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Die Frohe Botschaft für Leute von heute



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von Pfarrer Matthias Blaha



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Katholische Morgenfeier am 29.07.2012 / 17. Sonntag im Jahreskreis B

Zwölf Körbe voll

Joh 6,11-15 - Apg 4,34-35

Podcast

Gottesdienst in einer Familienerholungsstätte im Schwarzwald: Der Pfarrer, der die Einrichtung als Seelsorger betreut, ist anwesend, dazu etliche Familien, die ihren Urlaub dort verbringen. Unter den knapp dreißig Kindern und Erwachsenen ist auch der fünfjährige Frank. Als der Pfarrer das Evangelium des Tages, die Geschichte von der Brotvermehrung vorliest, hört Frank mit wachsendem Inter­esse zu.

Aus dem Johannesevangelium.
In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.
Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.
Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.
Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele! Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer.
Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen.
Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Nach dieser Bibelstelle lädt der Pfarrer die Kinder und Erwachsenen zu einem Predigtgespräch ein. Doch ehe die anderen Anwesenden auch nur Luft holen können, platzt es schon aus Frank heraus: „Das ist doch klar, wie Jesus das gemacht hat, dass alle satt wurden. Ich glaube, die Leute hatten ihre Rucksäcke voller Esssachen. Aber keiner wollte auspacken, weil jeder Angst hatte.“ „Wieso denn Angst?“ fragt der Pfarrer nach. Frank antwortet: „Bei uns im Kindergarten ist das auch immer so: Wenn einer Schokolade oder so auspackt, fallen die anderen sofort drüber her, und wenn man nicht aufpasst, bekommt man selbst nichts mehr ab. In der Geschichte hat Jesus es irgendwie geschafft, dass die Leute keine Angst mehr hatten, selber leer auszugehen. Jeder hat seinen Ruck­sack ausgepackt und das, was drin war, den anderen angeboten. So war plötz­lich noch viel mehr da, als sie essen konnten.“

Der Pfarrer ist erst einmal sprachlos vor Staunen, und den anderen in der Runde ergeht es ebenso. Ihnen wird klar: Frank hat der Gottesdienstgemeinde die Brot­vermehrung so vor Augen geführt, dass alle – groß und klein – erkennen, wie sie sie auf ihr Leben übertragen können.

Musik: Thomas Arne, The Masque of Alfred, Overture – Tempo di minuetto. CD English Tea Time. Festlicher Barock zur Teezeit, CD 2, Track 17. Sony Music 2010. Best.-Nr. 88697759622, LC 06868

Liebe Hörerinnen und Hörer, ich bin überzeugt, dass Jesus aus fünf Broten und zwei Fischen für Tausende Menschen Essen zaubern hätte können, also die paar Fische und Brote einfach vermehren. Jesus als Sohn Gottes hat noch ganz andere Wunder im Repertoire gehabt; zutrauen würde ich dem Jesus das Brot­vermehrungs-Wunder also ohne Weiteres. Doch ich bin ebenfalls überzeugt, dass Jesus nicht einfach Essen herbeigezaubert hat; ich glaube, der kleine Frank hat erkannt, was das Wunder Jesu eigentlich war.

Denn in der Geschichte geht es zwar um eine Mangel-Situation, jedoch viel mehr noch um Überfluss: Da ist ein kleiner Junge, der Essen im Überfluss dabei hat; seine Mutter hat es wohl besonders gut mit ihm gemeint. Fünf Brote, zwei Fische – viel zu viel für eine einzelne Person! Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass von den mehreren tausend Menschen, die um Jesus herumsitzen, nur ein einziger Bub etwas zum Essen eingepackt hat. Wahrscheinlicher ist, dass viele Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche Proviant mitgenommen haben, wenn sie an einen abgelegenen Ort wandern. Und ähnlich wie bei dem kleinen Jungen sind die Vorräte wohl nicht zu knapp kalkuliert. Essen im Überfluss ist bei vielen der mehrtausendköpfigen Menge vorhanden; sicher sind daneben auch etliche Leute darunter, die nichts dabei haben.

Jesus schätzt die Situation richtig ein: Bei den einen Überfluss, bei den anderen Mangel. Angesichts dieser Lage will Jesus nicht einfach denen, die kein Essen eingepackt haben, etwas in die Taschen zaubern, sondern er will den Menschen etwas Wesentliches beibringen: Wenn ihr mehr habt, als ihr braucht, dann teilt das, was ihr habt, mit denen, die nichts oder zu wenig haben. Habt keine Angst, selbst leer auszugehen. Es wird für alle reichen.

Deswegen lässt Jesus den kleinen Jungen zu sich kommen, damit alle sehen können, was nun geschieht. Jesus hofft auf den Vorbildcharakter dieses Buben, der bereit ist, das Seine zur Verfügung zu stellen – und es funktioniert. So wie der kleine Junge seine fünf Brote und zwei Fische nicht nur für sich behält, son­dern auch dem Jesus und den Jüngern davon anbietet, so machen es auf einmal auch die anderen. Brotfladen, Fleisch, Oliven, Käse, Fisch, Obst und Wein wer­den aus den Taschen geholt und zusammengelegt, und ich kann mir vorstellen, dass ein ansehnliches Büffet entstanden ist, an dem sich die Leute bedienen.

Das Wunder der Brotvermehrung war also im Grunde ein Wunder der Brotver­teilung. Jesus wollte nicht, dass die Menschen einfach die Hände in den Schoß legen und auf sein göttliches Eingreifen warten. Deswegen hat er ihnen nicht in Tischlein-Deck-dich-Manier ihre Mahlzeit herbeigezaubert, denn er wollte die Menschen nicht zur Untätigkeit anhalten und sie schon gar nicht von sich abhän­gig machen. Das wäre vielleicht gut für das Ego von Jesus gewesen, aber darum ging es ihm nicht. Jesus wollte die Menschen nicht klein und abhängig und bequem haben, sondern er wollte ihnen zeigen, dass sie selbst Wunder bewirken können.

Deshalb hat Jesus mit dem Vorbild des Buben und seinem eigenen Verhalten die Menschen ermutigt, genau hinzuschauen. Schaut wie der kleine Junge zunächst auf euch selbst, lädt Jesus ein. Seht mal nach, was ihr an Nahrungsmitteln dabeihabt. Wenn ihr feststellt, dass es für euch reicht und vielleicht sogar mehr als genug vorhanden ist, habt ihr allen Grund, dafür dankbar zu sein. Macht es wie ich, schlägt Jesus vor, und dankt Gott dafür, dass er euch genug zum Leben gibt. Und dann schaut auf die anderen: Vielleicht hat jemand gar nichts oder nicht genug zum Essen. Teilt euren Überfluss mit ihm, und ihr werdet sehen, dass es für euch alle reicht. Und wenn ihr dann gegessen habt und satt geworden seid, schaut wieder auf euch: Ihr habt nicht auf ein göttliches Eingreifen warten müs­sen, ihr wart nicht zur Untätigkeit verdonnert, sondern ihr seid selber aktiv gewor­den, ihr habt selber die Veränderung zum Guten bewirkt. Weil ihr an euch geglaubt habt, weil ihr die Initiative ergriffen habt, weil ihr geteilt habt, habt ihr das Wunder bewirkt – das Wunder der Brotverteilung.

Musik: William Byrd, La Volta. CD English Tea Time. Festlicher Barock zur Teezeit, CD 1, Track 13. Sony Music 2010. Best.-Nr. 88697759622, LC 06868

Damals hat es funktioniert, das Wunder der Brotverteilung, weil Jesus den Blick der Menschen auf sich selbst und aufeinander geschärft hat. Damit hat er sie ermutigt, Überfluss und Mangel wahrzunehmen und im Teilen auszugleichen.

Auch unsere Zeit hätte dringend so ein Wunder der Brotverteilung nötig, denn auch heute existieren Überfluss und Mangel nebeneinander.

Dazu mute ich Ihnen ein paar Zahlen zu, die nach­denklich stimmen beim Blick in unsere Welt:
- Auf unserer Erde hungern 925 Millionen Menschen, das ist ungefähr ein Siebtel der Bevölkerung[1]; doch die Nahrungsmittel, die die Erde hergibt, könnten 12 Milliarden Menschen ernähren.[2]

- Das reichste Fünftel der Weltbevölkerung verbraucht 16mal so viel Nahrung wie das ärmste Fünftel.[3]

- Täglich sterben 6.000 Kinder weltweit an Folgen des Hungers.[4] Im gleichen Zeitraum, also jeden Tag, werden allein in Deutschland 30 Tonnen Lebensmittel weggeworfen.[5]

- Würden die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung ein Fünfzigstel ihres Einkommens abgeben, könnte eine Milliarde Menschen nachhaltig aus ihrer Armut befreit werden.[6]

Auch beim Blick allein auf Deutschland zeigt sich, wie nah Überfluss und Mangel beieinander liegen:

- Die reichsten zehn Prozent der Deutschen verfügen über sechzig Prozent des gesamten Vermögens im Land.[7]

- Der Chef eines Großkonzerns verdiente im vergangenen Jahr 9 Millionen Euro, das wäre bei theoretischen 365 Arbeitstagen mit je 10 Stunden ein Stun­denlohn von fast zweieinhalbtausend Euro. Eine Friseurin in Zwickau verdiente laut Tarif drei Euro zweiundachtzig in der Stunde.[8]

- 15 Prozent der Deutschen sind von Armut bedroht. Bei den Haushalten Allein­erziehender sind es sogar 43 Prozent – Tendenz steigend.[9]

- Immer mehr Menschen beziehen ihre Nahrungsmittel und Artikel des täglichen Bedarfs aus Tafelläden, die gespendete Lebensmittel kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag an Bedürftige ausgeben. Die Lebensmittelspenden können aber mit der Nachfrage nicht Schritt halten. [10]

Mangel und Überfluss existieren nebeneinander in unserer Welt, wie damals unter den etlichen tausend Menschen, die der Predigt des Jesus zuhörten. Selbstverständlich ist unsere Welt komplexer als die überschaubare Szene am Ufer des Sees Gennesareth. Das Hungerproblem unserer Zeit, das eine knappe Milliarde Menschen betrifft, lässt sich nicht so schnell in den Griff kriegen wie es beim Picknick Jesu und seiner Anhänger damals möglich war. Da sind die selbsternannten Gotteskrieger in Somalia, die zutiefst gottlos handeln, weil sie die Hilfslieferungen an verhungernde Kinder verbieten oder einfach für sich her­nehmen; so herrschen dort auch ein Jahr nach der Hungerkatastrophe noch immer elende Zustände, die über 300.000 Kinder hungern lassen.[11] Da sind die korrupten Herrscher in vielen Ländern der sogenannten „Dritten Welt“, die selber in märchenhaftem Luxus leben, während ihre Bevölkerung in Armut dahinvege­tiert. Da sind wirtschaftliche Verflechtungen und internationale Handelsinteres­sen, da wird an den Börsen mit Lebensmitteln gezockt und vieles mehr. Und dennoch kann das Vorbild des kleinen Jungen mit seinen fünf Broten und zwei Fischen auch für unsere heutige komplexe und globale Welt wegweisend sein.

Wartet nicht, bis irgendeine Institution handelt! empfiehlt uns der Junge. Lasst auch nicht mutlos den Kopf sinken in der Annahme, ihr könntet sowieso nichts tun. Leute, ihr könnt etwas tun! ruft uns der Junge zu. Schaut euch selber an. Vielleicht entdeckt ihr, dass ihr genug oder sogar mehr als genug zum Leben habt. Wenn das so ist, habt ihr allen Grund, dankbar zu sein. Und dann schaut auf die anderen Menschen in eurer Welt. Teilt euren Überfluss mit denen, die zu wenig haben. Ihr werdet erleben, was ich mit den vielen Menschen am Ufer des Sees Gennesareth erlebt habe, sagt uns der Junge: Ihr werdet erleben, dass es für alle reicht. Ihr habt immer noch genug für euch, wenn ihr teilt, und andere haben endlich nicht mehr zu wenig. Glaubt an euch, werdet aktiv, und das Wun­der der Brotverteilung wird von neuem geschehen – diesmal durch euch.

Musik: Henry Purcell, Abdelazer – Rondeau in D. CD English Tea Time. Festlicher Barock zur Teezeit, CD 1, Track 2. Sony Music 2010. Best.-Nr. 88697759622, LC 06868

Das Wunder der Brotverteilung kann durch Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, und durch mich geschehen. Es geschieht, wenn wir nicht auf das Eingreifen Gottes, der UNO oder des Staates warten, sondern selber aktiv werden. Es geschieht, wenn wir unseren Überfluss teilen.

Das Wunder der Brotverteilung geschieht beispielsweise durch die junge Mutter, die mir erzählt hat, dass sie von ihrem nicht allzu üppigen Familieneinkommen den zehnten Teil an „Brot für die Welt“ spendet, und dass sie auch ihre Kinder dazu anhält, das Gleiche zu tun, wenn sie an Weihnachten oder zum Geburtstag Geld geschenkt bekommen. Denn die junge Frau weiß: Kirchliche Hilfswerke wie „Brot für die Welt“ oder „Misereor“ kümmern sich besonders effektiv und nach­haltig um die Notleidenden in den armen Ländern der Erde.

Das Wunder der Brotverteilung geschieht auch durch einen Pfarrer, den ich kenne; immer dann, wenn er sich etwas leistet, das er als Luxus bezeichnet, also beispielsweise einen neuen Fernseher, eine Urlaubsreise oder einen Opern­besuch, spendet er einen Teil des Betrags, den er für Luxus ausgegeben hat, an Misereor.

Der Auszubildende, der grundsätzlich fair gehandelte Schokolade einkauft und seine Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke im Eine-Welt-Laden besorgt, lässt ebenfalls das Wunder der Brotverteilung geschehen. Seine Süßigkeits- und Geschenkrationen fallen zwar weniger üppig aus, dafür sorgt er mit dem fairen Preis, den er zahlt, dafür, dass die Hersteller der Waren die Armut hinter sich lassen können.

Brotverteilung – dieses Wunder lässt auch der pensionierte Lehrer geschehen, der seine freie Zeit in den Dienst seiner Pfarrei stellt, indem er ehrenamtlich als Mesner tätig ist. Das gleiche tut die alte Frau, die mir erzählt hat: „Ich kann nichts mehr tun, weil meine Gelenke nicht mehr wollen. Aber beten kann ich noch: Ich habe ja eine Menge Zeit, und da bete ich für die, die mein Gebet grad brauchen können.“

Und wer eine Obdachlosenzeitung kauft, ehrenamtlich in einem Tafelladen mit­arbeitet oder für die Caritas spendet, tut etwas dafür, dass auch vor seiner eige­nen Haustür das Wunder der Brotverteilung geschehen kann, indem die Benach­teiligten in diesem Land genug zum Leben bekommen.

Diese Beispiele stellen uns Menschen vor, die nicht den Kopf in den Sand ste­cken, die nicht achselzuckend bemerken „Da kann ich doch sowieso nichts aus­richten“ und die nicht darauf warten, dass ein Wunder vom Himmel fällt. Diese Menschen sehen das, was sie im Überfluss haben dürfen, sie sind dankbar dafür und sehen Wege, diesen Überfluss mit Notleidenden zu teilen. Durch diese Men­schen geschieht das Wunder der Brotverteilung auch in unserer Zeit, in unserer Welt.

Musik: John Dowland, Earl of Essex his Galiard. CD English Tea Time. Festlicher Barock zur Teezeit, CD 1, Track 8. Sony Music 2010. Best.-Nr. 88697759622, LC 06868

Die Geschichte vom Wunder der Brotverteilung, die der Evangelist Johannes erzählt hat, endet so, wie sie begonnen hat: Im Überfluss. Am Anfang stand der kleine Junge mit seinen fünf Broten und zwei Fischen, und am Ende stehen zwölf Körbe voller übriggebliebener Lebensmittel, nachdem alle gegessen haben und satt geworden sind.

Diese zwölf Körbe stehen nicht zufällig herum: Damit bekommt jeder der zwölf Apostel einen prall gefüllten Korb. Stellvertretend für alle anderen Menschen guten Willens gibt Jesus seinen Aposteln je einen Korb voller Überfluss und sen­det sie aus, diesen Überfluss zu teilen mit denen, die Mangel leiden. Das tun die Apostel, und so kann schließlich eine Christengemeinde entstehen, in der es kei­nen Mangel mehr gibt – im Gegenteil. Die Apostelgeschichte (Apg 4,34-35) berichtet von dieser Gemeinde:

Es gab … keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häu­ser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.

Damit werden die zwölf gefüllten Körbe sozusagen zur Pointe der Brotvertei­lungs-Geschichte – zur Pointe, die nachhaltig in die Zukunft hineinwirkt. Die zwölf Körbe haben den zwölf Aposteln ermöglicht, an den Ausgleich von Überfluss und Mangel zu glauben. Weil sie die zwölf gefüllten Körbe nach der Brotverteilung gesehen haben, trauen sich die Apostel später, das Gleiche zu tun wie der kleine Junge am Ufer des Sees Gennesareth: Sie teilen in der Gemeinde, die sie leiten, ihren Überfluss mit denen, die Mangel leiden. Auch diesmal steckt das gute Beispiel an, wie die Apostelgeschichte vermerkt, und das Wunder der Brot­verteilung wiederholt sich in der jungen Christengemeinde: Überfluss und Mangel wird ausgeglichen, und wieder bleibt mehr als genug übrig.

So sind aus den zwölf gefüllten Körben der Apostel immer mehr geworden: ein gefüllter Korb für jeden Menschen guten Willens. Denn alle, die sich an der Brot­verteilung beteiligen, erfahren: Es reicht für alle, und es bleibt sogar noch reich­lich übrig!

Wenn ich mich in meinem Leben umschaue, dann stelle ich fest: Ich habe genug und sogar mehr als genug zu essen und zu trinken, ich wohne in einem schönen Haus, ich bin krankenversichert und muss bei Anschaffungen nicht jeden Cent umdrehen. Ich habe ein Auto und kann mir eine Urlaubsreise leisten. Und manchmal habe ich sogar ein bisschen Zeit übrig. Für all das darf ich dankbar sein, denn es lässt meinen Lebens-Korb gut gefüllt dastehen.

Das Vorbild des kleinen Jungen mit den fünf Broten und zwei Fischen und das Vorbild der Apostel aus der frühen Christengemeinde ermutigen mich, meinen Überfluss mit denen zu teilen, die Mangel leiden. Und wann immer ich das tue, erkenne ich: Was damals funktioniert hat, funktioniert auch heute. Das Wunder der Brotverteilung wiederholt sich – durch mich! Mein gutes Beispiel steckt an, und wenn viele diesem Vorbild folgen, wird eine Welt entstehen, in der der Man­gel allmählich verschwindet und immer mehr Menschen genug zum Leben haben.

Eine Utopie? Ob das Wunder der Brotverteilung Utopie bleibt oder Wirklichkeit wird, hängt auch von mir ab, ob ich bereit bin, in meinen gefüllten Korb zu greifen – und auszuteilen.

Musik: Thomas Arne, The Masque of Alfred, Overture – Allegro moderato. CD English Tea Time. Festlicher Barock zur Teezeit, CD 2, Track 15. Sony Music 2010. Best.-Nr. 88697759622, LC 06868

Ich will beten:

Jesus Christus,
du hast dich gefreut über die Bereitschaft des kleinen Jungen,
seine fünf Brote und zwei Fische zu teilen.
Du hast sein Vorbild gesegnet,
damit es andere Menschen anstecken konnte.
Und so wurden alle satt,
damals, als du mitten unter ihnen warst.
Damals blieben zwölf Körbe übrig
– einer für jeden deiner Apostel.
Auch ihren Mut zum Teilen hast du gesegnet,
und wieder wurden alle satt,
und aus den zwölf gefüllten Körben wurden mehr.
Heute steht ein Korb, prall gefüllt,
in meinem Leben.
Segne meine Augen, damit ich wahrnehme,
wie viel Gutes in dem Korb zu finden ist.
Segne mein Herz, damit ich erkenne,
welche Menschen Mangel leiden.
Und segne meine Hände,
damit ich in den Korb meines Lebens greife
und austeile.
Mit deinem Segen, Jesus Christus,
wird das Wunder wieder geschehen:
Alle werden satt.
Auch diesmal werden gefüllte Körbe übrigbleiben
– ganz bestimmt auch einer für mich.



[1] http://www.welthungerhilfe.de/zahlen-hunger-armut.html

[2] http://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/dossier-umwelt/61268/welternaehrung

[3] http://www.brot-fuer-die-welt.de/ernaehrung/4452_4728_DEU_HTML.php

[4] http://www.welthungerhilfe.de/zahlen-hunger-armut.html

[5] http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2012-03/lebensmittel-muell-mindesthaltbarkeitsdatum

[6] http://www.brot-fuer-die-welt.de/ernaehrung/4452_4728_DEU_HTML.php

[7] aus: Te Deum. Das Stundengebet im Alltag, 07/2012. Maria Laach 2012, S. 80

[8] a.a.O.

[9] http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61785/armutsgefaehrdung

[10] http://www.tafel.de/die-tafeln/zahlen-fakten.html

[11] http://www.welt.de/newsticker/news2/article108314226/UNO-Noch-2-5-Millionen-Menschen-in-Somalia-akut-vom-Hunger-bedroht.html