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Die Frohe Botschaft für Leute von heute



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von Pfarrer Matthias Blaha



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für den Neujahrstag
01.01.2010

Matthias Blaha

Ein wunder-volles neues Jahr!
Jes 43,1-3a.4-5a – Jes 46,4


Na sowas: Die Golden Gate Bridge steht noch! Und das, obwohl für das Jahr 2009 deren Einsturz vorhergesagt wurde. Noch einige andere Katstrophen hatten Hellseher und Astrologen für das vergangene Jahr im Programm: Berlin und Frankfurt sollten von Terroranschlägen erschüttert, die britischen Kronjuwelen geraubt und der Buckingham-Palast in London ein Opfer der Flammen werden. Nichts davon traf ein – Gott sei Dank –, ebenso wenig die Vorhersage, dass das schottische Monster Nessie in Loch Ness endlich gefangen würde.
Immer am Jahresende untersuchen Wissenschaftler die Prognosen von bekannten Wahrsagern, die diese zu Jahresbeginn gestellt haben – Jahr für Jahr mit vernichtender Bilanz: Praktisch nichts von dem geschah, was vorhergesagt wurde. Die Hellseher lagen meist gründlich daneben – mit Ausnahme einer Kanadierin, die den Tod von Michael Jackson auf das Jahr 2009 terminiert hatte, was ja auch stimmte. Allerdings führte sie den Popstar auch schon 2003, 2004, 2005 und 2007 auf ihrer Liste der Todeskandidaten.
Wahrsager haben zu Jahresbeginn Hochkonjunktur. Auch das Bleigießen als Zukunftsschau zum Selbermachen war gestern bei der einen oder anderen Silvestergesellschaft fester Bestandteil des Abendprogramms. Viele möchten doch zu gerne wissen, was das neue Jahr für sie bringt… Wie die wissenschaftliche Untersuchung zeigt, sollte man den Erkenntnissen, seien sie bei der Silvesterparty im Wohnzimmer oder aus den Karten eines Wahrsagers gewonnen, allerdings nicht allzu viel Bedeutung beimessen.

Viel seriöser ist dagegen meine Vorhersage für das Jahr 2010. Zwar bin ich kein Hellseher, kein Wahrsager und kein Astrologe. Vielleicht gerade deswegen wird aber meine Prognose, die ich in der Silvesternacht gestellt habe, ganz sicher eintreffen: 2010 wird ein wundervolles Jahr! Dafür habe ich nicht Blei gegossen und nicht in den Kaffeesatz geschaut, dafür habe ich weder Kristallkugel noch Karten befragt. Um zu der Erkenntnis zu kommen, dass ein wundervolles Jahr auf mich wartet, habe ich in meiner Vergangenheit geblättert. Da habe ich festgestellt: Im letzten Jahr, wie schon in den Jahren zuvor, ist das eine oder andere Wunder in meinem Leben geschehen. Warum sollte es ausgerechnet in diesem Jahr anders sein?
Von einem ganz besonders wunder-vollen Erlebnis will ich Ihnen gleich erzählen.

Musik

„Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehn.
Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn.“ Katja Ebstein hat mit diesem Lied in den siebziger Jahren großen Erfolg gehabt. Und bis heute hat sie Recht mit ihrer Aussage: Wunder gibt es immer wieder! Ich selbst habe vor knapp drei Jahren ein Wunder erlebt.
Damals ging es mir aus verschiedenen Gründen ziemlich schlecht. Eine Zeitlang hatte ich schlaflose Nächte, konnte kaum etwas essen, war niedergeschlagen und kraftlos. Buchstäblich gottverlassen fühlte ich mich, die Welt schien sich gegen mich verschworen zu haben. Trotzdem versuchte ich meine Arbeit in der Pfarrei zu tun, so gut es eben ging. Als ich mich an einem Morgen in die Schule schleppte, kam ein achtjähriges Mädchen meiner Religionsklasse auf mich zu und gab mir eine schön beklebte Streichholzschachtel. Dazu sagte sie: „Herr Blaha, ich glaube, das können Sie brauchen.“ Ich öffnete die kleine Schachtel, und aus ihr lachte mir ein Engel entgegen – gemalt von dem Mädchen, verziert mit einem Glitzerstern. Ab diesem Zeitpunkt ging es langsam, aber stetig wieder bergauf mit mir. Denn dieser Engel hat mir neuen Mut gemacht; durch ihn ist mir wieder neu bewusst geworden: Ich bin nicht allein! Und so beschloss ich, die Probleme anzugehen, die sich mir in den Weg gestellt hatten und konnte mich Schritt für Schritt aus ihnen befreien.
Der Engel kam genau im richtigen Augenblick. Das war kein Zufall. Das war für mich ein echtes Wunder!
Warum?
Weil ich überzeugt bin: Da hat Gott in mein Leben eingegriffen! Er hat nicht tatenlos zugeschaut, wie ich mich an Problemen abstrample, sondern er hat mir dieses kleine Mädchen mit seinem kleinen Geschenk geschickt, damit ich kapiere: Gott ist da, und ich bin nicht allein. Ich brauche nicht zu verzweifeln, denn nach wie vor steht Gott auf meiner Seite – Gott, der sich mir gezeigt hat in einem Streichholzschachtel-Engel.
So geht es mir seit langem wieder richtig gut, ich kann befreit arbeiten und habe meinen alten Schwung wieder. Dafür bin ich sehr dankbar, und der Engel, der Zeuge meines ganz persönlichen Wunders, lacht mich aus seiner Streichholzschachtel jeden Tag an. Außer er ist gerade ausgeflogen, weil ich ihn an jemand verliehen habe, der auch ein Wunder gebrauchen kann, so wie ich damals…

Musik

„Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehn.“
Wunder kommen meist nicht als spektakuläre Ereignisse daher, die Tausende Leute staunen lassen. Wunder sind fast immer Begebenheiten am Rande des Alltags, mit denen Gott zeigt: Mich gibt’s auch noch! Ich sehe dich, ich weiß, was du brauchst, ich bin da für dich. Immer, wenn sich Gott im Leben bemerkbar macht, geschieht ein Wunder, sei es durch das Kind mit dem Streichholzschachtel-Engel, sei es durch folgende Begebenheit, die mir vor Kurzem eine alte Frau erzählt hat. Diese Frau kann sich fast nicht mehr bewegen und hat große Schmerzen.
Sie hat gesagt: „Als meine Beine ihren Dienst versagten, als ich für den Weg vom Schlafzimmer zur Küche fast so viel Zeit gebraucht habe wie früher zum Bäcker, da habe ich mit meinem Schicksal gehadert. Ich habe gefragt: „Gott, warum ich?“, ich habe mich einfach nicht damit abfinden können, dass ich meine Wohnung nicht mehr verlassen kann. Grantig und unzufrieden war ich. Doch dann ist mir aufgefallen: Seit ich mir nicht mehr so gut helfen kann, kommen meine Tochter und die Enkel viel öfter als vorher zu mir und schauen nach dem Rechten. Jeden Tag nach der Arbeit taucht irgendeiner von ihnen bei mir auf. Sie kaufen für mich ein, plaudern ein paar Takte mit mir, und bevor ich ins Bett gehe, ruft meine Tochter an, ob auch wirklich alles in Ordnung ist. Am Sonntag kommt dann die ganze Familie zu mir, bepackt mit Töpfen, so dass wir gemeinsam zu Mittag essen können. Auch wenn mir jeder Schritt fürchterlich weh tut – ich bin ja so froh, dass meine Leute sich so liebevoll um mich kümmern.“
Einer Frau, die an ihrem Leiden zu verzweifeln drohte, hat Gott gezeigt, dass er für sie da ist. Ähnlich wie in meiner Vergangenheit das Mädchen mit seinem Engels-Geschenk ein Wunder war, so waren und sind die Besuche von Tochter und Enkeln das Wunder für diese Frau. Ein Zeichen Gottes, das sie darauf hinweist: Du bist nicht allein! Ich, Gott, sorge mich um dich; ich greife ein in dein Leben, um dir Gutes zu tun.

„Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn.“
Genau darauf kommt es an: Die Wunder zu sehen, die im Leben auftauchen; das, was an Schönem, an Angenehmen daherkommt, als Wunder betrachten. Die Frau hat mitten in ihrer schwierigen Lage das Wunder entdeckt – und ist trotz ihrer Gebrechen ein zufriedener Mensch. Sie dankt Gott jeden Tag dafür, dass er es so gut mit ihr meint, weil er ihr liebe Menschen geschickt hat. Und auch ich habe das Wunder gesehen, das mir begegnet ist und mir den ersten Schritt heraus aus der Misere gezeigt hat. Ich habe dieses Wunder gesehen, weil ich eine „Wunder-Sehhilfe“ angewendet habe. Diese Sehhilfe habe ich vor Jahren von einem erfahrenen Seelsorger erhalten; der gab mir den Rat: „Besorgen Sie sich ein Notizbuch und schreiben Sie an jedem Abend drei Punkte hinein, für die Sie heute dankbar sind. Und wenn es nur eine Kleinigkeit ist wie die gute Suppe beim Mittagessen – notieren Sie sie. Wenn Sie dann am Ende eines Jahres, oder auch zwischendurch, wenn es Ihnen mal schlecht geht, in dem Notizbuch blättern, dann werden Sie feststellen, wie gut es Gott mit Ihnen bisher gemeint hat. All diese kleinen Wunder der Vergangenheit können Ihnen Mut machen für die Zukunft. Denn warum sollte Gott Ihnen in Zukunft weniger schenken, als er es bisher getan hat?“
Ein buchstäblich wunder-volles Buch ist dieses Notizbuch geworden. Damals, als es mir schlecht ging, habe ich es zur Hand genommen – und gegen alle Hoffnung geglaubt: Gott, der mir schon so viel Gutes getan hat, wird mich jetzt nicht hängen lassen. Irgendwie wird’s weitergehen. So war es dann letztendlich auch – und das Notizbuch wurde um einen großen Grund zum Dankbar-Sein reicher.

Gestern Abend habe ich das Notizbuch wieder einmal durchgeblättert – nicht, weil es mir schlecht geht, sondern weil ich auf das alte Jahr zurück- und auf das neue vorausschauen wollte. Da habe ich im Kapitel „2009“ viele unscheinbare und bedeutende Dinge gelesen, für die ich im vergangenen Jahr dankbar war. All diese Wunder haben mir das große Vertrauen gegeben, dass auch 2010 ein wunder-volles Jahr wird: ein Jahr voller Begebenheiten, für die ich dankbar sein werde; ein Jahr voller Zeichen, dass Gott für mich da war, da ist und da bleibt. Das zu wissen, wird für mich vor allem dann wichtig sein, wenn es in den kommenden 365 Tagen mal Schwierigkeiten gibt. Gerade dann sagt mir mein Notizbuch:

Jetzt aber – so spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir. Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen. Denn ich, der Herr, bin dein Gott, ich, der Heilige Israels, bin dein Retter. Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe, gebe ich für dich ganze Länder und für dein Leben ganze Völker. Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir.

Dieses Versprechen Gottes klebt auf der ersten Seite meines Notizbuchs; es stammt aus dem biblischen Buch Jesaja. Alle von mir notierten Gründe, dankbar zu sein, sehe ich als Beweis, dass Gott sein Versprechen Tag für Tag für mich einlöst: Ich, Gott, bin da für dich. Ich kenne deinen Namen, ich weiß um deine Bedürfnisse. Fürchte dich nicht! Wenn dir das Wasser mal bis zum Hals steht, bist du nicht allein, und wenn’s brenzlig wird für dich, pass ich auf dich auf. Das habe ich schon immer getan, weil du in meinen Augen einzigartig und wertvoll bist. Und das wird auch in Zukunft so bleiben. Ich bin und bleibe dein Retter. Ich werde nicht zulassen, dass du zugrundegehst, du gehörst ja zu mir. Sei dir sicher: Ich bleibe an deiner Seite, weil ich dich unendlich lieb habe.

Musik

Das vorhin aus dem Buch Jesaja zitierte Versprechen gilt Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, und mir. Es gilt heute und an jedem neuen Tag dieses Jahres wie auch darüber hinaus. Setzen Sie einfach statt Jakob beziehungsweise Israel Ihren eigenen Namen ein, dann entdecken Sie, dass Gott Sie persönlich meint, wenn er Ihnen sagt: Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir.
Was das neue Jahr bringt an Frohem und Traurigen, an Schönem und Unangenehmem, wissen wir nicht; auch die Kartenleger können uns da nicht weiterhelfen. Gott lässt sich nicht in die Karten schauen.

Aber wir wissen: Was auch immer sein wird – Gott geht jeden unserer Wege durch das Jahr 2010 mit, er ist und bleibt an unserer Seite. Er kümmert sich um uns. Alles kleinere und größere Gute, das wir erleben, ist Zeichen dafür, ist unser persönliches Wunder – geschickt von Gott, um uns zu zeigen: Ich bin da – da für dich!
Vielleicht wollen auch Sie ein Notizbuch anlegen, um an jedem Abend dieses Jahres drei Punkte aufzuschreiben, wofür Sie dankbar sind. Probieren Sie’s aus – ich bin mir sicher: Die Notizen helfen Ihnen, die Wunder, die es auch in Ihrem Leben immer wieder gibt, zu sehen, wenn sie Ihnen begegnen. So bin ich sicher, dass Sie und ich ein wunder-volles Jahr 2010 erleben werden, und dass alle Widrigkeiten, die daherkommen mögen, nichts an unserer Gewissheit ändern können: Gott ist mit uns! Wir brauchen uns nicht zu fürchten, denn sein Versprechen gilt:

Jetzt aber – so spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir. Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen. Denn ich, der Herr, bin dein Gott, ich, der Heilige Israels, bin dein Retter. Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe, gebe ich für dich ganze Länder und für dein Leben ganze Völker. Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir.

Weil Gott Ihnen und mir dies versichert, können wir mit einem Lied von Georg Kempf gelassen und optimistisch in dieses neue Jahr blicken:

Singt dem Herrn ein neues Lied,
niemand soll’s euch wehren;
dass das Trauern ferne flieht,
singet Gott zu Ehren.
Preist den Herrn, der niemals ruht,
der auch heut noch Wunder tut,
seinen Ruhm zu mehren!

Täglich neu ist seine Gnad
über uns und allen.
Lasst sein Lob durch Wort und Tat
täglich neu erschallen.
Führ auch unser Weg durch Nacht,
bleibt doch seines Armes Macht
über unserm Wallen.

Hat er nicht zu aller Zeit
uns bisher getragen
und geführt durch allen Streit?
Sollten wir verzagen?
Seine Schar verlässt er nicht,
und in dieser Zuversicht
darf sie’s fröhlich wagen.

Darum lasst uns Lob und Preis
vor sein Antlitz bringen
und auf seines Worts Geheiß
neue Lieder singen.
Allsoweit die Sonne sieht,
singt dem Herrn ein neues Lied,
lasst es hell erklingen.

Musik

„Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehn.
Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn.“
- Damit dieses neue Jahr 2010 für Sie ein wunder-volles Jahr wird…
- Damit es Ihnen gelingt, die Wunder zu sehen, die sich in Ihrem Leben ereignen…
…bitte ich heute, am ersten Tag dieses Jahres, Gott um seinen Segen für Sie.

Möget ihr in eurem Herzen
jeden reichen Lebenstag in Dankbarkeit bewahren,
damit, wenn das Leid eure Freude besiegen will,
ihr Gottes Wunder seht.

Und dann denkt daran:
In jeder Stunde,
in Freud und Leid,
lächelt der menschgewordene Gottessohn euch zu
- bleibt ihr in seiner Nähe.

Gott segne euch.
Er segne, was euer Wille sucht;
er segne, was eure Liebe braucht;
er segne, worauf eure Hoffnung ruht.

Das gewähre euch der wundervolle Gott:
Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist,
euer Gott, der in dieser Feier das letzte Wort behält, indem er euch versichert:

Ich bleibe derselbe, so alt ihr auch werdet, bis ihr grau werdet, will ich euch tragen. Ich habe es getan und ich werde euch weiterhin tragen, ich werde euch schleppen und retten.


Musik:

„Wunder gibt es immer wieder“ – Katja Ebstein

Rondo (Tempo di menuetto) aus dem Fagottkonzert B-Dur KV 191 von W. A. Mozart, Track 9. Philips Classics 1972, Best-Nr. 462548-2, LC 0305

Schafe können sicher weiden, BWV 208 von J. S. Bach, Track 5. Erato 2000, Best-Nr. 8573-82154-2, LC 0200

Singt dem Herrn ein neues Lied