Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 23.06.2006

Weltverbesserer

Träumen Sie auch von einer besseren Welt – von einer Welt, auf der Krieg, Hunger und Armut Fremdwörter sind? Träumen Sie weiter – und setzen Sie alles daran, dass Ihr Traum Wirklichkeit wird!
Ja, Sie haben richtig gehört: Sie können den Traum von einer friedlichen und gerechten Welt wahr werden lassen. Zum Beispiel beim Kaffeetrinken.
Immer mehr Verbraucher achten beim Kaffeekauf auf das „TransFair“-Siegel. TransFair bedeutet: Der Bauer in Nicaragua oder Tansania, der den Kaffee anbaut und erntet, bekommt anstelle eines Hungerlohns eine faire Bezahlung für seine Arbeit. Damit kann er seine Familie ernähren und seine Kinder in die Schule schicken. Umgerechnet zwei Cent mehr kostet eine faire Tasse Kaffee– eine Kleinigkeit für die meisten Kaffeetrinker hierzulande, doch für den Kaffeebauern der Weg aus der Armut.
Außer Kaffee werden auch Tee, Schokolade, Reis, Bananen, Wein und sogar T-Shirts und Fußbälle fair gehandelt – in Eine-Welt-Läden und zunehmend auch in Supermärkten. Schon mit Ihren täglichen Einkäufen können Sie also Ihren Traum von mehr Gerechtigkeit und Frieden wahr werden lassen; denn jedes Mal, wenn ein Mensch der Armut entkommt und in Würde zu leben beginnt, ist ein Schritt zu einer besseren Welt getan.

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 25.06.2006

Wer ist hier behindert?

Den Hans kennt jeder bei uns im Dorf. Und jeder mag ihn. Denn Hans ist freundlich, fleißig und zuverlässig. Man kann die Uhr danach stellen, wann er morgens an der Bushaltestelle aufkreuzt, um zur Arbeit zu fahren. Seine Arbeit nimmt er sehr ernst, und er ist stolz auf seinen Arbeitsplatz. Der befindet sich in einer Werkstatt der Lebenshilfe. Hans ist geistig behindert.
Doch diese Behinderung hindert die Dorfbewohner nicht daran, dem Hans freundlich zu begegnen: junge wie auch ältere Leute grüßen ihn und bleiben auf einen Plausch mit ihm stehen.
Für meine Pfarrei spielt Hans eine tragende Rolle: Er trägt den Lautsprecher bei allen Prozessionen und Freiluft-Gottesdiensten; das schafft er mit links wegen seiner muskulösen Statur, und es bringt ihm Anerkennung und Dank ein.
Auch bei vielen Vereinen hat Hans einen festen Platz: Gibt es etwas zu arbeiten, hilft Hans tatkräftig mit. Und wenn etwas gefeiert wird, gehört Hans selbstverständlich dazu. In einem katholischen Verein ist Hans sogar Vorstandsmitglied.
Als ich die anderen Vorstände dieses Vereins dafür gelobt habe, dass sie Hans als behinderten Menschen so gut integrieren, hat einer von ihnen nur gesagt: „Wissen Sie, Herr Pfarrer, wir spucken nicht gern große Töne, sondern wir tun lieber was für die Leute hier.“
Da sieht man’s wieder: Veränderung erreicht man nicht durch große Worte, sondern durch kleine Taten.

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 27.06.2006

Das Leben geht weiter

Es war eine tragische Beerdigung: eine junge Mutter war bei einem Autounfall ums Leben gekommen; ihr Mann und zwei kleine Kinder stehen weinend und fassungslos am offenen Grab, ebenso ihre Eltern, Freunde, Kollegen, Nachbarn. Worte des Trostes zu finden – schier unmöglich für mich. Alles, was ich zu vermitteln versuche, ist meine christliche Überzeugung: Das Leben der Ehefrau und Mutter ist nicht ausgelöscht durch den Unfall; sie lebt weiter und bleibt ihren Lieben nah, auch wenn sie sie nicht mehr sehen. Doch selbst dieses Wissen kann die Trauernden weder trösten noch ihre Trauer wegnehmen.
Im Anschluss an die Beerdigung war ich zum Kaffeetrinken mit der Familie der Verstorbenen eingeladen. Die dreijährige Maria, das jüngere der beiden Kinder, die eben noch am Grab ihrer Mutter gestanden waren, bleibt nicht lang vor ihrem Kuchenstück sitzen. Sie geht zu Papa, zu Oma und Opa und erzählt ihnen mit ihrem strahlenden Lächeln, was sie vormittags im Kindergarten alles gemacht hat. Die verweinten Augen der Erwachsenen hellen sich auf. Als Maria schließlich eine Tante gefunden hat, die mit ihr Verstecken spielt, sagt der Vater, während das Lachen von Maria aus dem Nebenzimmer dringt: „Sehen Sie, die Maria sagt uns jetzt genau das, was Sie gepredigt haben: Meine Frau lebt weiter. Deswegen werden auch wir hier versuchen, unser Leben wieder in den Griff zu bekommen. Denn das Leben geht weiter – für meine Frau wie auch für uns.“


Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 29.06.2006

Die Sekretärin

Das Klinikum kenne ich wie meine Westentasche, denn ich bin oft hier. Ich habe schon lange kein Problem mehr damit, das Wirrwarr von Gängen, Stationen und Zimmern zu betreten, weil ich regelmäßig die Kranken aus meinen Pfarreien besuche.
Doch dieses Mal fällt mir der Gang ins Klinikum schwer; mit einer gehörigen Portion Angst gehe ich durch die Drehtür. Denn heute komme ich nicht als Besucher, sondern als Patient. Ein nicht ungefährlicher chirurgischer Eingriff steht an. Werde ich dieses Klinikum als gesunder Mensch wieder verlassen? – Diese und viele andere Fragen bohren sich in meinen Kopf.
Die Frau an der Patientenaufnahme schickt mich ins Vorzimmer der Ärztin, die mich operieren wird. Mit einem freundlichen Lächeln bittet mich die Sekretärin der Ärztin herein. Sie erklärt mir geduldig, was der Reihe nach alles auf mich zukommen wird. Sie sagt mir auch, dass die Ärztin Operationen wie in meinem Fall fast täglich vornimmt und bisher immer beste Ergebnisse damit erzielt hat. Und sie bietet mir an, sich für mich um den ganzen Papierkram zu kümmern. „Wenn Sie sonst noch was brauchen“, fügt die Sekretärin hinzu, „dann rufen Sie mich jederzeit an. Ich helfe Ihnen gern.“
Nach der gelungenen Operation bringe ich der Sekretärin einen Blumenstrauß. Denn sie war es, die mit ihrer Freundlichkeit und ihrer Ruhe den größten Brocken Angst von mir genommen hat.

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 01.07.2006

Schönen Sonntag!

„Noch nie in meinem Leben bin ich am Sonntag aufs Feld gefahren“, erzählt mir der alte Landwirt. „Und – schau’n Sie mich an – ich bin deswegen auch nicht verhungert.“
Im Gegenteil: Der alte Mann hat ein schönes Auskommen – und was noch wichtiger ist: er ist zufrieden. Denn den Sonntag hat er sein Leben lang freigehalten, um Zeit für seine große Familie zu haben: Entweder haben sie daheim ausgiebig zu Mittag gegessen und dann geplaudert oder Spiele gemacht, oder sie haben einen kleinen Ausflug unternommen. Zum festen Sonntagsprogramm haben auch der Gottesdienst am Vormittag und der Dämmerschoppen am Abend gehört – und so ist es bis heute geblieben. „Wissen Sie, beim Gottesdienst habe ich Zeit für mich und meinen Herrgott, und beim Dämmerschoppen für meine Freunde“, vertraut mir der Landwirt an.
Zeit für mich, Zeit für Gott, Zeit für meine Familie, Zeit für meine Freunde: Diese Zeit stellt mir der Sonntag zur Verfügung – vorausgesetzt, ich denke wie der alte Landwirt: Auch wenn noch so viel Arbeit ansteht – ein Tag Pause in der Woche muss sein. In meinem eigenen Interesse. Denn durch die Ruhepause am Sonntag erwerbe ich etwas, das ich mit Geld nicht bezahlen kann: Zufriedenheit. Zufriedenheit, weil ich Zeit für mich habe und für Gott, Zeit für meine Familie und Freunde. Diese Zeit gönne ich mir wie der alte Landwirt; und verhungern werde auch ich deswegen garantiert nicht.

Matthias Blaha