Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 12.06.2001

Abgesägt

„Jetzt hau’ ich ihn um, den Krüppel!“ – Stocksauer war ein Bekannter von mir. Wieder mal hat er von seinem Apfelbaum nur eine Handvoll Äpfel geerntet. Und selbst davon waren die meisten wurmig.
„Der bringt’s nicht mehr – jetzt ist er fällig!“
Gesagt, gesägt – und weg war er, der Apfelbaum.
Erst einige Zeit später ist uns aufgefallen: Mit dem Baum ist auch der Schatten verschwunden, in dem wir oft gesessen sind und geplaudert haben. Und die Amselfamilie, die uns mit ihrem Gezwitscher unterhalten hatte, hat sich ebenfalls verpfiffen.
Er bringt’s nicht mehr, also wird er abgesägt – das passiert nicht nur Apfelbäumen.
Der Arbeiter am Band schafft das Soll nicht mehr und wird gemobbt. Die Oma ist krank und vergesslich geworden und wird aufs Abstellgleis geschoben.
Immer wieder begegne ich in der Seelsorge solchen Menschen. Eine alte Frau habe ich monatelang begleitet; sie hat zwar eine Menge Kinder und Enkel, aber niemand kümmert sich um sie. Ich habe viel Zeit mit ihr verbracht. Da ist mir klar geworden: Die kann zwar nicht mehr putzen und kochen oder auf die Kinder aufpassen. Aber sie lacht gern, sie kann wunderbar Geschichten erzählen – und strickt herrlich warme Socken.
Das alles wird auch mit abgesägt, wenn es heißt: „Die bringt’s nicht mehr.“


Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 14.06.2001 (Fronleichnam)

Love Parade

Fast wäre sie heuer geplatzt, die Love Parade in Berlin. Eine Gegendemonstration war schon eher angemeldet – für den selben Termin und die gleiche Strecke. Nun wird die Love Parade eine Woche später als geplant steigen.
Die Liebes-Demo ist umstritten. Doch auch ihre Gegner müssen zugeben: Es ist beeindruckend, wie friedlich diese Veranstaltung abläuft. Hunderttausende von jungen Leuten ziehen zu Techno- und HipHop-Beats durch die Straßen. Party ist angesagt: Abtanzen, abknutschen, abfeiern. Erlaubt ist, was Spaß macht. Trotzdem kommt es kaum zu Exzessen: Schlägereien und Randale sind verpönt. Das Wort „Love“ soll diese Parade anführen.
Heute haben an vielen Orten Demos stattgefunden. Hunderttausende sind durch die Straßen gezogen. Technorhythmen gab es keine, statt dessen Blasmusik. Der Grund dafür: Die Katholiken feiern heute Fronleichnam. Sie tragen den Leib Christi durch ihre Pfarrei. Damit zeigen sie: Gott ist nicht in seine Kirche eingesperrt; Gott ist überall! Er begleitet unseren Alltag, er geht mit uns auf unserem Lebensweg.
Die Christen glauben an einen Gott, der jeden Menschen gern hat. Angeführt von der Liebe Gottes sind sie heute auf die Straße gegangen. Damit demonstrieren sie für die Liebe. Und sie wissen: Mit dem lieben Gott als Begleiter wird das ganze Leben zur Love Parade.


Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 16.06.2001

Der reiche Arme

In Kenia war ich mit dem Fahrrad unterwegs. Abseits der ausgetretenen Touristenpfade, irgendwo im Hochland. Ich komme an einem armseligen Bauernhof vorbei: eine winzige Lehmhütte mit Strohdach, vor der Haustür ein paar Hühner und eine Ziege, und rundherum ein kleines Maisfeld. Das bearbeitet der Bauer gerade mit einer halb kaputten Hacke.
Als er mich bemerkt, winkt er mich zu sich her und fragt: „Wo kommst du her? Was machst du hier in dieser verlassenen Gegend? – Darf ich dich in mein Haus einladen? Komm mit, trinken wir eine Tasse Tee.“ – „Aber du hast eine Menge Arbeit; ich halte dich doch nur auf...“ will ich abwehren. „Die Arbeit läuft mir nicht davon. Aber du bist nur jetzt da. Bei uns in Kenia gibt es das Sprichwort: ‚Mgeni aleta baraka. – Ein Gast bringt Segen.’ Ich würde mich freuen, wenn du mein Gast bist. Hey, du musst unbedingt meine Frau und meine Kinder kennen lernen.“
Eine ganze Stunde lang bin ich mit der Familie in der Lehmhütte gesessen. Wir haben Tee getrunken, geplaudert und gelacht. Als ich mich schließlich verabschiedete, sagte der Bauer zu mir: „Danke!“ – „Für was denn?“ fragte ich verdutzt. „Danke, dass du mein Gast warst.“
„Ich habe dir zu danken...“ – ich steige wieder auf mein Rad.
Armer Bauer? Du bist ein reicher Mann!


Matthias Blaha




„Auf ein Wort“ vom 18.06.2001

Kleine Fische?

„Schon wieder einer vom Anglerverein“, sagt mein Freund etwas spöttisch. Das Auto, das uns gerade überholt, hat ein Fisch-Symbol auf seinem Heck kleben. „Oder ein Stammkunde von der ‚Nordsee’“, schiebt er grinsend nach.
Wir wissen beide, was das Zeichen wirklich bedeutet: Wo ein Fisch drauf ist, ist ein Christ drin.
So lange es Christen gibt, haben sie den Fisch als ihr Erkennungszeichen benutzt. Das ist aus einer Not heraus entstanden: In den ersten vier Jahrhunderten wurden die Christen verfolgt; sie durften sich nicht öffentlich zu ihrem Glauben bekennen. So malten sie einen Fisch an ihre Hauswand.
Diese Geheimschrift signalisierte den christlichen Insidern: Hier wohnt ein Christ! Hier bist du willkommen, hier kannst du dich sicher fühlen. Diese vier Wände geben dir Raum zum Leben; hier darfst du so sein, wie du bist. Hier bist du zu Hause.
Der Fisch war ein gutes Zeichen, ein Hoffnungszeichen für die Menschen auf der Straße.
Das alles ist lange her.
Doch das Fisch-Symbol gibt es immer noch – als Aufkleber, als Schmuckstück oder als Kerzenständer. Grad in den letzten Jahren sind sie wieder in Mode gekommen, die kleinen Fische. Ob auch das, was sie mal bedeutet haben, heute noch „in“ ist?


Matthias Blaha




„Auf ein Wort“ vom 20.06.2001

Der Talisman

Was haben die Diddl-Maus, das Foto von der besten Freundin und der Bayern-München-Schal gemeinsam? – Sie alle bringen Glück. Das behaupten zumindest die Schulkinder, die ich letztes Jahr unterrichtet habe. Immer wenn sie von einer Probe überrascht worden waren, haben sie alle möglichen Glücksbringer aus den Schultaschen geholt. Ob der Talisman was taugt, hat sich ein paar Tage später rausgestellt. „Da hast du’s“, sagt ein Mädel zu ihrem Hintermann, „mit einer Diddl-Maus hättest du auch einen Einser gekriegt. Aber du mit deinem blöden Bayern-Schal...“
Was bringen sie wirklich, die Glücksbringer?
Darüber habe ich dann mit meiner Klasse geredet. Die Einser-Kandidatin habe ich gefragt: „Hast du was gelernt für die Probe?“ – „Klar – hab’ nämlich schon gedacht, dass da was in der Luft liegt.“ „Siehst du, hätte ich dich blank erwischt, hätte dir auch eine Diddl-Maus-Großfamilie nix gebracht.“
„Aber trotzdem“, hakte das Mädchen nach, „trotzdem bringt mir meine Diddl-Maus was. Irgendwie... fühl ich mich sicherer bei der Probe. Ich bin nicht so allein.“
Wir haben dann herausgefunden:
Ein Glücksbringer bringt’s nur dann, wenn ich vorher selber was getan habe.
Wenn ich mich aber auf meinen Talisman verlasse, dann bin ich verlassen.


Matthias Blaha