Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 05.07.2014                als Podcast (ca. 1 MB)

Schöner warten

Das war knapp! Abgehetzt erreiche ich Punkt acht Uhr den Bahnsteig, gerade noch rechtzeitig zur Abfahrt um 8.02 Uhr. Wann schaffe ich endlich, eher daheim loszugehen? Der Zug muss jeden Augenblick einfahren. Aber er kommt nicht. Schließlich informiert eine Durchsage, dass sich die Ankunft um dreißig Minuten verzögert.

Jetzt habe ich mich so beeilt, nur um hier die nächste halbe Stunde rumzu­stehen! Und nachher muss ich wieder hetzen… Hoffentlich schaff ich es rechtzeitig zur Tagung. Ich bin genervt.

Für Menschen in meiner Lage gibt es seit einiger Zeit eine Smartphone-App namens „Schöner warten“. Einfach die voraussichtliche Wartezeit eintippen, dann erscheint, verfasst von mehr oder weniger bekannten Autoren, eine Auswahl von Texten. Die haben genau die richtige Länge, damit man sie in der angegebenen Zeit lesen kann.

Eine witzige Idee, diese App. Aber auch ohne sie gelingt es mir hin und wie­der, schöner zu warten – auch da auf dem Bahnsteig: Ich nutze die Zeit, um die Menschen um mich herum bewusst wahrzunehmen und ihnen gedanklich etwas Gutes zu wünschen. Für die Geschäftsfrau im Hosenanzug hoffe ich, dass sie einen erfolgreichen Tag hat; dem alten Mann, der nach Pfandfla­schen wühlt, wünsche ich einen Freund; und der schwangeren Frau sage ich in Gedanken „Alles Gute für dich und dein Kind!“.

Meine Stimmung hellt sich auf, das Warten wird tatsächlich ein bisschen schöner.





„Auf ein Wort“ vom 07.07.2014                als Podcast (ca. 1 MB)

Kein Zufall

Ein junges Paar sitzt mir gegenüber. Wir planen die Hochzeit. Die Braut erzählt, warum sie dabei so viel Wert auf einen Gottesdienst legt.

„In der Pubertät war ich sowas von unzufrieden mit mir“, sagt sie. „Ständig hab ich gedacht: ‚Du bist zu dick!‘ Dann habe ich zu essen aufgehört: Mager­sucht. Ich wurde immer dünner und einsamer. Mit siebzehn dachte ich an Selbstmord.“

Zum Glück, so erzählt die Frau weiter, hatte sie damals eine Lehrerin, mit der sie reden konnte. Mit ihrer Hilfe bekam sie einen Platz in einer Klinik. An har­te Wochen dort schloss sich eine anstrengende ambulante Therapie an.

In dieser Zeit lernte sie ihren Freund kennen, der sie so akzeptierte, wie sie war, und sie unterstützte, damit sie durchhielt. Die beiden sind nun sechs Jahre zusammen.

Mit einem „Gott sei Dank“ berichtet die Frau, dass sie mittlerweile geheilt ist – und sie ist überzeugt: Dass die Lehrerin ihr geholfen hat und dass sie ihren Freund getroffen hat, das waren keine Zufälle. Gott hat seine Finger im Spiel gehabt. Er hat ihr diese beiden Menschen geschickt, damit sie nicht kaputt­geht.

„Deshalb“, so schließt die Frau, „will ich kirchlich heiraten. Ich mag Gott für den Schatz danken, den er mir geschenkt hat, und unsere gemeinsame Zukunft in Gottes Hand legen. Die Lehrerin von damals ist übrigens meine Trauzeugin.“





„Auf ein Wort“ vom 09.07.2014                als Podcast (ca. 1 MB)

Echte Schönheit

Aussehen wie ein Topmodel, makellos schön sein wie das Covergirl einer Modezeitschrift: Diesen Traum erfüllte eine amerikanische Internet-Agentur vier ganz normalen Frauen. Eine Profi-Fotografin machte dazu Bilder von jeder Frau und retuschierte anschließend auf den Fotos alle ihre Makel weg: Bei der einen verschwanden die Fältchen um die Augen und am Hals, die andere hatte nun keine Sommersprossen mehr. Üppige Hüften gab es nach der Bildbearbeitung ebenso wenig wie Muttermale oder eine leicht schiefe Nase.

Jede Frau hielt anschließend ein Bild von sich in den Händen, das sie in per­fekter Schönheit zeigte. Alle vier reagierten entsetzt: „Ich mag meine Som­mersprossen, sie geben mir Persönlichkeit. Jetzt, wo sie weg sind… das bin nicht mehr ich!“, sagte eine der Frauen. Eine andere meinte: „Wenn mir alle meine kleinen Unvollkommenheiten genommen werden, bleibt nicht mehr viel von mir selbst übrig.“

Aus diesem Grund hat sich ein Modemagazin in den USA bewusst gegen solche künstliche Schönfärberei entschieden und zeigt seine Models so, wie sie wirklich aussehen. Die Herausgeberin erklärt dazu: „Die Besonderheiten einzelner Frauen, ob es nun Krähenfüße, Sommersprossen oder ein etwas aus der Form geratener Körper ist, sind alles wichtige Aspekte, die zur Schönheit von Frauen beitragen. Und diese sollten wir feiern, anstatt uns für sie zu schämen.“[1]




[1] zitiert nach: http://www.huffingtonpost.de/2014/02/17/buzzfeed-echte-frauen-photoshop_n_4801398.html





 „Auf ein Wort“ vom 11.07.2014                als Podcast (ca. 1 MB)

Rush Hour

Sommer in der Großstadt, Freitag Nachmittag, das Thermometer zeigt 32 Grad. Mein Tag war bisher vollgepackt mit Terminen, jetzt bin ich müde und will ich einfach nur noch heim. Alle anderen wollen offensichtlich dasselbe, denn auf der Straße ist die Hölle los: Auto an Auto, nur mühsam geht es vor­wärts.

Da sehe ich im Rückspiegel, wie hinter mir ein Kleinlastwagen einschert. Ja muss denn der Kerl so auffahren, er sieht doch, dass die vor mir auch nur im Schritttempo fahren! Jetzt hupt er auch noch wie ein Wilder und blendet auf. Ist dem die Hitze in den Kopf gestiegen, oder was?

Ein Stück weiter muss ich links abbiegen. Ich setze den Blinker und warte auf eine Lücke im Gegenverkehr. Da lehnt sich mein Hintermann aus dem Fens­ter und brüllt Beschimpfungen in meine Richtung. Warte nur!, denke ich mir, dich zeig ich an!, und merke mir das Kennzeichen.

Daheim schnaufe ich ein paarmal tief durch. Ich beschließe, doch nicht die Polizei anzurufen; stattdessen nehme ich Verbindung zu Gott auf. Ich bete: „Gott, schau auf mich, wie sauer ich jetzt bin. Und schau auch auf den Typen, der mich grad genervt hat. Segne ihn – vielleicht fährt er dann ja künftig gelassener und rücksichtsvoller.“

Ich weiß, dass das Gebet hilft: Mir auf jeden Fall – und dem Rowdy hoffent­lich auch.





„Auf ein Wort“ vom 13.07.2014                 als Podcast (ca. 1 MB)

Erinnerungen

2409 Fotos habe ich letztes Jahr aus meinem Sommerurlaub mitgebracht. Fotografieren ist eben eine Leidenschaft von mir. So viele Bilder kann ich natürlich niemandem zumuten, dem ich meine Urlaubs-Erinnerungen zeigen will, und so war ich mehrere Stunden damit beschäftigt, zirka 200 Fotos aus­zuwählen, die ich für die aussagekräftigsten und interessantesten halte.

Diese Arbeit könnte ich mir neuerdings sparen: Ein großes Internet- Unter­nehmen bietet seinen Kunden an, ihm einfach alle ihre Urlaubsfotos zu über­lassen; ein spezielles Computerprogramm sortiert die Bilder und entscheidet, welche der festgehaltenen Momente die wichtigsten waren. Dann stellt das Programm ein digitales Fotoalbum zusammen, das der Kunde erhält.

Ich frage mich: Was sind denn für dieses Programm die besten Bilder? Sind es die mit lachenden Gesichtern drauf? Sind es die mit einer markanten Sehenswürdigkeit? Oder sind es die, bei denen Belichtung und Schärfe per­fekt stimmen?

Mit mir macht dieses Unternehmen jedenfalls kein Geschäft. Denn ich habe so manches Foto, das es sicher nicht unter die besten schaffen würde, mir aber ein wertvolles Andenken ist: Beispielsweise das etwas zu dunkel gera­tene Bild eines Straßenmusikers, bei dem ich von seinem wunderbaren Gitar­renspiel erzählen kann.

Ich nehme gern die Zeit in Kauf, meine Urlaubsfotos zum Herzeigen selbst auszuwählen. Meine Erinnerungen sind ein Schatz, den ich hüte – und keiner Maschine anvertraue.