Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 31.05.2016                als Podcast

Die Welt wird friedlicher

Wir leben derzeit vermutlich in der friedlichsten Epoche seit Bestehen der Menschheit. Dies behauptet der kanadische Psychologie-Professor Steven Pinker in einem Interview mit der Menschenrechtsorganisation „amnesty international“. Er wurde gefragt, wie er zu dieser These komme angesichts von Bürgerkriegen im Nahen Osten, Menschenrechtsverletzungen in Afrika und islamischem Terrorismus mittlerweile auch in Europa.

Seine Antwort: „Zum einen erfuhr ich, dass früher in Stammeskriegen deutlich mehr Menschen starben als in den Kriegen der Moderne, selbst als in den beiden Weltkriegen. Natürlich nicht in absoluten Zahlen, aber in Relation zur Gesamtbevölkerung. Das heißt: Früher war es wahrscheinlicher, im Krieg zu sterben. Zum anderen lernte ich, dass Mordraten in Europa enorm gesunken sind. Die Wahrscheinlichkeit, ermordet zu werden, war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit um ein Vielfaches höher“[1], so Pinker.

Auch andere Formen der Gewalt wie Todesstrafe oder Kindesmissbrauch seien rückläufig. Doch der Professor betont : „Dies geschieht nicht von selbst. Die Welt ist friedlicher geworden, weil sich Menschen in der Vergangenheit erfolgreich dafür eingesetzt haben. Und wir können die Welt noch friedlicher machen.“

Diese Gedanken ermutigen mich, da, wo ich lebe, für den Frieden tätig zu sein und nicht in Resignation zu verfallen, wenn ich wieder eine Nachricht von Terror und Krieg höre. Trotz all dem Schrecklichen, das Tag für Tag geschieht: Die Welt wird friedlicher – und ich bin dabei.



[1] Das ganze Interview ist hier nachzulesen: http://www.amnesty.de/journal/2015/dezember/herr-pinker-rechnet-mit-frieden?





„Auf ein Wort“ vom 02.06.2016               als Podcast

Offene Türen

Ein festlicher Gottesdienst geht zu Ende. Traditionelle Orgelklänge haben sich mit den modernen Rhythmen der Jugendband abgewechselt. Denn Jugendliche standen im Mittelpunkt dieser Feier: Sie haben soeben die Firmung empfangen. Der Priester hat ihnen erklärt, was ihnen die Firmung bringt; er hat gesagt: „Ihr habt jetzt den Heiligen Geist als Kraft Gottes in euch. Er begleitet euch durchs Leben. Er hilft euch, Entscheidungen zu treffen, die für euch und eure Mitmenschen sinnvoll sind. Er gibt euch Energie, Gutes zu tun. Vertraut darauf, dass der Heilige Geist in euch wirkt, dann wird euer Leben gelingen.“

Der Priester weiß, dass einige der Jugendlichen nach ihrer Firmung in diesem Vertrauen ihren Weg weitergehen werden; sie sind als gläubige Christen in der Pfarrjugend oder bei den Ministranten aktiv und immer wieder in der Kirche zu sehen. Ihm ist aber auch klar: Für etliche Firmlinge und ihre Familien wird dieser Gottesdienst für lange Zeit der letzte Berührungspunkt mit Glaube und Kirche sein.

Deshalb sagt der Priester am Schluss der Feier: „Wenn ihr jetzt dann aus der Kirche geht, ist das letzte, was ihr von ihr seht, das geöffnete Portal. Ihr sollt wissen: Die Tür der Kirche steht immer für euch offen. Was auch geschieht in eurem Leben – wenn ihr euch an Gott oder an sein Bodenpersonal wenden wollt, seid ihr herzlich willkommen.“





„Auf ein Wort“ vom 04.06.2016               als Podcast

Wunsch-Zettel

Ich komme von einer anstrengenden Sitzung nach Hause. Erst mal was essen, dann Nachrichten schauen. Aber später sollte ich noch den Beitrag für den Pfarrbrief schreiben – morgen ist Redaktionsschluss. Gerade als ich mich zur Brotzeit hinsetzen will, fällt mir ein: Heute früh habe ich das letzte bisschen Zahnpasta aus der Tube gedrückt! Sicherheitshalber schaue ich gleich im Badschrank nach: keine Zahnpasta mehr zu finden. Es hilft nichts, ich muss noch mal los.

Genervt radle ich zum Drogeriemarkt. Kurz vor Ladenschluss kaufe ich einen ordentlichen Vorrat an Zahnpasta. Beim Hinausgehen bleibt mein Blick an einem knallgrünen Blatt Papier hängen, das am Schwarzen Brett angebracht ist. Darauf steht: Nimm mit, was du gerade brauchst:

Unter diesem Satz sind Abreiß-Zettel beschriftet mit den Worten Hoffnung / Frieden / Harmonie / Ruhe / Leidenschaft.

Das ist ja eine sympathische Idee!, denke ich mir. Die Ruhe fehlt mir momentan, also reiße ich den entsprechenden Zettel ab und nehme ihn mit.

Zuhause hänge ich das grüne Papierstück an die Pinnwand im Arbeitszimmer. Es erinnert mich daran, dass ich den Menschen, denen ich begegne, gebe, was sie wirklich brauchen – und dass ich mich dabei selber nicht zu kurz kommen lasse.

Deshalb beschließe ich: Der Pfarrbrief-Artikel hat bis morgen Zeit. Heute Abend bin ich dran. Also: Ab aufs Sofa!






 „Auf ein Wort“ vom 06.06.2016               als Podcast

Dem Glück auf der Spur

Vor kurzem machte sich eine Zeitschrift auf die Spurensuche nach dem Glück. Ein Redakteur wertete Fotos aus, die auf der Internet-Plattform Instagram veröffentlicht und mit der Beschriftung „#glücklich“ versehen wurden. Er fand – natürlich – zahlreiche Bilder von verliebten Paaren sowie von lachenden Kindern. Viele Fotos zeigten Urlaubsmotive: Sonnenuntergang am Meeresufer, Pizza und Wein vor Toskana-Kulisse. Und auch ein Brief, der mitteilt, dass die Prüfung bestanden ist, macht „#glücklich“.

Der Redakteur recherchierte, welche Personen die meisten „#glücklich“-Fotos veröffentlichten, und besuchte einige von ihnen. Ihm fiel auf: Diese Leute fotografierten hauptsächlich Motive aus ihrem Alltag, die sie glücklich machen: Den Schokoriegel, den Roman, den Blumenstrauß im Wohnzimmer, den verschneiten Waldweg.

Eine Frau sagte im Gespräch mit dem Redakteur: „Man hat im Alltag so wenig Ehrfurchtsmomente – Momente, in denen man einfach nur stehen bleibt und staunt.“[1]

Ehrfurchtsmomente: Dieser Begriff, den die Frau verwendet hat, gefällt mir. Er zeigt mir, dass ich das, was mein Leben schön macht, Tag für Tag vor Augen habe. Wenn ich es nicht als selbstverständlich ansehe, sondern einen Moment innehalte und darüber staune, gehe ich dankbarer durchs Leben.

Ich nehme mir in dieser Woche vor, meinem Alltag mehr solcher „Ehrfurchtsmomente“ abzugewinnen – und ich freue mich darauf, die Spuren des Glücks in meinem Leben umso deutlicher zu sehen.



[1] Quelle: http://www.zeit.de/karriere/beruf/2016-08/gehalt-geld-glueck-zufriedenheit-einkommen/komplettansicht





„Auf ein Wort“ vom 08.06.2016                als Podcast

Breaking News

Ich bin mit dem Auto unterwegs. Beschwingte Melodien aus dem Radio begleiten mich. Plötzlich stoppt das laufende Programm für eine Eilmeldung: Hans-Dietrich Genscher ist tot! Er ist mit 89 Jahren einem Kreislauf-Versagen erlegen. Auf diese Nachricht folgt ein getragenes Musikstück; danach höre ich von den wichtigsten Stationen aus Genschers Leben, begleitet von Originaltönen.

Solche Eilmeldungen werden im Englischen „Breaking News“ genannt, also Neuigkeiten, die so wichtig sind, dass sie das normale Programm durchbrechen.

In der Bibel ist eine Neuigkeit zu lesen, die auch das Format von „Breaking News“ hat; Jesus sagt zu seinen Freunden: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ (Joh 13,34)

Dieses neue Gebot durchbrach das Programm, das zur Zeit Jesu in zahlreichen Varianten lief: Der eine provoziert, der andere schlägt zurück – ob mit Worten oder anderen Waffen. Eine Gewalttat schreit nach Vergeltung. Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht.

Liebt einander, wie ich euch geliebt habe: „Breaking News“ sind das auch für die heutige Zeit. Wer auf Hass verzichtet, wer die Würde des Mitmenschen achtet und respektvoll mit ihm umgeht, durchbricht den Kreislauf der Gewalt. Und er trägt dazu bei, dass das Programm, das in der Welt läuft, ein bisschen mehr nach Liebe klingt.