Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 16.05.2005 (Pfingstmontag)

Nur ein Witz

Kindergarten-Wandertag im Hochsommer. Weil es so heiß ist, springen die Kinder so, wie Gott sie geschaffen hat, in einen Weiher, an dem sie vorbeikommen. Als sie aus dem Wasser steigen, schaut der kleine Max zuerst an sich herunter und dann an seiner Freundin Lisa, von der er weiß, dass ihre Familie in eine andere Kirche geht. „Also das hätt’ ich nicht gedacht“, sinniert er, „dass doch soo viel Unterschied ist zwischen katholisch und evangelisch.“
Die Unterschiede zwischen den einzelnen christlichen Kirchen standen jahrhundertelang im Vordergrund; oft wurde dabei eine wichtige Wahrheit übersehen, die in dem Witz steckt: Mann und Frau sind zwar unterschiedlich, doch was sie vor allem anderen verbindet, ist das gemeinsame Mensch-Sein. Ähnlich ist auch das gemeinsame Christsein grundlegender und wesentlicher als die Unterscheidung in katholisch, evangelisch, orthodox oder sonst etwas.
Das Pfingstfest erinnert an den Anfang der christlichen Kirche; damals war sie wirklich noch eine: verschiedenste Sprachen, Kulturen und Meinungen hatten Platz in ihr. Ich träume von einem neuen Pfingsten für unsere vielen christlichen Kirchen: Dass alle, die sich Christen nennen, sich gegenseitig respektieren und verstehen und miteinander Gottesdienst feiern – im Wissen um den Namen Jesu Christi, der sie alle verbindet. Dagegen erscheint so mancher Unterschied wirklich wie ein Witz...

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 18.05.2005

Brief an Gott

Die Katze miaut. „Anscheinend möchten Sie einen Brief schreiben“, sagt sie. „Brauchen Sie Hilfe?“
Das putzige Tierchen lebt auf meinem Computer-Bildschirm und begleitet mich durch mein Textverarbeitungsprogramm. Pflegeleicht ist diese Katze: sie braucht nur ein paar Kilobyte Speicherplatz, und wenn ich das Programm schließe, ist sie wieder weg.
Doch jetzt ist sie da, miaut – und ich protestiere: „Ich will doch gar keinen Brief schreiben“, sage ich halblaut. Ich bin gerade dabei, ein Gebet für den Jugendgottesdienst zu entwerfen.
Ein Brief und ein Gebet – so unterschiedlich sind die beiden gar nicht: Brief wie auch Gebet dienen dazu, mit jemand in Kontakt zu treten, den man kennt, den man aber gerade nicht persönlich sieht. Und Brief – wie auch Gebet – sind nicht leicht zu formulieren. Kommt das richtig beim anderen an? Ist es höflich, aber auch deutlich genug?
Also liegt die Katze auf dem Bildschirm doch nicht so falsch: Ein Gebet ist ähnlich wie ein Brief, nur dass es keinen menschlichen, sondern einen göttlichen Adressaten hat.
Und so lasse ich mir helfen – und zwar vom guten Rat meiner Mutter, die mich als Kind zum Briefschreiben ermuntert hat: „Schreib einfach, wie dir der Schnabel gewachsen ist; dein Freund versteht dich schon.“ Das tu ich und tippe mein Gebet. Gott, mein Freund, wird’s schon verstehen.

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 20.05.2005

Gästezimmer

Mein Bruder stutzt. Schon öfter hat er mich in meinem Pfarrhaus besucht. Das Hinweisschild ganz in der Nähe sticht ihm heute zum ersten Mal ins Auge.
„Gästezimmer“ ist darauf zu lesen – wer hier Unterkunft sucht, wird in ein Wirtshaus am Ort eingeladen.
„Bei uns daheim steht meistens ,Fremdenzimmer’ auf solchen Schildern“, erklärt mein Bruder. „Gästezimmer klingt da viel einladender: Du bist jetzt nicht mehr fremd hier, du bist Gast. ,Gästezimmer’ – find ich sympathisch.“
Mein Bruder ist beruflich viel unterwegs und oft in der Situation, fremd zu sein. Gerade deshalb schätzt er es, als Gast angesehen und behandelt zu werden. Bei dem Eigentümer des Schildes – und des Wirtshauses – würde er sich wohl fühlen, denn der sagt: „Mir ist wichtig, dass der Gast sich bei mir daheim fühlt, dass er merkt: ich gehör hier dazu, ich bin hier gern gesehen. Was ich dafür tun kann, tu ich gern.“
Fremde als Gäste behandeln – dies ist nicht nur die Tugend der Wirte, sondern steht jedem Christen gut an. Eine Ermutigung, gastfreundlich zu sein, hat sogar Eingang in die Bibel gefunden; im Hebräerbrief ist zu lesen: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ (Hebr 13,2)

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 22.05.2005

Bitte wenden

„Bitte wenden“ empfiehlt die Frauenstimme aus dem Autolautsprecher. Die Dame wohnt in der Mittelkonsole und arbeitet als elektronische Copilotin. Sie orientiert sich an den Sternen – an künstlichen Sternen, Satelliten genannt. Somit weiß sie genau, wo das Auto sich befindet und sagt den richtigen Weg. Wenn der Fahrer mal die falsche Abzweigung erwischt, fordert sie ihn zum Wenden auf, damit er ans Ziel kommt.
In Zeiten, als es noch keine Navigationssysteme gab, auch keine Landkarten oder Wegweiser, haben die Menschen bereits etwas Ähnliches getan wie ein Navigationssystem: Sie haben sich an den Sternen orientiert – allerdings an den „echten“ Sternen. Mit dieser Hilfe haben sie ihr Ziel gefunden.
Wer außer auf den Straßen dieser Erde auch auf dem Weg seines Lebens ans Ziel kommen will, braucht gleichermaßen Orientierung – und findet sie in einer Weisung der Bibel: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst! Kein Mensch schafft es, vollkommen nach diesem Gebot zu leben – wie die Sterne ist es unerreichbar; doch wie die Sterne zeigt es einen Weg, der zum Ziel führt – zu einem Leben in Zufriedenheit mit sich und in Frieden mit anderen.
Liebe Gott, liebe deine Mitmenschen, liebe dich selbst! – ans Ziel des Lebens kommt, wer sich daran orientiert und sich auch mal sagen lässt: Bitte wenden!

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 24.05.2005

Hand in Hand

Der vierjährige Florian geht gern in die Kirche. Und er sagt auch, warum: „Ein ganz alter Mann hat mir mal die Hand gegeben. Dazu ist er extra aus seiner Bank raus! Ob er wohl heute wieder da ist?“
Florians Mutter erzählt, diese Erfahrung sei für ihren Sohn ein Schlüsselerlebnis gewesen. Seither setzt er „Kirche“ mit der Geste des Händereichens bei Vater unser und Friedensgruß gleich. Weil er Hand in Hand mit Leuten stehen kann, die er noch nicht kennt, lässt Florian kaum einen Gottesdienst aus.
Florian hat Kirche erfahren als einen Ort, der unterschiedliche Menschen miteinander verbindet und in Beziehung bringt.
Auch für viele Jugendliche und Erwachsene ist Kirche vor allem dann attraktiv, wenn sie Gemeinschaft ermöglicht – nicht nur in Gottesdiensten. Deswegen feiern die vier Orte meiner beiden Pfarreien jedes Jahr ein großes Fest miteinander; deswegen bin ich auch heuer wieder mit fünfzig Pfarrangehörigen von sieben bis siebzig Jahren eine Woche unterwegs gewesen. Und ich bin dankbar, wenn ich sehe: Menschen, die bisher kaum was miteinander zu tun gehabt haben, lernen sich kennen und kommen sich näher. Jung und alt verstehen sich, feiern und lachen gemeinsam. Hand in Hand gehen sie – in die Zukunft der Kirche.

Matthias Blaha