Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 15.09.2013                als Podcast (ca. 1 MB)

Binde dein Kamel fest!

Ein junger Mann erzählt mir, warum er aus der Kirche ausgetreten ist: „Das war damals im Studium“, sagt er. „Ich stand vor ein paar wichtigen Prüfun­gen, und da hab ich mir gedacht: Du bist ja katholisch; jetzt schaust mal, was dein Gott draufhat. Also habe ich nichts gelernt und stattdessen zu Gott gebetet, dass er mich die Prüfungen bestehen lässt. Ich bin mit Pauken und Trompeten durchgerasselt. Mein nächster Weg war der zum Standesamt für den Kirchenaustritt. Denn so einen Gott, der mir nicht hilft, brauche ich nicht.“

Dem jungen Mann habe ich folgende Weisheitsgeschichte aus dem Islam ans Herz gelegt:

Die Gläubigen kamen in Scharen, um die Worte Mohammeds zu hören. Ein Mann hörte besonders aufmerksam zu, betete inbrünstig und verabschiedete sich schließlich von Mohammed. Kaum war er draußen, kam er wieder zurückgerannt und schrie: „O Herr! Ich ritt auf meinem Kamel zu dir, um dich, den Propheten Gottes, zu hören. Jetzt ist das Kamel nicht mehr da. Weit und breit ist kein Kamel zu sehen. Ich achtete auf jedes Wort deiner Rede und vertraute auf Gottes Allmacht. Jetzt ist mein Kamel fort. Ist das die göttliche Gerechtigkeit? Ist das die Belohnung meines Glaubens? Ist das der Dank für meine Gebete?“ Mohammed antwortete mit einem gütigen Lächeln: „Glaube an Gott – und binde dein Kamel fest.“





„Auf ein Wort“ vom 17.09.2013                als Podcast (ca. 1 MB)

Visionen

Im spanischen Toledo steht eine grandiose Kathedrale. Von außen beein­drucken die zahlreichen gotischen Türmchen und Verzierungen – und natür­lich die reich geschmückten Portale. Innen fällt ein gewaltiger Chorraum auf, der wie ein eigenes Gebäude zwischen dem Hochaltar und dem hinteren Bereich der Kirche steht. Das Chorgestühl ist ein Meisterwerk für sich: Jeder einzelne der Sitze ist mit unterschiedlichen Schnitzereien verziert; darüber erheben sich filigrane Säulen. Das imposante Altarbild ganz vorn in der Kir­che stellt mit großer Detail-Verliebtheit Szenen aus dem Leben Jesu dar, umgeben von jeder Menge Blattgold.

In meinem Urlaub bestaune ich die Kathedrale von Toledo und lese in mei­nem Reiseführer: Nach dem Baubeginn im Jahr 1226 dauerte es 250 Jahre, bis die Kirche fertiggestellt war.

Da denke ich mir: Derjenige, der den Bau begonnen hat, hat gewusst, dass er das fertige Gebäude nicht erleben wird. Dennoch hat er zu bauen ange­fangen. Weil er eine Vision von der Kathedrale gehabt und Stein auf Stein gesetzt hat, ist über die Jahrhunderte ein wunderbares Bauwerk entstanden.

An diesem Baumeister will ich mir ein Beispiel nehmen. Auch ich habe eine Vision: die von einer friedlichen, gerechten Welt für alle Menschen. Ich ver­mute, dass ich eine solche nicht erleben werde; doch es lohnt sich, an ihrer Verwirklichung zu arbeiten – und auch heute einen Baustein dafür zu setzen.





„Auf ein Wort“ vom 19.09.2013                als Podcast (ca. 1 MB)

Kopf oder Zahl?

„Kopf oder Zahl?“ – mit dieser Frage rief ein Forschungsinstitut siebenhundert zufällig ausgewählte Erwachsene an. Die angerufene Person wurde gebe­ten, eine Münze zu werfen. Wenn die Münze auf „Zahl“ fällt, so das Verspre­chen, bekommt der Angerufene einen 15-Euro-Scheck. Landet die Münze auf „Kopf“, kriegt er nichts.

Da ja das Forschungsinstitut nicht nachprüfen konnte, wie die Münze des Angerufenen tatsächlich fällt, hätte theoretisch jeder von ihnen behaupten können: „Zahl!“ – entweder weil die Münze tatsächlich so gefallen war oder weil er geschwindelt hatte; sieht ja keiner… Die Forscher hatten deswegen einen ungewöhnlich hohen Prozentsatz mit der Aussage „Zahl“ erwartet.

Das überraschende Ergebnis: Nur 44 Prozent gaben an, dass ihre Münze auf „Zahl“ gelandet war; sie bekamen ihre 15 Euro. 56 Prozent sagten „Kopf“ und gingen leer aus.

Die Forscher suchten nach Erklärungen für diese ungeahnte Ehrlichkeit. Sie vermuteten: Weil die Leute zuhause angerufen wurden, waren sie ehrlicher als gedacht. Zuhause fragen die Kinder: „Papa, warum hast du geschwin­delt?“ Oder der Ehemann bemerkt: „Schatz, du lügst ja richtig gut!“ – 15 Euro sind das nicht wert.

Warum auch immer – erfreulich ist doch: Nicht jeder ist nur auf den eigenen Vorteil aus. Es gibt mehr anständige und ehrliche Menschen, als man denkt. Gott sei Dank!





 „Auf ein Wort“ vom 21.09.2013                als Podcast (ca. 1 MB)

Den Sonntag heiligen

Ein alter Landwirt hat mir erzählt: „In meinem ganzen Leben habe ich am Sonntag die Arbeit liegengelassen. Auch dann, wenn die anderen Bauern aufs Feld gefahren sind, bin ich am Vormittag in die Kirche gegangen und hab nachmittags mit meinen Kindern was unternommen. Und – schaun’S mich an – ich bin auch nicht verhungert!“

Nicht nur „nicht verhungert“ ist dieser Landwirt, sondern dazu noch ein zufrie­dener alter Mann. Er hat sich an das Gebot „Du sollst den Sonntag heiligen“ gehalten – nicht aus Angst vor göttlicher Strafe oder gar vor der Hölle, son­dern weil er gemerkt hat: Ein Tag Pause in der Woche tut mir gut! Am Sonn­tag finde ich Zeit für meine Familie, für mich, für meinen Gott. Am Sonntag tanke ich Kraft für die Woche. Am Sonntag genieße ich das Leben – und für dieses Leben danke ich Gott im Gottesdienst.

Der Landwirt ist zwar vielleicht nicht ganz so reich geworden wie einer, der auch am Sonntag noch aufs Feld fährt, aber er hat etwas gewonnen, das man mit Geld nicht kaufen kann. Denn er nutzt den Sonntag für seinen Gott, für sich selber und für die Menschen, die ihm lieb sind. Damit erhält er sich die Freude am Leben. Zufrieden ist er – und verhungert ist er bis heute nicht.





„Auf ein Wort“ vom 23.09.2013                 als Podcast (ca. 1 MB)

Vorurteile

Es war ein langer Tag. Im ICE fahre ich nach Hause. Mir gegenüber sitzt eine junge Frau, 25 vielleicht, dunkles Haar, südländischer Teint. Sie legt einen Stapel Papier vor sich auf den kleinen Tisch. Konzentriert beugt sie sich mit ihrem Stift über ein Arbeitsblatt. Ich werfe einen Blick darauf und lese die Aufgabe, verschiedene Monatsnamen von der Zahl ins Wort zu übertragen, beispielsweise „25.02.“ bedeutet „25. Februar.“ Ein anderer Auftrag besteht darin, von einem Uhr-Zifferblatt die korrekte Zeit abzulesen und sie hinzu­schreiben.

Ist die Frau vielleicht eine von den sieben Millionen Analphabeten in Deutsch­land, die nun als Erwachsene Lesen und Schreiben lernt? frage ich mich. Oder eine Migrantin, die für ihren Deutschtest büffelt?

Als ich kurz vor meinem Bahnhof aufstehe, packt auch sie ihre Sachen zusammen und geht zur Tür. Ich höre, wie sie einer anderen jungen Frau zuruft, die ein paar Reihen weiter sitzt: „Hoffentlich werde ich nach dem Staatsexamen an eine Schule bei mir daheim versetzt. Das Pendeln setzt mir ganz schön zu. Also tschüss dann – bis morgen im Lehrerzimmer!“

Die junge Frau – keine Analphabetin, keine Migrantin, sondern eine Grund­schullehrerin, die Klassenarbeiten korrigiert hat.

Ich muss schmunzeln, weil ich gerade heute mal wieder behauptet hatte: „Vorurteile – hab ich doch nicht…“