Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 20.10.2002

Hab Frieden in dir!

Das Mädchen vor mir dreht sich zu mir um, gibt mir die Hand und sagt: „Hab Frieden in dir!“
Ich schmunzle und denke mir: Du weißt halt noch nicht, wie’s richtig heißt! Dann antworte ich mit der Formel, die beim Friedensgruß im Gottesdienst üblich ist: „Der Friede sei mit dir!“
Nach dem Gottesdienst bleibe ich noch ein paar Minuten in der Kirche sitzen.
Ich denke über das nach, was das Mädchen vorhin zu mir gesagt hat: Hab Frieden in dir!
Das Mädchen hat diesen Wunsch wohl nicht absichtlich so formuliert. Und doch, so wird mir klar, passt er ganz gut auf mich.
Denn mich ärgert es schon, wenn der Kollege befördert wird und ich nicht.
Und es stinkt mir, dass ich als einziger in der Familie kein Instrument spielen kann.
All das sorgt für Unfrieden in mir. Ich werde neidisch auf andere, die mehr haben oder etwas besser können. Dementsprechend gehe ich mit ihnen um.
Hab Frieden in dir! – Mir und den Leuten um mich herum wird es gut tun, wenn ich den Wunsch des Mädchens beherzige. Denn nur wer Frieden in sich hat, hat auch Frieden mit anderen.


Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 22.10.2002

Pförtner Mayer

Es war ein trüber Oktoberabend. Nieselregen. Mit zwei Koffern bepackt, ging ich über einen großen Platz auf die schwere Holztür zu. Hinter ihr lag eine fremde Welt: das Priesterseminar. Die düsteren, menschenleeren Gänge, die Kälte, die unbekannte Umgebung – all das ließ in mir ein trostloses Gefühl aufkommen. Am liebsten wäre ich wieder umgekehrt. Doch am nächsten Morgen begann die Einführungswoche für die neuen Seminaristen.
Ich ging auf eine Tür zu, aus der Licht schimmerte. „PFORTE“ stand auf dem Schild. Also war ich zumindest schon mal richtig.
„Herein!“ rief eine Stimme auf mein Anklopfen, und als ich eintrat, hielt mir ein älterer Mann seine Hand hin. „Ich bin der Pförtner Mayer. Und wer bist du?“ „Matthias Blaha heiße ich.“ „Ah, du bist einer von den Neuen. Schön, dass du da bist. Komm, ich zeig dir gleich dein Zimmer. Gib mir einen Koffer, wenn du magst.“
Auf dem Weg zum Zimmer erklärte mir Pförtner Mayer, wo sich der Speisesaal befand, in dem die anderen Neuen schon saßen. Und als er sich an der Zimmertür von mir verabschiedete, sagte er noch: „Wenn’st irgendwas brauchst, schaust einfach bei mir vorbei.“
Nachdem ich meine Sachen ins Zimmer gebracht hatte, ging ich den Weg zurück zum Speisesaal. Jetzt kamen mir die Gänge nicht mehr so düster vor. Und wärmer war mir auch geworden.


Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 24.10.2002

Menschenskinder!

Sommer in der Großstadt. Ich sitze im Straßencafé und beobachte das lebhafte Treiben der Fußgängerzone. Am Tisch neben mir nimmt ein junges Ehepaar mit einem kleinen Mädchen Platz. Wohl Touristen – bewaffnet mit Fotoapparat und Stadtplan. Sie reden in einer fremden Sprache – Arabisch vielleicht.
Es dauert nicht lange, da höre ich von einem anderen Nachbartisch Wortfetzen wie „Schläfer“ oder „El Kaida“. Ein paar ältere Männer mustern die fremdländische Familie, stecken die Köpfe zusammen und fragen sich halblaut, warum man so was heutzutage überhaupt noch ins Land lässt.
Das Mädchen der beiden Ausländer erkundet derweil seine Umgebung. Mit einem bunten Ball in der Hand, tapst es noch etwas unbeholfen zwischen den Tischen und Stühlen herum. Auch bei der Männerrunde bewegt sich was: Ein kleiner Junge, der bisher auf dem Schoß seines Opas gesessen war, geht auf das Mädchen zu.
Die beiden Kinder stehen sich gegenüber. Sie schauen sich an. Das Mädchen wirft seinen Ball zu dem Jungen hin. Der strahlt, purzelt dem Ball hinterher und wirft ihn wieder zurück. Die beiden brabbeln und lachen und toben gemeinsam herum. Sie verstehen sich prächtig. Menschenskinder!


Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 26.10.2002 (Vorabend des Weltmissionssonntags)

Nur ein Vaterunser

Samstag Abend in Wien. Mit einer Gruppe aus meiner Pfarrei bin ich eine Woche lang unterwegs gewesen. Jetzt feiern wir Gottesdienst in der Unterkirche des Stephansdoms. Wir sitzen im Kreis um den Altar und danken Gott für die gemeinsam erlebten Tage.
Ein älteres Ehepaar betritt den Raum. Als die beiden merken, dass gerade Gottesdienst gefeiert wird, setzen sie sich hinten in eine Bank.
Zum Vaterunser lade ich die Leute aus meiner Gruppe ein, sich an den Händen zu nehmen. Auch dem Ehepaar sage ich, sie können ruhig mit dazukommen.
„Siamo italiani“, wehren sie ab – „Wir sind Italiener.“
„Das macht uns nichts aus“, antworte ich, und einige von uns ermuntern die beiden, den Kreis zu schließen.
Hand in Hand beten wir das Vaterunser: Unsere Gruppe auf deutsch, das Ehepaar auf italienisch.
Am Ende der Messfeier verabschieden sich die Italiener von jedem von uns mit Handschlag. Dann setzen sie ihre Besichtigungstour fort.

Tags darauf, bei der Rückfahrt, sagt eine Frau aus der Gruppe zu mir: „Dieses Vaterunser gestern war für mich das schönste Erlebnis der ganzen Fahrt. Da hab ich gespürt: Jeder Mensch dieser Erde ist Kind Gottes. Und – wir sind Geschwister.“


Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 28.10.2002

Engel

Haben Sie schon mal einen Engel gesehen – also ich meine nicht eine Statue in der Kirche, sondern so einen richtig lebendigen Engel?
Erst letzte Woche bin ich wieder mal einem begegnet. Es ist ein guter Freund von mir. Bei dem kann ich zu jeder Tages- und Nachtzeit auf der Matte stehen. Mit dem kann ich herrlich rumblödeln, aber auch ernste Probleme wälzen.
Aber wieso soll der ein Engel sein?
Darauf hat der heilige Augustinus, einer der gescheitesten Köpfe des Christentums, einmal geantwortet: „Engel ist nicht die Bezeichnung für ein Wesen, sondern für eine Aufgabe.“
Deswegen werden Engel in der Kunst mit Flügeln dargestellt – damit deutlich wird, mit welcher Aufgabe sie unterwegs sind: nämlich ein bisschen Himmel auf die Erde zu bringen.
Ein bisschen Himmel auf die Erde bringen – in Wirklichkeit brauchen Engel dafür keine Flügel.
Ein Engel ist das Mädchen, das seinem Opa zum Geburtstag ein Bild malt. Ein Engel ist der Mann, der seine Frau zum Hochzeitstag mit einem schönen Abendessen überrascht.
Haben Sie auch schon mal zu jemand gesagt: Du bist ein Engel!?
Dann können Sie sich glücklich schätzen. Jemand hat ein bisschen Himmel zu Ihnen auf die Erde gebracht.


Matthias Blaha