Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 25.03.2015                als Podcast (ca. 1 MB)

liebevoll

Ich nehme mir ein paar Tage Auszeit und besuche die Stadt Mainz. In der Fußgängerzone fällt mir an einer Straßenlampe ein knallroter Aufkleber auf. „liebevoll“ ist darauf in geschwungener weißer Schrift zu lesen. Grundsätzlich stört mich dieser Unfug, den öffentlichen Raum mit irgendwelchen Aufklebern zuzupflastern, aber heute mache ich mal eine Ausnahme. Denn das rot-wei­ße „liebevoll“ vermittelt mir im Gegensatz zu den meisten anderen Stickern wenigstens eine sinnvolle Botschaft: Versuche, liebevoll zu leben!

Ich nehme mir den Hinweis gleich zu Herzen und mache mich daran, das Geschehen in der Fußgängerzone mit einem liebevollen Blick zu betrachten. So freue ich mich über das Lachen zweier Mädchen, die miteinander Faxen machen. Ich sehe ein junges Paar, das eng aneinandergeschmiegt die Ehe­ringe im Schaufenster begutachtet, und wünsche den beiden in meinen Gedanken viel Glück. Und der Straßenmusiker bekommt heute mal ein paar Münzen in seinen Geigenkasten.

Bevor ich meinen Spaziergang beende, kehre ich noch einmal zu der Stra­ßenlampe mit dem „liebevoll“-Aufkleber zurück. Ich bin dankbar, ihn entdeckt zu haben, denn dieser kleine Impuls hat meinen Tag verschönert. Damit ich mich auch zuhause, wenn mich der Alltag wiederhat, daran erinnere, mache ich ein Foto von dem Aufkleber.

Schau dein Leben und deine Welt liebevoll an! Dieser Hinweis ist für mich ein besonders schönes Souvenir aus Mainz.





„Auf ein Wort“ vom 27.03.2015               als Podcast (ca. 1 MB)

Gebrauchsspuren

Mein Esszimmertisch begleitet mich schon viele Jahre. Ich habe ihn für meine erste eigene Wohnung gekauft und seither x-mal mit umgezogen. Die Tisch­platte ist aus geölter Fichte; man sieht ihr die Jahre an. Eine tellergroße Flä­che ist heller als der Rest; da habe ich mal ein zu scharfes Putzmittel verwen­det beim Versuch, irgendein klebriges Zeugs wegzuwischen. Im Holz sind etliche Scharten; Flecken von Rotwein und Kaffee gehen nicht mehr raus.

Vor kurzem war ein Bekannter zu Besuch, er gab mir den Tipp: „Lass die Tischplatte doch abschleifen und neu einölen! Dann schaut sie wieder aus wie neu.“

Ich habe darüber nachgedacht, mich dann aber dagegen entschieden. Denn die Gebrauchsspuren an meinem Esszimmertisch wecken in mir Erinnerun­gen an liebe Menschen, mit denen ich hier gesessen bin, mit denen ich gegessen und getrunken, gelacht, diskutiert und auch so manches Problem besprochen habe. Mein Tisch ist mir wertvoll, weil er so viel zu erzählen hat.

Aus dem gleichen Grund besuche ich gern alte Menschen in meiner Pfarrei. Ich sehe markante, vom Leben gezeichnete Gesichter. Sie erzählen mir vom Irrsinn des Krieges, vom fleißigen Arbeiten für die Familie, vom Stolz auf Kin­der und Enkel, von Gebrechen des Alters, von Enttäuschung oder Zufrieden­heit.

Die Gebrauchsspuren des Lebens lehren mich Hochachtung vor alten Men­schen mit ihrem Reichtum an Lebenserfahrung und Weisheit.





„Auf ein Wort“ vom 29.03.2015                als Podcast (ca. 1 MB)

Lass mich dein Esel sein, Christus!

Manche Familien haben heute Vormittag den „Palmesel“ gekürt: Wer am Palmsonntag als Letzter aufsteht, wird nach diesem alten Brauch den ganzen Tag über „Palmesel“ genannt.

Der Esel ist aber mehr als ein spöttischer Titel für Langschläfer; er spielt eine Hauptrolle in dem Geschehen, an das die Christen sich heute in den Gottes­diensten erinnert haben. Jesus kommt nach Jerusalem, und unzählige An­hänger bereiten ihm einen triumphalen Empfang. Als Zeichen ihrer Begeiste­rung winken sie Jesus mit Palmzweigen zu; der reitet auf einem Esel, dem Nutztier der kleinen Leute. Als Reittier trägt der Esel nicht nur Jesus, sondern auch dessen Botschaft: Jesus übt nicht Macht aus, sondern dient gerade denen, die sonst kleingemacht werden. In großer Geduld erzählt Jesus den Menschen, dass Gott sie liebt, und wenn er Unrecht geschehen sieht, kann er richtig störrisch werden.

Mit Blick auf den Esel des Palmsonntags formulierte der brasilianische Erz­bischof Dom Hélder Câmara, der sich besonders für die Armen seines Lan­des einsetzte, dieses Gebet:

Herr, lass mich dein Esel sein, auf dem du zu den Menschen kommst. Gib mir die Genügsamkeit und Eselsgeduld, die Kraft zum Tragen und auch die Sturheit, die ich brauche, um Träger deiner Liebe in einer Welt des Hasses zu sein. Lass mich dein Esel sein, Christus, dass ich dich zu anderen trage!






 „Auf ein Wort“ vom 31.03.2015               als Podcast (ca. 1 MB)

Permadeath

Klaus liebt Computerspiele – vor allem die, in denen ein Held Abenteuer in verschiedenen Episoden zu bestehen hat. Stürzt sein Held in einen Abgrund oder wird er von einem Monster gefressen, ist das zwar ärgerlich, aber nicht weiter schlimm: Er hat ja noch vier Leben, und mit jeder erfolgreich abge­schlossenen Episode kommt ein weiteres Leben dazu.

Das ist manchen Spielern zu langweilig, erzählt Klaus. Deshalb gibt es seit kurzem Computerspiele mit „Permadeath“. Permanenter Tod heißt „Perma­death“ auf Deutsch und bedeutet: Wenn der Held des Spieles stirbt, ist es endgültig aus mit ihm; er hat nicht mehrere Leben, sondern nur eines. Spiel­züge können nicht einfach ungeschehen gemacht werden, ein „zurück auf null“ gibt es nicht. Mit dem Tod des Helden ist das Spiel definitiv zu Ende. „Fast wie im richtigen Leben“, sagt Klaus.

Klaus hat recht. Ich habe nur dieses eine Leben, und ich habe die Aufgabe, etwas draus zu machen. Der Jesuitenpater Alfred Delp schreibt dazu: „Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Liebe und Güte, ein wenig mehr Licht und Wahrheit in der Welt war, dann hat sein Leben einen Sinn gehabt.“

Ich will hinzufügen: Wenn dann die letzte Episode zu Ende ist, wartet im rich­tigen Leben nicht der „Permadeath“, sondern „Permalife“ – ewiges Leben in einer himmlischen Welt.





„Auf ein Wort“ vom 02.04.2015                als Podcast (ca. 1 MB)

"Leid ist Gnade"?

Ich betrete das Krankenhaus, um eine Frau aus meiner Pfarrei zu besuchen. In der Eingangshalle fällt mein Blick auf einen Satz, der in kunstvollen Buch­staben an die Wand gemalt ist: „Leid ist Gnade.“ Ich stutze. Wie soll denn Leid eine Gnade sein? Gnade verstehe ich als Geschenk Gottes, und ich habe das Wort Jesu im Ohr, dass Gott nichts Böses und Schlechtes ver­schenkt, sondern ausschließlich Gutes. An einen Gott, der den Menschen Leid schickt, mag ich nicht glauben.

Als ich dann bei der Frau im Krankenzimmer sitze, erzählt sie mir, wie gern sie Lehrerin ist, und wie erschüttert sie war, als sie im vergangenen Jahr die Diagnose „Darmkrebs“ erhielt. Die Frau berichtet von der Operation und davon, dass nun wieder ein Tumor entdeckt wurde. Und sie sagt mir: „Seit ich weiß, dass ich Krebs habe, danke ich Gott für jeden Tag, den ich erlebe. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie, und ich freue mich noch mehr als bis­her an meinem Garten. Jetzt hoffe ich, dass die Operation gut verläuft, damit ich bald wieder zuhause bin.“

Durch diese Begegnung ist mir wieder einmal bewusst geworden: Gott schickt den Menschen kein Leid, doch es ist ein Geschenk Gottes, wenn der Mensch die Kraft findet, sich dem Leid zu stellen. Leid ist keine Gnade, aber der Umgang mit dem Leid sehr wohl.