann und sie hatte keine männlichen Nachkommen, drohte ihr die Armut, weil sie nicht erbberechtigt war. Um diese Notlage zu vermeiden, gab es im Judentum das Gesetz der „Schwagerehe“. Diese Regelung empfahl, dass ein anderes männliches Mitglied aus der Großfamilie des verstorbenen Ehemannes die kinderlose Witwe heiratet – so bekam die Frau wieder einen Mann und damit ihre Rechte; außerdem erhielt sie von neuem die Chance, Kinder zu bekommen.

Ausgehend von dieser Gepflogenheit, konstruieren die Sadduzäer die Geschichte von einer Frau mit besonders hohem Männer-Verschleiß. Sieben Ehemänner überlebt sie, bevor sie selber stirbt. Wenn es nun eine Auferstehung gibt und die Frau den Himmel betritt, dann trifft sie auf ihre sieben Verflossenen.

So, und jetzt? fragen die Sadduzäer den Jesus.
Der lässt sich nicht in Verlegenheit bringen und antwortet:

Sprecherin:
Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten. Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen und Töchtern Gottes geworden sind.

Der Himmel ist ganz anders als das, was ihr von euren irdischen Erfahrungen her kennt, erklärt Jesus den Sadduzäern. Weil alle Bewohner des Himmels gleich viel wert sind, braucht eine Frau nicht mehr zu heiraten, um ihre Rechte wahrnehmen zu können oder materiell versorgt zu sein. Alle gelten als Töchter und Söhne Gottes, um jede und jeden einzelnen von ihnen kümmert sich Gott ganz persönlich. Gott selbst sorgt dafür, dass jeder Mensch im Himmel gut leben kann, und er sorgt ebenso dafür, dass dieses gute Leben nie mehr endet.

Jesus beschreibt, wie es im Himmel aussieht. Gegenüber den Sadduzäern tut dies Jesus mit einer Feststellung, einer Verneinung und einem Vergleich.
Die Feststellung: Im Himmel lebt Gott, und er ist ein Gott der Lebenden. Der Himmel ist Realität, im Himmel blüht das Leben.
Die Verneinung: Im Himmel wird nicht geheiratet, da dort irdische Maßstäbe nicht mehr gelten.
Und der Vergleich: Im Himmel sind die Menschen den Engeln ähnlich, und wie die Engel sind sie unsterblich.

Auch bei den vielen anderen Gelegenheiten, bei denen Jesus vom Himmel erzählt, spricht er in Bildern. Eindeutige Definitionen von „Himmel“ sucht man bei Jesus vergeblich. Warum ist das so, dass Jesus nicht Klartext spricht, wenn es um den Himmel geht, sondern stattdessen sagt: „Mit dem Himmel ist es so ungefähr wie…“?

Um diese Frage zu beantworten, bitte ich Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, zu einem Gedankenspiel: Ein Pilot überfliegt den Amazonas-Urwald und muss not­landen. Dies gelingt ihm auf dem breiten Fluss, und er kann sich ans Ufer retten. Dort trifft er auf Mitglieder eines Ureinwohner-Stammes, die ihn neugierig anschauen. Sie nehmen den Piloten bei sich auf, und der erkennt: Diese Menschen haben keinerlei Verbindung zur Außenwelt! Da dem Piloten ebenfalls diese Verbindung zusammen mit seinem Flugzeug abhanden gekommen ist, bleibt er bei den Ureinwohnern. Mit der Zeit lernt er ihre Sprache, und die Ureinwohner wollen von ihm wissen: Wo kommst du her? Wie sieht es dort aus, wo du vorher warst?

Der Pilot beschreibt seine bisherige Lebenswelt und erzählt unter anderem, dass er ein Auto besitzt. „Auto – was ist denn das?“ fragen die Ureinwohner. Sie haben so etwas noch nie gesehen, und so bleibt dem Piloten nichts anderes übrig, als zu umschreiben, was ein Auto ist – mit Bildern, die die Ureinwohner kennen. Er wird vielleicht sagen: „Ein Auto kann sich bewegen und Menschen befördern. Also so ähnlich wie ein Boot auf dem Amazonas, aber das Auto bewegt sich an Land.“ – „Wie bewegt sich das Auto?“ fragen dann die Ureinwoh­ner. Jetzt ist es am Piloten, die Funktionsweise eines Motors in Bildern aus dem Urwald zu erklären, dann geht es weiter mit den Reifen, der Steuerung, dem Autoradio… – Einfach ist das nicht, und so sehr der Pilot sich auch anstrengt: ganz werden die Ureinwohner sich letztlich doch nicht vorstellen können, was ein Auto ist, solange sie keines gesehen haben. Doch ist das Umschreiben in Bildern die einzige Möglichkeit für den Piloten, seine Welt den Leuten am Amazonas zumindest ein bisschen näher zu bringen.
In einer ganz ähnlichen Lage wie der Pilot befindet sich Jesus. Er kommt aus der Welt, die die Menschen „Himmel“ nennen, und kann das, was dort ist, nur in Bildern umschreiben, die die Menschen in ihrer Welt, auf der Erde, vorfinden.

Das tut Jesus beispielsweise mit folgender Aussage:

Sprecherin:
Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. (Joh 14,2a.3)

Jesus vergleicht den Himmel mit einer Wohnung, in der er selber mit seinem göttlichen Vater lebt. Wer stirbt, bekommt von Jesus einen Platz in dieser Wohnung, wird also Hausgenosse und Mitbewohner Gottes. Wohnung bedeutet zugleich Heimat: Wer sein Zuhause auf dieser Erde im Tod verlassen musste, findet bei Gott ein neues Zuhause. Zur Heimat gehören selbstverständlich auch Menschen. Das heißt: In der himmlischen Wohnung begegnet der Verstorbene nicht nur Gott; er wohnt dort auch wieder mit all den Menschen zusammen, die er lieb gehabt hat und die schon vor ihm gestorben sind.

Was die Bewohner des göttlichen Hauses tun, wird in dem nächsten Himmels-Bild Jesu deutlich.

Sprecherin:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. Er sagte zu seinen Dienern: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Geht hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein. (Mt 22,2.4b.9)

Ein fröhliches Fest feiern die Bewohner des Himmels. Wie auf einer Hochzeit, wo viel gelacht, gut gegessen und beschwingt getanzt wird, genießen die Verstorbenen im Himmel ihr neues Leben. Es fehlt ihnen an nichts, alles Gute ist in großer Fülle vorhanden. Freude, Lebenslust und Unbeschwertheit beherrschen das Miteinander.

Den Himmel als ausschließlich guten Ort stellt Jesus vor, indem er ihn mit einer Hochzeitsfeier vergleicht. An anderer Stelle nutzt Jesus dafür ein Bild aus der Landwirtschaft, wenn er sagt:

Sprecherin:
Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. (Joh 10,9)

Die Tür verbindet Schafstall und Weide. Der Stall bietet den Schafen Sicherheit und Ruhe, die Weide sorgt für reichliches Nahrungsangebot. Jesus erklärt damit: Im Himmel haben die Menschen ihre Ruhe vor Krankheiten, vor Sorgen und Ängsten, vor Stress und so mancher Plackerei, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Auf diese Weise sicher vor allem Negativen, steht den Bewohnern des Himmels die Tür zu allem offen, was gut ist und Geschmack am Leben macht. Jesus selbst sorgt dafür, dass es den Himmels-Bewohnern an nichts mangelt. Denn wie ein Hirt für seine Schafe, so will Jesus für die Menschen nur das Beste – im Himmel schenkt er es ihnen großzügig.

Solche und etliche andere Bilder verwendet Jesus, um den Himmel zu beschreiben. Die Menschen seiner Zeit konnten diese Bilder verstehen; bis heute haben sie nichts von ihrem Glanz verloren. Würde Jesus in unseren Tagen auf der Erde leben – wer weiß, vielleicht würde er ähnliche Bilder nutzen wie die anfangs erwähnten Schüler. Vielleicht würde Jesus heute von Rennwägen sprechen, von einer Blumenwiese oder vom Schnitzel mit Pommes, wenn er vom Himmel erzählt. Die Quintessenz seiner Beschreibungen wäre heute wie damals die gleiche: Der Himmel ist ein durch und durch positiver Ort, ein guter Lebens-Raum für jene, die ihren Weg auf dieser Erde beendet haben.

Die Bilder Jesu geben, weil sie ja Vergleiche mit irdischen Gegebenheiten sind, nur winzige Facetten der gesamten Wirklichkeit des Himmels wieder. Und da jeder Vergleich bekanntlich hinkt, sollten wir uns nicht aufhalten mit Gedanken wie: „Eine Wohnung für so viele Milliarden Menschen – wie soll denn die aussehen?“ Oder: „Die ganze Zeit Hochzeit feiern – da krieg ich’s ja an der Leber!“

Mit solchen Ansichten würden wir versuchen, den Himmel mit unseren irdischen Maßstäben zu begreifen, und das kann nicht gelingen. Denn der Himmel ist laut Jesus im wahrsten Sinn des Wortes unbegreiflich – unbegreiflich schön.

Jesus schildert den Himmel als unbegreiflich schönen Ort, an dem die Verstorbenen zusammen mit Gott leben. Wer bekommt nun dort einen Platz, wenn sein irdischer Weg zu Ende ist? Auch hierüber gibt Jesus Auskunft. All jene, die ihre Zeit auf Erden genutzt haben, um Gutes zu tun, heißt er im Himmel willkommen. Dies begründet Jesus mit der Bemerkung:

Sprecherin:
Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. (Mt 25,40b)

Die Schwestern sind hier natürlich mitgemeint; Jesus versichert: All das Gute, das du einem anderen Menschen getan hast, wird von Gott registriert, und sei es auch noch so gering. Wenn du mit deinen Begabungen Gutes bewirkst für deine Welt oder dies zumindest aufrichtig versuchst, steht dir nach deinem Tod der Himmel offen. Denn Gott, der deine guten Worte gehört und deine guten Taten gesehen hat, belohnt dich dafür.

Von einem Taufschein, den man an der Himmelspforte vorzeigen muss, sagt Jesus nichts. Daher finden auch Angehörige anderer Religionen und diejenigen, die an keinen Gott glauben, ebenso im Himmel Platz, wenn sie ihrer Welt gutgetan haben.

Liebe Hörerinnen und Hörer, vielleicht haben Sie bei meinen Gedanken über den Himmel auch an Ihre Verstorbenen gedacht. Wenn Sie um einen lieben Menschen getrauert haben oder dies gerade tun, ist das ein klarer Hinweis darauf, dass er im Himmel ist. Denn traurig waren oder sind Sie ja vor allem deshalb, weil dieser Mensch Ihnen gutgetan hat und nun nicht mehr in Ihrem Blickfeld ist. Wenn er aber Gutes gesagt oder getan hat, hat Gott ihm im Augenblick seines Todes einen Platz im Himmel gegeben. Und dort werden Sie diesen lieben Menschen einmal wiedersehen, wenn auch Sie Ihren Weg und Ihre Aufgaben auf dieser Erde vollendet haben.

Jesus hat es versprochen – und er hält Wort.

Wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, mit der bayerischen Kultur und Lebensart etwas anfangen können, dann lege ich Ihnen den Film „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ ans Herz – eine der schönsten Fassungen ist die Verfilmung des Bayerischen Rundfunks aus den Siebzigerjahren. Auf erfrischende und berührende Weise wird da ein Bild vom Himmel gezeichnet, das durchaus mit dem, was Jesus gesagt hat, vereinbar ist. Wunderbar volkstümliche Allegorien präsentieren tiefgründige Wahrheiten über die Welt, die sich nach dem Tod für die Menschen auftut.

Der Brandner Kaspar, ein Witwer, der mit seiner 21jährigen Enkelin Marei einen kleinen Bauernhof bewirtschaftet, soll laut göttlichem Beschluss mit 72 Jahren sterben. Also erhält ein himmlischer Angestellter, der „Boanlkramer“, den Auftrag, den Brandner Kaspar auf seinem Karren ins Paradies zu bringen. Der Brandner Kaspar will aber nicht mitgehen; durch eine List ringt er dem Boanlkramer das Versprechen ab, erst im neunzigsten Lebensjahr wiederzukommen.
Als drei Jahre später Enkelin Marei durch ein tragisches Unglück stirbt, verliert das Leben vom Brandner Kaspar seinen Inhalt und Sinn.
Marei hingegen wird vom Boanlkramer zum Vorhof des Pardieses gebracht, wo der Erzengel Michael, Petrus und einige andere Personen sich ihr Bier schmecken lassen – aus Krügen, die sich von selbst wieder füllen. Dazu gibt es Weißwürste und Kartenspiel in reich verziertem Barock-Ambiente. Schon diese ersten Eindrücke begeistern Marei, doch Petrus erklärt, dass dies ja erst die Außenansicht des Paradieses sei. Das Tor zum Paradies öffnet sich, und eine Frau, die auf der Erde alt und gebrechlich war und nun ein schönes, junges Mädchen ist, geht Marei entgegen. Zusammen tauchen sie in den strahlenden Glanz des Paradieses ein.
Der Brandner Kaspar, der gebrochen und einsam in seiner Hütte sitzt, wird vom Boanlkramer zu einer Probefahrt in Richtung Paradies eingeladen. Im Vorhof bekommt er eine erste Ahnung von der Schönheit des Paradieses; noch dazu erfährt er, dass seine Sünden vergeben sind. Jetzt wird dem Brandner Kaspar klar, dass er sich durch seine List beinahe selbst betrogen hätte, und zwar um fünfzehn Jahre Paradies; folglich will er gar nicht mehr auf die Erde zurück. Auch für ihn öffnet sich nun das Tor zum Paradies. Marei kommt auf ihn zu, ebenso seine Ehefrau und seine Eltern. Petrus versichert ihm, dass er nun endgültig zuhause sei, und mit den Worten „Jetzt erst gibt es das Leben, das ohne Beispiel ist auf dieser Welt“ tritt der Brandner Kaspar mit seinen Lieben über die Schwelle.

Ich will beten:

Gott, du bist der Lebendige und Lebensspender.

Weil ich dein geliebtes Kind bin,

lässt du mich niemals zugrunde gehen.

Wenn mein irdischer Weg zu Ende ist,

finde ich Platz in deiner himmlischen Wohnung.

Du schenkst mir alles, was mir gut tut,

und das wird eine Ewigkeit lang so bleiben.

Darauf vertraue ich,

Gott meines Lebens.