Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 01.11.2006 – Allerheiligen

Zeugen der Auferstehung

Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene habe ich heute Nachmittag auf dem Friedhof gesehen. Sie haben an ihre verstorbenen Verwandten und Freunde gedacht, während ich deren Gräber gesegnet habe.
Die Gräber sind zu diesem Anlass schön hergerichtet: Viele Blumen sind in den letzten Tagen auf die Gräber gepflanzt worden. Blumen sind Zeichen des Lebens und der Freude – sie weisen darauf hin: Die Verstorbenen sind mit dem Tod nicht untergegangen, sondern übergegangen in eine neue Dimension des Lebens; an diesem neuen Leben freuen sie sich.
Außer den Blumen zieren auch Grablichter die Gräber. Gerade jetzt, da die Nächte länger werden, leuchten sie in der Dunkelheit und führen vor Augen: Das Lebens-Licht eines Menschen wird mit dem Tod nicht ausgeblasen. Im Gegenteil: da beginnt es erst richtig hell zu strahlen!
Die Grabsteine, auf denen die Namen der Verstorbenen stehen, machen deutlich: die menschliche Existenz ist unzerstörbar. Wie ein Mensch heißt, was er getan hat, wer er war – all das hat Bestand über den Tod hinaus. Nicht nur in der Erinnerung lebt ein Verstorbener weiter, sondern in Wirklichkeit – in einer Wirklichkeit, die wir allerdings nicht wahrnehmen können, weil uns die Sinnesorgane dafür fehlen.
Gut, dass es Gräber gibt mit ihren Blumen, Lichtern und Steinen – als Orte zum Trauern, vor allem aber als Zeugen der Auferstehung.

Matthias Blaha




„Auf ein Wort“ vom 02.11.2006 – Allerseelen

Worauf es ankommt

„Wie ein Theaterstück ist das Leben. Nicht wie lange, sondern wie gut gespielt wird, darauf kommt es an.“ Beim römischen Philosophen Seneca, der im ersten Jahrhundert gelebt hat, ist dieses Zitat nachzulesen.
Das Leben – ein Theaterstück: ein interessanter Vergleich. Phasenweise bietet das Leben viel zu lachen wie in einer Komödie. Dramatische Situationen sind ebenso zu sehen, und auch Tragödien bleiben nicht aus. Eine spannende, einzigartige Mixtur aus unterschiedlichsten Szenen ist jeder Lebensweg, und die allermeisten Menschen – inklusive mir – möchten möglichst lang mitspielen.
Dafür kann ich kann einiges tun, indem ich mich gesund und fit halte. Wann aber mein persönlicher Vorhang fällt, habe ich nicht in der Hand. Da tut es gut, zu wissen: Auf die Anzahl der Jahre kommt es letztlich nicht an, um ein erfülltes und sinnvolles Leben zu führen. Vielmehr ist wesentlich, wie ich die mir geschenkte Lebenszeit ausfülle. Dazu hilft mir ein Ausspruch, den der italienische Priester Giovanni Bosco vor gut hundert Jahren geprägt hat: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“ Fröhlich sein – ich darf mich an meinen Begabungen freuen, ebenso an lieben Menschen und den vielen schönen Dingen des Lebens. Gutes tun – ich soll wahrnehmen, was meinen Mitmenschen und mir gut tut und es ihnen wie mir großzügig geben. Die Spatzen pfeifen lassen – ich soll tolerant bleiben gegenüber anderen Meinungen, Verhaltensweisen und Kulturen.
Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen – darauf kommt es an im Spiel des Lebens.

Matthias Blaha




„Auf ein Wort“ vom 04.11.2006

Ehrenamt bringt’s!

„Dass ich mich bei der Katholischen Landjugend engagiere, hat mir selber am meisten gebracht“, hat ein Jugendlicher mir erzählt. „Vorher war ich ein Außenseiter in der Schule, habe kaum Kontakte gehabt. In der Landjugend habe ich dann gemerkt, dass ich was kann und dass meine Fähigkeiten gebraucht werden. Also habe ich mich reingehängt in der Jugendarbeit, habe dadurch Achtung und Ansehen gewonnen und viele Freunde gefunden. Das hat meinem Selbstvertrauen einen richtigen Schub gegeben.“
Das Ehrenamt kostet den Jugendlichen viel Zeit und Kraft. Häufig ist er am Abend und am Wochenende unterwegs zu Sitzungen und Veranstaltungen, stundenlang sitzt er am Computer, um Konzepte zu erstellen und Ideen zu spinnen. Und immer wieder mal muss er sich auch richtig ärgern, wenn eine Aktion nicht gut gelaufen ist oder wenn Zuschüsse gekürzt werden. Doch er engagiert sich gern, weil er den Idealismus hat, die Katholische Landjugend weiterzubringen und junge Menschen für eine sinnvolle Jugendarbeit zu begeistern.
Wie dieser junge Mann sind viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene ehrenamtlich tätig – in Vereinen und Hilfswerken, in Kirchen und Gemeinden. Gratis ist ihr Einsatz, doch nicht umsonst, denn er ist der Motor unserer Gesellschaft. Und dieser Einsatz bringt auch die Ehrenamtlichen selber weiter: er bringt Anerkennung, Freundschaften und Selbstvertrauen.

Matthias Blaha




„Auf ein Wort“ vom 06.11.2006

Das Spinnennetz

Ich wohne in einem der nebligsten Orte Mitteleuropas. Glaube ich zumindest. Denn das Flusstal und die feuchten Wiesen sorgen dafür, dass ich an vielen Herbsttagen durch dichte graue Schleier tappe, während Bekannte im Allgäu oder im Schwarzwald sich an den Sonnenstrahlen freuen. Das drückt manchmal schon aufs Gemüt, ich gebe es zu – vor allem wenn sich der Nebel tagelang nicht lichtet.
In so einer trüben Stimmung – sowohl um mich herum als auch in mir drin – gehe ich an einem Novembertag in meinen Garten. An einem Busch entdecke ich ein riesiges Spinnennetz – und das kommt durch den Nebel erst richtig zur Geltung: Feine Wassertröpfchen haben sich auf den Fäden festgesetzt; so ist gut sichtbar, wie kunstvoll und ausgeklügelt die Verknüpfungen und Verästelungen angelegt sind. Und in der Mitte sitzt die Spinne. Sie wird getragen von dem Netz, das sie an vielen Ästen festgemacht und dann gesponnen hat.
Bei diesem Anblick denke ich an mein eigenes Leben: Ich werde von einem Netz an Beziehungen getragen. Nur weil es viele liebe Menschen gibt, mit denen ich verbunden bin und an denen ich mich festhalten kann, stürze ich nicht ab im Leben. Dieses Beziehungsnetz ist es wert, gepflegt, weitergeknüpft und auch mal ausgebessert zu werden.
Die Gesichter einiger Freunde und Verwandter erscheinen vor meinem geistigen Auge. Meine Stimmung hellt sich auf. Gleich nachher werde ich mal wieder einem von diesen lieben Menschen einen Brief schreiben.

Matthias Blaha




„Auf ein Wort“ vom 08.11.2006

Nobody’s perfect

„Es gibt doch tatsächlich Menschen, die können ihre Fehler nicht zugeben. Ich würde meine Fehler zugeben – wenn ich welche hätte.“
Ein Freund von mir hat ein Schild mit diesem Satz über seinem Schreibtisch angebracht. Nicht aus Überheblichkeit, sondern aus Selbstironie: Das Schild erinnert ihn daran, sich und anderen seine Fehler einzugestehen.
Wer sich für fehlerfrei hält, ist eine Gefahr für seine Mitmenschen. So jemand glaubt, alles richtig zu machen, ist taub für Kritik, hält sich für das Maß aller Dinge. Weil er ja perfekt ist, haben alle anderen so zu denken und zu handeln wie er. Ein Mensch, der meint, ohne Fehler zu sein, bekämpft gnadenlos alle, die ihrerseits etwas falsch gemacht haben.
Ganz anders einer, der sich eingesteht, Fehler zu machen: Er ist dankbar für Kritik, wo immer sie fair geäußert wird, er hinterfragt seine Standpunkte, er hört Meinungen anderer an und lässt sie gelten. Ein Mensch, der weiß, dass er Fehler macht, gesteht dies auch anderen zu. So kann er um Entschuldigung bitten, wenn er etwas falsch gemacht hat, und ebenso anderen verzeihen, die ihm gegenüber Fehler begangen haben.
Nobody’s perfect – niemand ist fehlerfrei, sagt eine englische Redensart. Wer dies vor allem auf sich selber bezieht, ist ein angenehmer Zeitgenosse: einer, der offen bleibt für andere Ansichten; einer, der um Verzeihung bittet und verzeihen kann. Denn er weiß: das Gegenteil von „menschlich“ lautet „fehlerfrei“.

Matthias Blaha