Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 27.11.2016                als Podcast

Talk to each other!

In meinem Urlaub in den USA sehe ich an einem Restaurant ein Schild: „No free WiFi. Talk to each other!“ Hier gibt es also kein kostenloses WLAN; stattdessen sind die Gäste eingeladen, miteinander zu reden.

Ich schmunzle und mache meinen Freund auf diesen Hinweis aufmerksam. Wir wollten sowieso etwas essen gehen – schauen wir doch gleich hier rein! Das Lokal ist bereits gut gefüllt. Mir fällt auf, dass kaum jemand mit seinem Smartphone beschäftigt ist; der sympathische Hinweis am Eingang zeigt offensichtlich Wirkung.

Bis für uns ein Tisch frei wird, setzen wir uns an die Bar. Die Leute neben uns begrüßen uns freundlich. Es dauert nicht lang, da fragen sie uns, woher wir kommen, was wir in der Stadt schon alles gesehen haben und wie es uns hier gefällt. Ein Einheimischer gibt uns Tipps, welche Ziele wir auf jeden Fall noch besuchen sollten und was wir uns sparen können. Als wir eineinhalb Stunden später das Restaurant verlassen, blicken wir auf ein hervorragendes Abendessen und auf angenehme Begegnungen zurück.

Diese Erfahrung aus meinem Urlaub will ich für die Adventszeit nutzen, die heute begonnen hat. Es gibt einige liebe Menschen, bei denen ich mich schon länger nicht mehr gemeldet habe. Das werde ich in den kommenden Tagen ändern: Ich werde sie anrufen oder besuchen. Talk to each other!





„Auf ein Wort“ vom 29.11.2016               als Podcast

Fürchtet euch nicht!

Den Deutschen geht es derzeit so gut wie nie. Dies fand eine Studie vor einem Vierteljahr heraus. Demnach sind die allermeisten Befragten zufrieden mit dem, was sie haben, und machen sich keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Interessanterweise haben die Deutschen aber zugleich mehr Angst als je zuvor; sie fürchten sich besonders vor Terroranschlägen im eigenen Land, vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern sowie vor einer Überforderung der Gesellschaft durch die vielen Flüchtlinge.

Einer der Verfasser der Studie schreibt: „2016 ist das Jahr der Ängste.“ Die Fakten geben ihm recht: In diesem Jahr stieg die Zahl der Kleinen Waffenscheine, die zum Mitführen von Schreckschusswaffen berechtigen, sprunghaft an, Pfefferspray und Selbstverteidigungskurse haben Hochkonjunktur. Ängste lassen viele Menschen pessimistisch werden: Nur ein Drittel der in der Studie Befragten blickt dem nächsten Jahr mit Hoffnung entgegen.

Eine christliche Antwort auf Angst und Pessimismus gibt der Wiener Theologe Paul Zulehner in einem Buch mit dem Titel „Entängstigt euch!“ Darin ist zu lesen, dass eine wesentliche Botschaft der Bibel lautet: „Fürchtet euch nicht!“ Zulehner schreibt: „Wer aus dem Evangelium die Hoffnung schöpfen kann, dass die Liebe das letzte Wort hat, dessen Ängste können geheilt werden. Je stärker diese Hoffnung ist, umso eher kann ich ein solidarisch Liebender werden.“[1]



[1] Quelle: Christ in der Gegenwart Nr. 41/2016, S. 451 f. ISSN 0170-5148





„Auf ein Wort“ vom 01.12.2016               als Podcast

Geschenkt

Gerade hat sich mein Besuch verabschiedet: ein alter Bekannter aus Studienzeiten. Er hat mir eine Flasche Rotwein mitgebracht. Bevor ich sie in den Keller trage, scanne ich mit dem Smartphone ihren Strichcode. Und ich erfahre: um die achtzehn Euro kostet der Wein! Ich freue mich über den edlen Tropfen und nehme mir vor, dass ich mich ebenfalls nicht lumpen lassen werde, wenn ich meinen Bekannten wiedersehe.

Als ich mich an diesem Abend ins Bett lege, merke ich: Da rumort etwas in mir! Ich liege noch eine Zeitlang wach. Woran messe ich den Wert eines Geschenks? überlege ich. In diesem Fall ist es die Aufmerksamkeit meines Bekannten, der weiß, dass ich gerne Rotwein trinke, aber mir aus Süßigkeiten nichts mache. Er hätte noch so viel Geld für Pralinen ausgeben können; Freude hätte er mir damit kaum gemacht.

Die Absicht des Gebers, mir eine Freude zu bereiten, macht ein Geschenk für mich wertvoll – und nicht das dafür investierte Geld. Ich habe eine Tasse, die meine Nichten für mich bemalt haben, als sie noch klein waren. Obwohl sie vermutlich nur ein paar Euro gekostet hat, trinke ich meinen Kaffee am liebsten aus ihr.

Ich beschließe, meinem Bekannten das nächste Mal selbstgemachte Marmelade mitzubringen. Die kostet keine achtzehn Euro, doch mein Bekannter sagt: Zum Frühstück gibt’s nichts Besseres!






 „Auf ein Wort“ vom 03.12.2016               als Podcast

Macht Geld glücklich?

„Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn“, sagte einmal der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Geld und Glück: wie hängen die beiden zusammen? Das wollten Wissenschaftler mit einem Forschungsprojekt herausfinden.[1] Ihr Ergebnis: Bis zu einem Jahresgehalt von etwa 60.000 Euro sorgt ein Plus an Einkom­men für einen Zuwachs an Glück; danach verliert sich dieser Zusammenhang immer mehr. Ein Gehaltsmillionär ist demnach kaum glücklicher als jemand, der „nur“ gut verdient.

Als Grund nannten die Forscher, dass sich beim materiellen Besitz, der über das Lebensnotwendige hinausgeht, sehr bald ein Gewöhnungseffekt einstellt. Das, was man hat, wird schnell als normal empfunden und löst dann kein Glücksempfinden mehr aus. Daraus leiten die Wissenschaftler zwei Empfehlungen ab für Menschen, die Geld übrig haben:

Investieren Sie lieber in Erlebnisse als in Dinge! Der Glanz der neuen Lederjacke verblasst bald unter dem Gewöhnungseffekt. Ein schöner Kurzurlaub hingegen schafft Glücksmomente, die Sie noch lange begleiten.

Und: investieren Sie überschüssiges Geld in andere Menschen! Machen Sie Ihren Lieben eine Freude und spenden Sie für wohltätige Zwecke. Dann erleben Sie sich selbst als fürsorglich und großzügig, was Ihrem Bedürfnis entgegenkommt, ein verantwortungsvoller Mensch zu sein. Dies zu spüren, löst Glücksgefühle in Ihnen aus, die länger halten als die Lederjacke.



[1] Quelle: http://www.zeit.de/karriere/beruf/2016-08/gehalt-geld-glueck-zufriedenheit-einkommen/komplettansicht





„Auf ein Wort“ vom 05.12.2016                als Podcast

"Leid ist Gnade"?

Ich betrete das Krankenhaus, um eine Frau aus meiner Pfarrei zu besuchen. In der Eingangshalle fällt mein Blick auf einen Satz, der in kunstvollen Buchstaben an die Wand gemalt ist: „Leid ist Gnade.“ Ich stutze. Wie soll denn Leid eine Gnade sein? Gnade verstehe ich als Geschenk Gottes, und ich habe das Wort Jesu im Ohr, dass Gott nichts Böses und Schlechtes verschenkt, sondern ausschließlich Gutes. An einen Gott, der den Menschen Leid schickt, mag ich nicht glauben.

Als ich dann bei der Frau im Krankenzimmer sitze, erzählt sie mir, wie gern sie Lehrerin ist, und wie erschüttert sie war, als sie im vergangenen Jahr die Diagnose „Darmkrebs“ erhielt. Die Frau berichtet von der Operation und davon, dass nun wieder ein Tumor entdeckt wurde. Und sie sagt mir: „Seit ich weiß, dass ich Krebs habe, danke ich Gott für jeden Tag, den ich erlebe. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie, und ich freue mich noch mehr als bisher an meinem Garten. Jetzt hoffe ich, dass die Operation gut verläuft, damit ich bald wieder zuhause bin.“

Durch diese Begegnung ist mir wieder einmal bewusst geworden: Gott schickt den Menschen kein Leid, doch es ist ein Geschenk Gottes, wenn der Mensch die Kraft findet, sich dem Leid zu stellen. Leid ist keine Gnade, aber der Umgang mit dem Leid sehr wohl.