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von Pfarrer Matthias Blaha



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Katholische Morgenfeier                                                            als Podcast
für den 3. Sonntag der Osterzeit B
26.04.2009
Matthias Blaha

Aus dem Nebel ins Leben

Lk 24,13-24.28-39.41f.45f.48


So hatten wir uns unsere Bergtour nicht vorgestellt. Meine Geschwister, ein paar Freunde und ich hatten beschlossen, zum Steinernen Meer, einem Hochplateau in den Berchtesgadener Alpen aufzusteigen. Kaum waren wir gestartet, begann es zu nieseln. Je höher wir kamen, desto dichter wurde der Nebel um uns herum. Schließlich konnten wir nur mehr ein paar Meter weit sehen. Das Weiterkommen wurde zunehmend anstrengender und schwieriger, weil auf dem blanken Fels kein Weg mehr zu erkennen war. Und die nächste Markierung war außer Sichtweite, irgendwo verborgen im Nebel. Da mussten wir stehen bleiben, und einer von uns tastete sich vorsichtig in die vermutete Richtung weiter, bis er die nächste Markierung fand. Dann folgte der Rest der Gruppe seinem Ruf, bis alle wieder beieinander waren, und so ging es weiter, von Markierung zu Markierung, bis wir endlich die Hütte erreicht hatten. Auch die haben wir erst gesehen, als wir unmittelbar vor ihr standen.
Völlig erschöpft bezogen wir unsere Zimmer. Ausruhen, etwas essen, Karten spielen – damit vertrieben wir uns die Zeit. Doch der allgegenwärtige Nebel sorgte schon auch für Frust bei uns, vor allem, nachdem andere Gäste uns wissen ließen: „So geht das schon zwei Tage!“ Sollte das unser Urlaub sein: tagelang in einer Berghütte festsitzen? So hatten wir uns unsere Bergtour wirklich nicht vorgestellt!
Am späten Nachmittag wurde es auf einmal heller vor dem Fenster. Und dann ging alles ganz schnell: Die Nebelschwaden lichteten sich, die Sonne brach durch. Wir gingen vor die Hütte, und dort bot sich uns eine atemberaubende Aussicht: Die Berggipfel um uns herum im Sonnenlicht, wolkenlos blauer Himmel über uns – und unter uns der absinkende Nebel wie ein riesiger weiß-grauer Teppich, der über den Tälern lag!
Eine ganze Weile sagte keiner von uns ein Wort. Wir waren überwältigt von der Schönheit dieses Naturschauspiels. Nein, so – so faszinierend – hatten wir uns unsere Bergtour nicht vorgestellt!

-- Musik --

Diese Bergtour ist viele Jahre her. Die meisten Erinnerungen daran sind im Laufe der Zeit verblasst, aber diesen Tag des Aufstiegs habe ich immer noch lebhaft vor Augen: Auf dem Weg das mühselige Stochern im Nebel, die Niedergeschlagenheit am Ziel, und schließlich, nachdem der Nebel sich gelichtet hatte, das erhebende und glückliche Gefühl, die klare Sicht, das grandiose Panorama.
An diesen faszinierenden Tag denke ich hin und wieder zurück, wenn ich Lebensgeschichten von Frauen und Männern höre, die sie mir als ihrem Seelsorger anvertrauen – oder auch, wenn ich mein eigenes bisheriges Leben Revue passieren lasse.
Denn in wohl jeder Lebensgeschichte gibt es, wie bei besagtem ersten Tag der Bergtour, die Wegstrecken im Nebel, die das Weiterkommen erschweren. Die Markierungen, die den weiteren Weg zeigen sollen, sind dann nur schwer auszumachen. Ein großes Plus ist es da, liebe Menschen an der Seite zu haben, die beim Weg-Suchen im Nebel helfen! Dennoch: der Nebel im Leben macht mutlos, sorgt für Frust und Niedergeschlagenheit. Irgendwann aber lichtet sich der Nebel; die klare Sicht und die guten Aussichten rufen Freude und Glück hervor; dann scheint im Leben wieder die Sonne.
Die Nebelstrecken im Leben sind immer anstrengend, manchmal ziehen sie sich quälend lang hin. Aber sie sind nicht endlos: Früher oder später zerstreuen sonnige Zeiten die Lebens-Nebelschwaden, und das Leben ist wieder schön, denn es bietet neue, faszinierende Aussichten, die vor und in der Nebel-Zeit gar nicht vorstellbar gewesen wären.
Liebe Hörerinnen und Hörer, was ich damit konkret meine, will ich mit einer biblischen Erzählung vertiefen, die ich mit Lebensgeschichten unserer Zeit illustriere.

Im Nebel
Am dritten Tag nach Jesu Tod waren zwei von seinen Jüngern auf dem Weg von Jerusalem in ein Dorf namens Emmaus. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten.
Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen, und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.
Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. (Lk 24,13-24)

Auch wenn damals – wie fast immer – über dem Heiligen Land die Sonne geschienen haben mag, im Leben der Freunde Jesu herrschte dichter Nebel: Jesus war tot! Nicht irgendwie gestorben, sondern auf die schändlichste denkbare Weise, die nur Schwerkriminellen vorbehalten war: hingerichtet durch Kreuzigung. Er, der charismatische Prediger und Wundertäter, lebte nicht mehr! Vorbei das großartige Gefühl, zu seinem engsten Freundeskreis zu gehören; vorbei die Hoffnung, mit ihm als König eine gerechtere und freiere Gesellschaft zu begründen.
Wie soll’s weitergehen? fragen sich die Freunde Jesu. Sie sind traurig, ängstlich und tief enttäuscht. Traurig sind sie über den viel zu frühen Tod Jesu – gerade jetzt, da doch alles so gut lief! Angst haben sie, dass sie mit Jesus in Verbindung gebracht werden und dass ihnen folgerichtig das Gleiche passieren könnte wie ihrem Freund. Und enttäuscht sind sie, weil all das Reden Jesu, er sei Gottes Sohn, ähnlich zu Staub zu zerfallen scheint wie dessen toter Körper. Die Freunde Jesu haben jede Orientierung verloren und tappen im Nebel – wie mit Blindheit geschlagen.

Von ähnlichen Gefühlen wie die Emmaus-Jünger wird die Jugendliche gebeutelt, deren Mutter durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Sie ist traurig, weil ein Mensch, den sie sehr lieb hat, nun nicht mehr sichtbar und ansprechbar bei ihr ist. Ohne ihre Mutter, ohne ihre vertraute Stimme und ihre herzlichen Umarmungen weiterleben zu müssen, macht der Tochter Angst. Und Enttäuschung kann sich breit machen, wenn sie erkennen muss: Der Tod kam viel zu früh! Wir hätten doch noch so viel miteinander vorgehabt! Was hätte ich noch alles von meiner Mutter lernen wollen!
Trauer, Angst, Enttäuschung empfindet auch der Familienvater, nachdem seine Frau sich von ihm getrennt hat: Die vielen gemeinsamen Jahre – sollen die von heute auf morgen zugeklappt und weggelegt werden wie ein ausgelesenes Buch? Werde ich das Sorgerecht für meinen Sohn erhalten, oder darf ich ihn wenigstens von Zeit zu Zeit sehen? Was habe ich nicht, was ihr Liebhaber hat, wegen dem sie mich verlässt?
Auch der Verlust des Arbeitsplatzes provoziert solche Gefühle: Die Frau, die ihren Job beim Autozulieferer verloren hat, trauert um einen verlorengegangenen wichtigen Lebensinhalt. Sie hat Angst, weil sie nicht weiß, wie sie ohne ihr Einkommen die Wohnung abbezahlen soll. Und sie ist enttäuscht über ihren Arbeitgeber, der eine krisensichere Tätigkeit versprach und eingestehen musste, dass diese Krise eine Nummer zu groß für ihn ist.

Es sind solche und andere Verlusterfahrungen, die dichten Nebel im Leben aufziehen lassen. Wer davon betroffen ist, verliert den klaren Blick, wo es hingehen und wie es weitergehen soll.
Um in solchen Nebelstrecken des Lebens nicht stecken zu bleiben oder sogar abzustürzen, lohnt ein Blick auf das Verhalten der Emmaus-Jünger: Sie sind gemeinsam unterwegs.
Sich gegenseitig zu stützen, miteinander nach Markierungen zu suchen, die zeigen, wie es weitergehen kann, ist wertvoll in nebligen Lebenszeiten. Ebenso wertvoll ist es, liebe Menschen an der Seite zu haben, die selber nicht im Nebel stecken, denen es also gerade gut geht. Solche lieben Menschen bewahren davor, sich aufzugeben und helfen mit, wieder einen Sinn im Leben zu sehen. Sie sagen „Kopf hoch!“ – mit ihnen fällt es nicht mehr ganz so schwer, wieder nach vorn zu schauen. Solche lieben Menschen sind wie die Engel, von dem die Emmaus-Jünger erzählen – die Engel, die denen im Nebel signalisieren: Es kommen auch wieder andere, bessere Zeiten für euch. Bis ihr das glauben könnt, bleiben wir bei euch. Und wenn die besseren Zeiten dann angebrochen sind, genießen wir sie gemeinsam!
Bis es soweit ist, tut es gut, immer wieder über den erlittenen Verlust zu reden – am besten mit so einem lieben Menschen. Dies tun die Emmaus-Jünger; sie erzählen alle ihre schlimmen Erfahrungen einem Weggefährten – und der ist ihnen vertrauter, als sie meinen… So wendeten sie damals schon eine heute allgemeingültige Erkenntnis der Psychologie an: Reden hilft, Verlusterfahrungen zu bewältigen. Und wenn die gleiche Geschichte zwanzig Mal zur Sprache kommt oder noch öfter: Mit jedem Mal verschwindet ein kleines bisschen von der Trauer, der Angst und der Enttäuschung, und langsam, aber sicher lichten sich die Nebelschwaden.

-- Musik --

Der Nebel beginnt sich zu lichten für die Emmaus-Jünger. Bis allerdings in ihrem Leben wieder die Sonne scheint, müssen sie noch ein Stück Weg zurücklegen. Hören wir, wie die Geschichte weitergeht.

Auf dem Weg ins Leben
Die drei erreichten das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.
Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
Während sie noch darüber redeten, trat Jesus in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
Da sagte er zu ihnen: Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
Die Jünger, denen Jesus erschienen war, staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben.
Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen. (Lk 24,28-39.41f)

Mit einem lieben Menschen an der Seite, mit dem ich reden kann, fällt es leichter, einen Weg aus dem Nebel zu finden. Doch selbst wenn so ein Mensch fehlt, bin ich im Nebel des Lebens nicht allein: Jesus bleibt an meiner Seite, so wie er an der Seite seiner Freunde geblieben ist, von denen Sie, liebe Hörerin, lieber Hörer, gerade erfahren haben. Meist sind es gerade die Verlusterfahrungen, die mir den Blick darauf verstellen, dass Jesus immer bei mir ist; hier leistet der Nebel ganze Arbeit und sorgt ausgerechnet in den schwersten Zeiten für das Gefühl, dass Gott mich verlassen hat. So nehmen die Jünger auf dem Weg nach Emmaus Jesus zwar nicht wahr wegen ihrer Trauer, ihrer Angst, ihrer Enttäuschung, doch Jesus bleibt an ihrer Seite. Verständnisvoll geht er ihren Weg mit, um sie Schritt für Schritt aus dem Nebel herauszuführen.
Das tut Jesus bei diesen beiden Jüngern und bei den anderen mit großer Geduld und Behutsamkeit: Er taucht immer wieder bei ihnen auf, er gibt sich ihnen mit vertrauten Zeichen zu erkennen – dem Brotbrechen, den Berührungen, seinen Wunden, dem gemeinsamen Essen. So lange und so oft gibt Jesus seinen Freunden Lebenszeichen, bis sie glauben können, dass er tatsächlich lebt. Ganz langsam sehen sie klarer. Sie erkennen: Jesus war die ganze Zeit bei uns; er hat sich uns immer wieder gezeigt. Damit hat er uns geholfen, Schritt für Schritt aus dem Nebel unserer Trauer, Angst und Enttäuschung herauszutreten. Dankbarkeit und Freude machen sich breit. Im Leben der Jünger Jesu scheint wieder die Sonne.

Ich selber habe diese Erfahrung der Jünger schon mehrere Male geteilt: Jesus geht auch dann an meiner Seite, wenn ich ihn vor lauter Lebens-Nebel gar nicht wahrnehme, wenn ich denke: Gott hat mich verlassen! Jesus erscheint mir immer wieder in vertrauten Zeichen: In der Umarmung einer Freundin, im Lachen der Kinder, in einem guten Essen, in den aufbrechenden Knospen des Frühlings, im Gesang der Vögel, in einer SMS mit der ernstgemeinten Frage „Wie geht es dir?“. Diese und andere Lebens-Zeichen schickt mir Jesus – ganz geduldig, ganz behutsam in eigentlich unspektakulären Begebenheiten, doch immer in Form von etwas Schönem. Zunächst kann ich diese Zeichen nicht als Lebens-Zeichen Jesu wahrnehmen, doch mit der Zeit und in ihrer Summe führen sie dazu, dass ich wieder klarer sehe. Ich finde wieder Freude am Leben – auch für mich scheint wieder die Sonne. Nun kann ich Jesus dafür danken, dass er bei mir war, als ich mich traurig, ängstlich und enttäuscht gefühlt habe. Und ich kann meinen Weg mit neuem Schwung fortsetzen, denn mein Leben hält wieder gute Aussichten für mich bereit.
Manchmal erkenne ich dann, wenn die Schleier sich gelichtet haben, dass die Nebelstrecke meines Lebens nicht sinnlos war:
Sie hat mein Gottvertrauen gestärkt. Ich habe im Nachhinein gemerkt: Jesus war die ganze Zeit bei mir, hat mir immer wieder Kraft geschickt, etwas Mutmachendes, einen Lichtblick, bis ich mich wieder am Leben freuen konnte. Dies macht mich dankbar und wird mir hoffentlich helfen, die nächste neblige Zeit meines Lebens, die sicher nicht ausbleiben wird, ein bisschen gelassener durchzustehen.
Durch den Nebel habe ich an Lebenserfahrung gewonnen. Dieses Mehr an Reife gibt mir ganz neue Aussichten für meinen weiteren Lebensweg, ich sehe klarer, worauf es ankommt. Und dieses Mehr an Reife befähigt mich, Menschen in ähnlich nebligen Zeiten zu begleiten.

Dies gilt nicht nur für mich, sondern für jeden Menschen. Denn auf jedem Lebensweg kommen früher oder später neblige Wegstücke daher. Jedes Kind, jeder Jugendliche und Erwachsene, der sie bewältigt mit Hilfe lieber Menschen, durch häufiges Darüber-Reden und vor allem durch die Wegbegleitung Jesu, gewinnt Lebensweisheit. Diese Lebensweisheit fällt mir vor allem an alten Menschen auf: Gerade diejenigen, die auf viele Schwierigkeiten in ihrem Leben zurückblicken, sind die weisesten Ratgeber, weil sie ihre Erfahrungen mit-teilen können, wie sie aus dem Nebel wieder ins Leben gekommen sind, in dem für sie die Sonne scheint.
Meine Oma, die vor mehr als zwölf Jahren gestorben ist, ist für mich eine Quelle solcher Lebensweisheit. Sie hat in ihrem 91 Jahre langen Leben zwei Weltkriege erlitten, wurde aus ihrer Heimat vertrieben, hat schon früh ihren Ehemann verloren und musste ihre Tochter beerdigen. An Verlusterfahrungen hat es meiner Oma nicht gefehlt, und sie hat sich wohl oft gefragt, wie es weitergehen soll mit ihr und ihrer Familie. Doch sie hat nie aufgegeben. Sie hat viel über das geredet, was ihr widerfahren ist. Sie hat hilfsbereite und wohlwollende Menschen um sich gehabt. Und sie hat sich den Blick für die Lebenszeichen Jesu bewahrt – sie hat sich freuen können an jeder Kleinigkeit, sie war ihrem Herrgott dankbar dafür. So hat sie immer wieder den Weg aus dem Nebel heraus gefunden. Und diesen Weg ist sie dann voller Gottvertrauen und mit großer Freude weitergegangen.

Mir hat die Lebensweisheit meiner Oma gezeigt, wie das Leben gelingen kann: mit der Gewissheit, dass Jesus – auch wenn er manchmal abwesend zu sein scheint – jeden Weg mitgeht, dass er behutsam und geduldig aus dem Nebel herausführt ins Leben.

-- Musik –
 
Schauen wir noch einmal auf Jesus und seine Jünger. Als die glauben können, dass er lebt, und entsprechend glücklich sind, hat Jesus für sie ein Versprechen und einen Auftrag.

Die Augen öffnen
Jesus öffnete seinen Jüngern die Augen für das Verständnis der Schrift. Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen. Ihr seid Zeugen dafür. (Lk 24,45f.48)

Das Versprechen Jesu lautet: Was in der Bibel über die Auferstehung geschrieben steht, wird eintreten. An Jesus ist bereits wahr geworden, was für die Jünger und für jeden Menschen gilt: Wenn du Verluste einstecken musst, ist das nicht das Ende deines Weges. Du wirst nicht im Nebel stecken bleiben, denn Jesus zeigt dir einen Weg zu neuer Freude und neuem Glück. Dann scheint für dich die Sonne wieder, dir bieten sich neue, ungeahnt gute Aussichten. Das ist für dich Auferstehung mitten im Leben – Auferstehung, wie du sie dir vorher vielleicht gar nicht vorgestellt hättest!
Daraus ergibt sich der Auftrag Jesu: Seid Zeugen dafür! Dieser Auftrag galt damals seinen Jüngern, und heute gilt er uns. Seid Zeugen dafür! Teilt eure Erfahrungen über Nebelstrecken und wie ihr sie bewältigt habt mit denen, die gerade im Nebel stecken! Hört ihnen zu, macht ihnen Mut, öffnet ihnen die Augen für die Lebens-Zeichen Jesu, also für all das Schöne, das trotz des Nebels zu finden ist. Eure Lebenserfahrung, eure Lebensweisheit brauchen die, die im Nebel stecken. Nehmt sie an der Hand, behutsam und geduldig, und begleitet sie auf ihrem Weg – aus dem Nebel ins Leben.

-- Musik --

Meditation:
Aus dem Nebel ins Leben

Ich stehe ratlos da
im Nebel.
Ich strenge meine Augen an
– und seh doch nichts
als Nebel.

Ich denke zurück
an die Tage,
als ich sagte: Alles klar!
Da hatte ich ein Ziel vor Augen
und Freude im Blick.

Aber jetzt
ist alles anders.
Ich frage:
Wie geht es weiter? Wo geht es hin?

Da hab ich DICH getroffen.
Du antwortest nicht auf meine Frage.
Du nimmst mich an der Hand.

Mit dir wage ich den ersten Schritt
hinein in den Nebel
– heraus aus dem Nebel.

Schritt für Schritt –
die dichten Schwaden
lichten sich.

Schritt für Schritt –
bis ich ganz klar seh:
Du bist mit mir
und ich bin mit dir
auf dem Weg
– auf dem Weg ins Leben!



Musik:

Allegro aus dem Violinkonzert in C-Dur. Aus: Vivaldi, Violinkonzerte op. 8, Track 6. SONY BMG 2006, Best-Nr. 82876886642, LC 06868

Wir wollen alle fröhlich sein. Aus: Christ ist erstanden. Lieder zum Osterfest. Hänssler Verlag Holzgerlingen 2006. Best-Nr. haen 97.015, LC 07224

Frühlingsfeuer. Aus: Hufeisen, Im Sonnenlicht, Track 8. Hufeisen Edition Stuttgart 2004. Best-Nr. 388 671 500-0, LC 10867

Wir eilen. Aus: Bach essentials, Track 2. Erato Paris 2000,
Best-Nr. 8573-82154-2, LC 0200