Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



Meine Predigten

Gottesdienste

Bibel-Projekte

Das bin ich


Kontakt

Impressum

Links

Gedichte


Segensworte


Startseite



Katholische Morgenfeier am 19.02.2012 / 7. Sonntag im Jahreskreis B

Geschenke des Himmels

Mk 2,1-12

Podcast

Er hat fast alles, was er sich wünschen kann: Philippe besitzt eine große Villa in Paris, Hausangestellte, schicke Autos, eine Menge Geld und hohes Ansehen. Was ihm fehlt, ist Bewegungsfreiheit, denn Philippe ist seit einem Unfall vom Hals abwärts gelähmt. Damit er zuhause wohnen bleiben kann, sucht er einen Pfleger, der rund um die Uhr bei ihm ist und ihn wäscht, anzieht, massiert, füttert, spazierenfährt… – jemanden also, der Philippes gelähmte Arme und Beine bei all den tägli­chen Verrichtungen ersetzt.

An einem bestimmten Tag erscheinen alle Kandidaten der Reihe nach zu einem  Vorstellungsgespräch. Unter ihnen ist der arbeitslose Driss, der erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen wurde und nun vom Arbeitsamt angehalten ist, sich an verschiedenen Stellen zu bewerben – so auch bei Philippe. Driss küm­mert sich nicht um die wartenden Mitbewerber und platzt einfach in das gerade laufende Gespräch hinein. Frech und respektlos bemerkt Driss, dass er die Stelle gar nicht will – er hat überhaupt keine Lust auf Arbeit. So fordert Driss von Philippe lediglich dessen Unterschrift auf einem Formblatt, dass er für diese Auf­gabe ungeeignet ist damit er weiterhin Arbeitslosengeld beziehen kann. Die unbekümmerte, wenn auch etwas herablassende Art von Driss gefällt Philippe, der sonst immer nur auf Mitleid trifft, und so bittet Philippe, Driss solle am folgen­den Tag wiederkommen, um seine Unterschrift abzuholen.

Als Driss zum vereinbarten Zeitpunkt erscheint, erhält er zunächst nicht das begehrte Blatt Papier, sondern eine Hausführung. Driss, der bisher nur in herun­tergekommenen Vorortsiedlungen oder im Gefängnis zuhause war, ist beein­druckt von der Vielzahl der Zimmer und ihrer luxuriösen Ausstattung. Dann macht Philippe Driss einen Vorschlag: Für zwei Wochen wird Driss als Pfleger eingestellt und wohnt bei Philippe im Haus. Wenn er in dieser Zeit merkt, dass die Tätigkeit nichts für ihn ist, kann er am Ende der vierzehn Tage wieder gehen und darf das unterschriebene Formblatt für die Arbeitslosenunterstützung mit­nehmen. Sollten die beiden aber miteinander zurechtkommen, wird Driss fest angestellt.

Driss kann sich eine Tätigkeit als Pfleger überhaupt nicht vorstellen, doch weil er gerade von zu Hause rausgeflogen ist und ohnehin keine Bleibe hat, lockt ihn die Aussicht auf das schöne Zimmer, das für ihn vorgesehen ist. Also lässt er sich auf das Angebot ein.

Driss ist völlig frei von Erfahrungen mit der Pflege behinderter Menschen und stellt sich dementsprechend an. Alles beginnt also etwas holprig, entwickelt sich dann aber zu einer wunderbaren Freundschaft. Philippe wird endlich als Mensch ange­sehen und nicht nur als Behinderter bemitleidet. Und so lernt Philippe wieder das echte Leben kennen: Lachen, feiern und Freude haben, Spritztouren mit dem Sportwagen unternehmen, sich mit einer Frau zum Abendessen treffen – all das und einiges mehr macht Driss für Philippe möglich. Auch Driss lernt viel Neues: Er wird von Philippe in die Welt der Kunst und Musik eingeführt; er erfährt, was Respekt und Verantwortung bedeuten; er entdeckt seine Begabungen und findet Erfüllung in seiner Tätigkeit.

Sowohl das Leben von Philippe als auch das von Driss wird reicher – reicher und schöner und lebenswerter durch das Dasein des jeweils anderen. Zwei Men­schen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, sind Freunde geworden.

„Ziemlich beste Freunde“ heißt der Film, der diese Geschichte erzählt, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Mich hat die französische Komödie, die seit Anfang des Jahres im Kino zu sehen ist, immer wieder zum Lachen gebracht und zugleich sehr bewegt. Denn der Film beschreibt mit viel Einfühlungsvermögen und Tiefgang die Entwicklung der Freundschaft von Philippe und Driss: Weil zwei Menschen, die aus völlig verschiedenen Welten kommen, sich aufeinander ein­lassen, einander respektieren und auf die Bedürfnisse des jeweils anderen ach­ten, werden sie füreinander zu Geschenken des Himmels.

Musik: Origin Earth. Aus: Barclay James Harvest, CD Welcome to the Show, Track 10. Polydor 1990. Best.-Nr. 841751-2, LC 0309

Zwei Menschen, die in völlig unterschiedlichen Welten leben, begegnen sich und werden füreinander Geschenke des Himmels. Davon erzählt folgende Begeben­heit aus dem Markusevangelium.

Sprecherin:

Als Jesus nach Kafarnaum zurückkam, wurde bekannt, dass er wieder zu Hause war. Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort. Da brachte man einen Gelähmten zu ihm; er wurde von vier Männern getragen. Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen den Gelähmten auf sei­ner Tragbahre durch die Öffnung hinab. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Einige Schrift­gelehrte aber, die dort saßen, dachten im Stillen: Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott? Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen? Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.

Ein erfolgreicher Newcomer ist Jesus. Gerade erst hat er angefangen, öffentlich aufzutreten – und schon ist er ein Star. Die Menschen hängen an seinen Lippen, wenn er predigt. Seine Zuhörer spüren: Dieser Jesus hat’s drauf! Was er sagt, trifft uns ins Herz.

Denn Jesus verkündet eine ganz neue Lehre; er sagt: Habt keine Angst vor Gott! Gott steht auf eurer Seite. Er hat euch nicht entstehen lassen, um euch in die Pfanne zu hauen, sondern um euch lieben zu können, so wie ihr seid. Redet Gott deshalb ganz unkompliziert mit „Papa“ an, denn wie gute Eltern dankbar sind für ihre Kinder, so freut sich Gott darüber, dass es euch gibt. Wie gute Eltern nur das Beste für ihre Kinder wollen, will Gott, dass es euch gut geht. Deswegen schickt Gott euch nie Böses, sondern nur Gutes. Schaut auf euer Leben, sagt Jesus; alles Gute, das ihr darin entdeckt, kommt aus Gottes Hand. Gott schenkt es euch, weil er euch lieb hat und weil er euch glücklich sehen will. Und das Schwe­re eures Lebens hilft Gott euch tragen. Er gibt euch die Kraft, an Krankheiten, Trauer oder Einsamkeit nicht kaputtzugehen. Und wenn sich etwas Schlechtes in eurem Leben zum Guten wendet, ist das auch ein Geschenk Gottes an euch, entsprungen aus seiner grenzenlosen Liebe. Habt also keine Angst vor Gott!

Diese Botschaft ist neu für die Zuhörer. Ihnen wurde bisher eingeschärft, sich vor Gott zu fürchten: Gott ist gut, aber auch jähzornig. Gott belohnt das Gute, das die Menschen tun, aber er bestraft ebenso ihre Fehler. Dagegen unterstreicht Jesus von Anfang seiner Predigttätigkeit an: Gott ist ausschließlich gut und tut aus­schließlich gut.

Das sagt Jesus nicht nur; er unterstreicht seine Worte dadurch, dass er Men­schen von seelischen und körperlichen Krankheiten heilt. Und geheilt werden – wer möchte das nicht, wenn er Schmerzen oder Angst hat? Also strömen die Menschen in Scharen zu Jesus. Sie wollen ihn hören mit seiner Botschaft, die ihnen so gut tut, sie wollen geheilt werden von dem, was sie am Leben hindert.

Mitten unter den vielen Leuten, die sich nach Heilung ihres Körpers oder ihrer Seele sehnen, fiebert ein Gelähmter der Begegnung mit Jesus entgegen. Wenn ich es nur irgendwie schaffen würde, an den Jesus ranzukommen!, denkt er sich. Der kann mir vielleicht helfen. Denn mein Leben ist hart – ich halte es kaum mehr aus: Als Gelähmter habe ich keine Möglichkeit, berufstätig zu sein. Mangels Sozialversorgung bin ich Tag für Tag aufs Betteln angewiesen, das ist so demü­tigend. Außerdem brauche ich für jeden Meter, den ich zurücklegen will, Hilfe von anderen. Gut, dass ich wenigstens ein paar echte Freunde habe! Die halten zu mir, die bringen mir was zu essen, die schleppen mich dahin, wo ich gute Plätze zum Betteln finde. Vor allem reden meine Freunde gut über mich – ganz im Gegensatz zu den Passanten, die voll Verachtung auf mich herabschauen. Ich bin gelähmt – das sehen die meisten meiner Zeitgenossen als Strafe Gottes an. Sie meinen: „Geschieht ihm recht! Wer weiß, was der oder seine Vorfahren frü­her alles getrieben haben. Dafür bekommt er nun die Quittung; Gott straft ihn für Fehler der Vergangenheit. Nur gut, dass wir nicht so schlecht sind wie der da. Und der da muss sich halt ein bisschen anstrengen, dann wird’s schon wieder.“ Ja, so denken sie über mich, den Gelähmten – und so reden sie auch über mich. Es ist schon schwer genug, mit meiner Behinderung zurechtzukommen, aber die Ablehnung, die ich überall spüre, zieht mich mindestens genauso runter. Wenn Jesus mich heilen würde – dann wär ich viele Probleme auf einmal los. Deswe­gen werde ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um ihn zu treffen.

Musik: Poor Man’s Moody Blues. Aus: Barclay James Harvest, CD Gone to Earth, Track 4. Polydor 1977. Best.-Nr. 800092-2, LC 0309

Der Gelähmte hat im Evangelium keinen Namen – ein No-Name ist er, von den Leuten links liegen gelassen. Ganz im Gegensatz zu Jesus, dem berühmten Newcomer, dem die Scharen zujubeln. Keine Chance hätte der Gelähmte als No-Name, einfach so auf Tuchfühlung mit dem Starprediger und Wundertäter zu gelangen. Niemand würde ihn, den schweren Sünder, ihn, den von Gott Gestraf­ten zu Jesus vorlassen, der für sich in Anspruch nimmt, Gottes Sohn zu sein.

Gut, dass der Gelähmte Freunde hat. Sie halten zu ihm; sie wollen, dass er Jesus begegnen und von ihm geheilt werden kann; ihnen liegt daran, dass er endlich wieder ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft ist. So fassen die Freunde den genialen Beschluss, den Gelähmten Jesus buchstäblich als Geschenk des Himmels zu präsentieren: Sie öffnen Dach und Decke des Hau­ses, in dem Jesus predigt, und lassen den Gelähmten direkt vor dessen Augen hinunter.

Der No-Name trifft den Star. Zwei Menschen, die aus unterschiedlichen Lebens­welten kommen, der Gelähmte und Jesus, begegnen sich. Jesus ist wegen die­ser Störung seiner Predigt nicht irritiert, ganz im Gegenteil: Er ist sichtlich ergrif­fen vom Vertrauen, das der Gelähmte und dessen Freunde ihm entgegenbringen – und so begreift er den Gelähmten als Geschenk des Himmels. Im Gelähmten trifft Jesus jemanden, der seine Botschaft vom liebevollen Gott glaubt und sich von ihm Heilung erhofft. Der Gelähmte hat offensichtlich verstanden, worum es dem Jesus geht, und das bewegt Jesus.

Mit seinem Vertrauen wird der Gelähmte für Jesus ein Geschenk des Himmels, und Jesus will sich umgekehrt auch ihm als Geschenk des Himmels zeigen. Dazu wählt Jesus eine dreiteilige Strategie.

Zuerst sagt Jesus dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Der Gelähmte hat Fehler gemacht. Doch auch mit seinen Fehlern bleibt der Gelähmte ein Geschenk des Himmels. Gott straft ihn nicht für irgendwelche Ver­gehen der Vergangenheit, indem er ihm die Behinderung schickt. Im Gegenteil: Gott verzeiht ihm großzügig, was falsch war in seinem Leben. Seinen Zuhörern macht Jesus damit klar: Meint nicht, ihr wäret besser, weil ihr gesund seid. Jeder Mensch, ob gesund oder krank, macht Fehler, jeder Mensch ist auf Gottes Ver­gebung angewiesen, jeder Mensch bekommt Gottes Vergebung, wenn er nur daran glaubt und darum bittet, so wie dieser Gelähmte.

Als zweites sagt Jesus dem Gelähmten: Steh auf! – Und der bislang Gelähmte tut es. Auge in Auge stehen sich die beiden gegenüber. Lass dich nicht klein­machen, denn du bist wer!, vermittelt Jesus dem Mann. Du bist genauso Gottes geliebtes Kind wie jeder andere hier. Und für mich, Jesus, bist du ein Geschenk des Himmels. Denn du hast mich mit meiner Botschaft verstanden und vertraust mir. Steh auf! – mit diesen beiden Worten erklärt Jesus den vielen Menschen: Nur weil dieser Mann behindert ist, ist er nicht weniger wert als ihr. Er ist euch nicht unterlegen, ihr habt kein Recht, auf ihn hinabzuschauen. Dieser Mann ist genauso gut wie ihr, und mit seinen Schwächen und Fehlern, die ihr aber genau­so habt, von Gott geliebt. Begegnet diesem Menschen auf Augenhöhe und schenkt ihm Ansehen. Und tut das Gleiche gegenüber jedem anderen Men­schen, egal ob gesund oder krank.

Schließlich sagt Jesus dem nun Geheilten: Geh umher! Geh nach Hause! Weil du Ansehen hast in meinen Augen, weil du nun auch wieder Ansehen hast in den Augen der Menschen hier, gewinnst du Bewegungsfreiheit. Ich, Jesus, glaube an dich, dass du was kannst. Glaub auch du selber an dich! Wie jeder andere kannst du nun einen Beruf ausüben, Kontakte knüpfen, dich als vollwertiges Mit­glied der Gesellschaft in deinem Ort bewegen. Jetzt kannst du unbehindert – ungehindert – dein Leben selber in die Hand nehmen und es so gestalten, wie du willst.

Der Geheilte geht – und die Leute sind außer sich. Denn sie beginnen zu begrei­fen: Tatsächlich, was Jesus predigt, stimmt! Gott ist dem Behinderten genauso zugewandt wie dem Nichtbehinderten. Auch der Gelähmte ist in Gottes Augen ein Geschenk des Himmels – auf diese Weise sollten wir jedem Menschen die glei­che Würde und das gleiche Recht zugestehen.

Sprecherin:

Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
Steh auf!
Geh umher, geh nach Hause!

Mit diesen Worten versichert Jesus dem bislang Gelähmten: Du bist für mich ein Geschenk des Himmels! Und er öffnet seinen Zuhörern die Augen, damit auch diese den Mann als Geschenk des Himmels erkennen.

Genau darin wird nun Jesus ein Geschenk des Himmels für den Gelähmten. Denn Jesus wendet sich dem zu, der bisher in den Augen der Menschen ein No-Name war. Jesus geht auf dessen Bedürfnisse ein und bringt ihm Hochachtung und Respekt entgegen. Und Jesus heilt ihn – er nimmt ihm seine Behinderung und gibt ihm damit seine Würde und Bewegungsfreiheit zurück. Ab jetzt ist er wieder jemand, so wie all die anderen. Jetzt beginnt für den, der gelähmt war, das Leben erst so richtig, denn er ist geheilt.

Musik: The Life You Lead. Aus: Barclay James Harvest, CD Welcome to the Show, Track 1. Polydor 1990. Best.-Nr. 841751-2, LC 0309

Was der Geheilte wohl nach dieser Begegnung mit Jesus aus seinem Leben gemacht hat? Das Evangelium erzählt nichts mehr darüber. Doch wenn ich meine Phantasie spielen lasse, stelle ich mir vor: Vielleicht geht die Geschichte des ehemals Gelähmten ja ganz ähnlich weiter wie die Geschichte einer jungen Frau, die ich aus meiner seelsorglichen Tätigkeit bei der Katholischen Land­jugend kenne. Ich nenne sie einfach Klara.

Seit ihrer Kinderzeit war Klara von zuhause aus eingeimpft worden, dass sie nichts kann und sich für alles zu blöd anstellt. Die Folge: Sie war total ver­schüchtert, verachtete sich selbst und hatte praktisch keine Freunde. Als Vier­zehnjährige feierte Klara einen Jugendgottesdienst mit, der die Heilung des Gelähmten zum Thema hatte. Der Gedanke, dass Jesus jemanden von seinem Verachtet-Sein heilt, hat Klara nicht mehr losgelassen. Sie fasste sich schließlich ein Herz und bat den Kaplan, der den Gottesdienst geleitet hatte, um ein Gespräch. „Meinen Sie“, fragte sie den Kaplan, dass Jesus auch mir sagt, dass ich was tauge?“ „Selbstverständlich“, antwortete der Kaplan. „Auch dir sagt Jesus: Klara, steh auf, damit ich dir in die Augen schauen kann. Für mich bist du genauso viel wert wie der berühmteste Star. Und dann geh umher – mach was aus deinem Leben. Ich, Jesus, trau’s dir zu.“ Im Lauf des Gesprächs fanden die beiden heraus, dass Klara für ihr Leben gern Origami faltet, also Kunstwerke aus Papier anfertigt. Der Kaplan lud Klara ein: „Komm doch mal zu unserer Gruppen­stunde der Landjugend. Da könntest du den Mädels und Jungs beibringen, wie das Origami geht. Ich glaub, denen würde sowas gefallen.“

Jahre nach diesem Gespräch – aus der Jugendlichen war eine junge Erwach­sene geworden – bin ich Klara begegnet. Sie stand mir als lebensfrohe, selbst­bewusste, hochgradig engagierte Frau gegenüber. Spät abends erzählte sie mir ihre Geschichte; sie sagte: „Ich hab zuerst nicht gewollt, hab mich dann aber doch getraut, in die Gruppenstunde zu gehen. Als ich den anderen beigebracht habe, wie man Kraniche und Frösche und Blumen und sogar Vasen faltet, hab ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl gehabt, was zu können. Die anderen waren begeistert, sie haben mich gebeten, das nächste Mal wieder dabei zu sein, und so bin ich zur Landjugend gekommen. Am Ende jeder Grup­penstunde hab ich ihnen eine neue Origami-Figur zeigen müssen.“ Klara erhielt Anerkennung, sie fand Freunde, sie lernte sich immer mehr zuzutrauen. Später übernahm sie eigenständig die Leitung einer Kindergruppe und ist mittlerweile in verschiedenen Gremien und Diensten in ihrer Pfarrei aktiv.

Die Begegnung mit dem Wort Jesu im Jugendgottesdienst war für Klara ein Geschenk des Himmels.

Ein Geschenk des Himmels sind auch Sie, liebe Hörerin und lieber Hörer. Jesus versichert heute auch Ihnen:

Meine Tochter, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Ich, Jesus, wende mich dir zu, wie du bist – ob jung oder alt, ob gesund oder krank, ob mitten unter lieben Menschen oder allein. Ich freue mich über dich mit all deinen Begabungen – und wenn du was falsch gemacht hast, verzeihe ich dir großzügig, wenn du nur darum bittest.

Jesus sagt Ihnen, liebe Hörerin und lieber Hörer, weiter: Steh auf! Für mich bist du wer, ich schenke dir Ansehen, weil du wertvoll bist. Denn du bist Gottes geliebtes Kind. Ja, für mich bist du ein Geschenk des Himmels.

Und dann bittet Jesus Sie: Geh umher! Ich glaube an dich und das Gute in dir. Nimm dein Leben in die Hand und setze deine Begabungen ein. Du wirst sehen, für wen du alles ein Geschenk des Himmels sein kannst. Und hoffentlich bekommst du das eine oder andere Himmels-Geschenk zurück in Form von Freundschaft, Dankbarkeit und Zuneigung.

Musik: Steh auf. Aus: Westernhagen, CD So weit, CD 1 / Track 16. Warner Music 2000. Best.-Nr. 857385478-2, LC 04578

Vielleicht wollen Sie, liebe Hörerin und lieber Hörer, immer wieder mal Jesus begegnen, um seine Zusicherung: Du bist ein Geschenk des Himmels! auf sich zu beziehen. Daher gebe ich Ihnen noch ein paar weitere Aussagen der Bibel an die Hand, die von Jesus oder von seinem göttlichen Vater stammen. Lassen Sie sich davon ansprechen – und genießen Sie sie, denn sie gelten Ihnen.

Sprecherin:

So spricht der Herr: Du bist in meinen Augen teuer und wertvoll. (vgl. Jes 43,4)

Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht. (Jes 49,15)

Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt. (Jer 31,3)

Du bist kein Knecht, du bist mein Freund. (vgl. Joh 15,15)

Du gehörst zu Gottes auserwähltem Geschlecht, zu seinem königlichen Volk. (vgl. 1 Petr 2,9)

Du bist mein geliebtes Kind. An dir habe ich Gefallen gefunden. (vgl. Mk 1,11)

Fürchte dich nicht! Ich bin mit dir. (vgl. Gen 26,24)

Geh in Frieden! (Mk 5,34)