Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



Meine Predigten

Gottesdienste

Bibel-Projekte

Das bin ich


Kontakt

Impressum

Links

Gedichte


Segensworte


Startseite




„Auf ein Wort“ vom 11.05.2003 (Muttertag)

Muttertag ist jeden Tag

Die alte, schwer kranke Frau besuche ich regelmäßig, um ihr die Kommunion zu bringen. Das erste Mal, wie ich sie in ihrem Bett gesehen habe, wollte ich sie grad bemitleiden, als sie mich anstrahlt: „Herr Pfarrer, mir geht’s ja so gut! Ich danke meinem Herrgott für jeden Tag, den ich erleben darf!“ Sie hat mir verraten, was der Grund für ihre Lebensfreude ist – trotz ihrer schweren Krankheit: Sie wohnt bei ihrer Tochter und ihrem Mann und wird von beiden liebevoll gepflegt. Die Tochter hat sogar ihren Beruf an den Nagel gehängt, um mehr Zeit zu haben für die kranke Mutter. Und so bekommt die nicht nur was zum Essen und sauberes Bettzeug; jeden Tag liest ihr die Tochter aus der Zeitung vor und hört sich ihre Geschichten von früher an. Und wenn die Enkel und Urenkel mal zu Besuch kommen, so hat die alte Frau erzählt, „dann ha’m wir a Mords-Gaudi miteinander“.
Nach dem Gespräch hat mich die Tochter zu Tür begleitet. „Bewundernswert, was Sie da leisten!“, habe ich gesagt. „Wissen Sie“, hat die Frau geantwortet, „als wir klein waren, waren unsere Eltern immer für uns da. Und jetzt, wo die Eltern alt sind, machen wir’s halt umgekehrt.“
Die alte, kranke Frau – glücklich ist sie im Haus ihrer Tochter. Für sie ist jeden Tag Muttertag.


Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 13.05.2003

Titel, die wirklich zählen

Er kommt viel mit Leuten zusammen. Auch mit solchen, die ihn nicht kennen. Für gewöhnlich stellt er sich dann so vor: „Ich heiße Albert Meier und bin an der Uni beschäftigt.“
Trifft er eine Hausfrau, dann interessiert sich Albert Meier für ihren Alltag: Wie sie das hinkriegt mit Kochen, Putzen, Waschen für Ehemann und drei Kinder. Alle Achtung!, sagt er zu ihr. Was Sie alles können! Das sagt er nicht nur, das meint er auch so.
Und so begegnet er jedem Menschen – mit Respekt, mit Interesse, mit Hochachtung.
Komme ich in das Haus von Albert Meier, dann nimmt er mir erst mal die Jacke ab und führt mich in sein Wohnzimmer. Kann ich dir irgendwas anbieten?“ fragt er mich, und „Wie geht’s dir denn?“. Das ist keine höfliche Floskel, sondern er interessiert sich wirklich für die Höhen und Tiefen meines Pfarrer-Alltags. Auch dann, wenn ich ihn grad von seiner Arbeit am Schreibtisch weggerissen habe. Denn er ist ja an der Uni beschäftigt.
Albert Meier ist Professor. Doch seinen Doktor- und Professoren-Titel erwähnt er von sich aus nie.
Albert Meier ist überzeugt:
„Titel, die wirklich zählen, sind nicht die, die man vor seinen Namen stellt, sondern die, die man im Herzen trägt.“

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 15.05.2003

Zerstörte Welten

Vor zwei Jahren war ich in meinem Urlaub in Washington. Das dortige Vietnam-Denkmal hat mich tief erschüttert: Eine schwarze Marmorwand, mehrere Meter hoch und gut hundert Meter lang, dicht beschrieben mit Tausenden von Namen. Die Namen gehören amerikanischen Soldaten, die im Vietnam-Krieg gefallen sind. Jeder einzelne Name steht für ein ausgelöschtes Leben – und für unsagbares Leid all derer, die um den Gefallenen trauern.
Nicht weit von diesem Denkmal, im Weißen Haus, ist vor genau acht Wochen beschlossen worden, im Irak Krieg zu führen. Die Bomben haben Paläste, Kasernen und Wohnhäuser zerstört – und noch viel mehr: Mit jedem einzelnen Leben, das ausgelöscht wurde – auf welcher Seite auch immer – ist eine ganze Welt zusammengebrochen: für Eltern, Verwandte, Freunde.
Irgendwann werden die zerstörten Städte im Irak wieder aufgebaut sein. Irgendwann werden die Regierungen den getöteten Soldaten und Zivilisten ein Denkmal setzen. Doch die zerstörten Welten derer, die um einen Kriegstoten trauern, kann niemand wieder instand setzen – auch kein Präsident.
Militärisch mag ein Krieg zum Sieg führen. Menschlich ist er immer eine Niederlage.


Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 17.05.2002

Pfüat Gott!

„Pfüat di!“ sagt das Kind zu mir, und seine Mutter verabschiedet sich mit „Pfüat Gott, Herr Pfarrer!“. In unserer ländlichen Gegend höre ich diesen altbayerischen Gruß immer wieder. Übertragen ins Hochdeutsche, bedeutet Pfüat di oder Pfüat Gott: Behüte dich Gott.
Pfüat Gott – das ist mehr als ein Gruß. Pfüat Gott ist der Wunsch: Geh deine Wege im Bewusstsein, dass Gott dich behütet. Du darfst dir sicher sein: Egal, wo du bist; egal, was du tust – du bist nicht allein. Da ist einer bei dir, der auf dich acht gibt, nicht als Aufpasser oder Anstandswauwau, sondern als Freund.
Wer sich mit „Pfüat Gott“ verabschiedet, sagt dem anderen: Mein Freund, hier trennen sich unsere Wege. Ich kann nun nicht mehr bei dir sein. Doch ein anderer Freund, Gott, geht mit dir weiter. Ich vertrau dich seinem Schutz an, damit es dir gut geht, bis wir uns wiedersehen.
Ich habe mir angewöhnt, mich mit „Pfüat di“ oder „Pfüat Gott“ zu verabschieden. Denn Pfüat Gott ist mehr als ein Gruß – Pfüat Gott ist ein Segenswunsch. Und den gönne ich meinen Freunden – und allen anderen. Pfüat Gott!

Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 19.05.2003

Die Tankstelle

Ein kleines Dorf meiner Pfarrei liegt direkt an der Hauptverkehrsstraße in die Großstadt. Deswegen gibt es dort eine Tankstelle. Ein Familienbetrieb. Die Nachkommen haben sich mehr aufs Autoreparieren verlegt, und so steht meist die Oma hinter dem Zahltisch der Tankstelle.
„Ja grüß Gott, Herr Pfarrer! Schön, dass Sie wieder mal reinschauen!“ – An diese Begrüßung schließt sich meistens ein längerer Ratsch an. Die Senior-Chefin ist immer sehr interessiert, wie es mir geht, ob ich grad viel Stress habe oder wohin ich unterwegs bin. Und sie hat selber viel zu erzählen: Über das letzte Spiel vom örtlichen Fußballclub weiß sie ebenso gut Bescheid wie über die Beschlüsse der Marktratssitzung. Manchmal macht sie eine Anmerkung zu meiner Predigt oder einen Vorschlag für den nächsten Seniorennachmittag. Auch eine Anekdote aus ihrem Leben oder ein Lob hat sie immer wieder für mich parat.
Übrigens nicht nur für mich. Der Biker in Lederkluft bekommt an dieser Tankstelle ebenso ein freundliches Wort wie der Fremde, der hier anhält. Und die jungen Leute aus dem Ort finden: „Da ist das Tanken einfach cool.“
Schön, dass es sie gibt: die Tank-Stelle für Motor und Mensch.

Matthias Blaha