Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 02.11.2005 (Allerseelen)

Himmlische Bilder

Wie stellst du dir den Himmel vor? habe ich meine Drittklässler gefragt. Die Kinder sollten ihr ganz persönliches Bild vom Himmel malen. Das haben sie mit viel Eifer getan.
Ein Bub hat ein strahlend helles Bild gemalt; er stellt sich vor, dass im Himmel immer die Sonne scheint. Ein Mädchen beschreibt „ihren“ Himmel als Blumenwiese mit Bäumen und Tieren. Dass es im Himmel Ferraris gibt, die über eine Rennbahn sausen, meint ein anderer Bub. Und ein Mädchen malt überall Geldscheine auf ihr Bild. „Zum Himmel gehören Schnitzel und Pommes, denn das ist mein Lieblingsessen“, stellt ein weiteres Mädchen fest.
Jedes dieser Bilder enthält einen Teil der Wahrheit über das, was wir „Himmel“ nennen:
Die Sonne im Himmels-Bild vermittelt die Überzeugung, dass es im Himmel warm ist und freundlich und schön. Die Blumenwiese, Bäume und Tiere beschreiben den Himmel als Ort, wo das Leben blüht und wo Freude herrscht. Die Rennwägen haben im Himmel Platz, weil sie Leichtigkeit darstellen – und den Sieg. Die Geldscheine drücken aus, dass im Himmel jeder genug zum Leben hat und niemand Not leidet. Und das Schnitzel mit Pommes lässt hoffen, dass im Himmel alles vorhanden ist, was gut tut, was buchstäblich Geschmack ins Leben bringt.
Das alles und noch viel mehr ist der Himmel: ein durch und durch positiver Ort des Lebens – für unsere Verstorbenen und einmal auch für uns.

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 04.11.2005

Es ist ein Kreuz

„Wo ist nun Ihr Scheiß-Gott?“ – Verzweifelt schrie mir ein Vierzehnjähriger diese Frage ins Gesicht. Etwas Schreckliches war einige Minuten vorher geschehen: Seine kleine Schwester war bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen; niemand konnte ihr mehr helfen. Als Seelsorger wurde ich gerufen, um mich um die Eltern und den Bruder zu kümmern.
„Wo ist nun Ihr Scheiß-Gott?“ – Fünf Jahre ist dieser Schrei nun her, doch an jedem Jahrestag denke ich daran.
Unvorstellbares Leid ist von einer Sekunde auf die andere in diese Familie eingedrungen; ein lieber Mensch ist plötzlich nicht mehr da. Viele andere Eltern, Geschwister und Freunde mussten und müssen ähnlich Schlimmes erleben.
Ja, wo ist Gott in solchen Situationen? Warum lässt er so etwas zu?
Ich weiß die Antwort nicht. Niemand weiß sie. Nicht einmal Jesus hat sie gewusst, als er am Kreuz geschrieen hat: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“.
Oft wird nach einem tödlichen Verkehrsunfall ein Kreuz am Straßenrand aufgestellt – Ausdruck des Leides und der Verzweiflung, die der Tod den Hinterbliebenen gebracht hat. Das Kreuz zeigt aber noch mehr: Auch wenn Gott dir unendlich fern scheint: er geht den schweren Weg mit dir, er versteht dich, denn er hat als Jesus selber Leid und Verzweiflung erfahren. Du bist nicht allein – auch in den dunkelsten Stunden deines Lebens ist Gott bei dir.

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 06.11.2005

Nur die Liebe zählt

Was erlebt ein Mensch im Augenblick des Todes? Um diese Frage zu beantworten, hat ein amerikanischer Mediziner, Raymond Moody, Hunderte von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen interviewt. Sie alle waren schon einmal klinisch tot und sind durch rechtzeitige Wiederbelebung ins Leben zurückgeholt worden. Praktisch alle Befragten beschreiben ganz ähnliche Erlebnisse: Sie sind einem warmen, angenehmen Licht – eher einem Lichtwesen – begegnet, und dieses Lichtwesen hat unendliche Liebe ausgestrahlt.
Mit diesem Lichtwesen haben sie in einer Art Rückblende ihr Leben angeschaut, und das Lichtwesen hat ihr Leben nur nach einem Kriterium beurteilt: Wann und wo hast du Liebe gezeigt?
Die Liebe, die sie während ihres Lebens verschenkt haben – nur sie allein zählt für das Lichtwesen: Das haben diese Menschen erfahren, die bereits ganz nah an der Schwelle des Todes gestanden haben.
Viele der von Raymond Moody Befragten haben, nachdem sie erfolgreich wiederbelebt worden waren, ihr Leben umgekrempelt: Sie haben seither noch viel mehr Wert darauf gelegt, Liebe zu zeigen – gegenüber den Menschen um sie herum, gegenüber Tieren und Pflanzen. Denn sie haben erfahren: Bei allem, was ich in meinem Leben denke, rede und tue, zählt nur die Liebe.

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 08.11.2005

Eheringe

Sie sind schlicht und doch aus edlem Metall, sie sind rund – weder Anfang noch Ende scheinen sie zu haben, und meist sind sie an allen Stellen gleich stark: die Eheringe, die Braut und Bräutigam am Tag ihrer Hochzeit einander anstecken. Dabei sagen sie: „Trag diesen Ring als Zeichen unserer Liebe und Treue.“
Die Eheringe – Zeichen von Liebe und Treue. Dabei ist der Begriff „Treue“ der umfassendere, er geht noch weiter und tiefer als die Liebe. Liebe ist ein Gefühl; mal ist es stark in Zeiten des Glücks, mal verliert sich seine Spur bei Krisen und Enttäuschungen. Treue hingegen ist eine verstandesmäßige Entscheidung: Wir sind uns einander so wertvoll, dass wir unseren Lebensweg gemeinsam gehen wollen, egal was der für uns bringt. Gemeinsam werden wir die schönen Zeiten genießen und die schwierigen meistern.
Die Eheringe machen diese bewusste Entscheidung der Partner füreinander sichtbar. Die schlichte Form und das edle Metall zeigen: Die Treue muss nicht groß herausposaunt werden und ist gerade deswegen etwas Edles. So wie die Eheringe rund und überall gleich stark sind, ist die Treue eine dauerhafte, feste Basis.
Alle, die Eheringe tragen, dürfen dies mit Stolz tun. Und allen anderen können die Eheringe ein Hoffnungszeichen sein: Es gibt sie noch, die Treue – das Fundament der Liebe.

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 10.11.2005

Abspülen!

Schon wieder kein sauberer Teller mehr im Schrank; statt dessen türmt sich dreckiges Geschirr in der Spüle. In meinem kleinen Kaplanshaushalt war das ein wöchentlich wiederkehrendes Bild. Das Abspülen hat mich genervt: den Berg von Tassen, Tellern und Besteck abzuarbeiten, hat viel Zeit gekostet – und auch Kraft, weil der Schmutz schon richtig festgetrocknet war. Danach, als das Geschirr endlich sauber und wieder auf seinem Platz war, habe ich mir jedes Mal vorgenommen: ab jetzt spül ich regelmäßiger ab! Doch die Woche drauf habe ich auf der Suche nach sauberem Geschirr erneut ins Leere gegriffen...
Jahre später, als Pfarrer, habe ich das Problem in den Griff bekommen: Ich habe mir mehr Geschirr gekauft – und eine Spülmaschine. Die wäscht den Dreck und die Verkrustungen auf dem Geschirr zuverlässig ab.
Aber nicht nur auf Gläsern und in Töpfen, sondern auch in Beziehungen zwischen Menschen finden sich Dreck und Verkrustungen. Doch die wäscht keine Maschine weg. Deshalb versuche ich bei meiner Familie, meinen Freunden und den Leuten aus meinen Pfarreien das zu tun, was ich beim Geschirr nie geschafft habe: Wenn es zwischen mir und jemand anderem ein böses Wort gegeben hat, einen Streit oder ein Missverständnis, dann schlafe ich erst mal eine Nacht (aber wirklich nur eine Nacht) darüber – und am nächsten Tag suche ich das Gespräch mit dem Betreffenden. Fast immer können wir das, was sich zwischen uns geschoben hat, ohne große Mühe bereinigen. Und der richtig grobe Dreck von Feindschaft oder Hass hat keine Chance.

Matthias Blaha