Palme

Die Frohe Botschaft für Leute von heute



Predigten, Gottesdienst-Entwürfe, Bibel-Projekte und Segensworte
von Pfarrer Matthias Blaha



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„Auf ein Wort“ vom 10.02.2002 (Faschingssonntag)

Seelischer Stuhlgang

Schweinshaxn und Semmelknödel sind Josefs Leibspeise. Aber eine Woche im Jahr lebt er nur von Gemüsebrühe. Josef macht Heilfasten. „Täglich nimmt mein Körper Gift und Schadstoffe auf“, sagt er. „Die müssen einmal im Jahr wieder raus. Das tut mir richtig gut. Nachher fühl ich mich viel fitter!“
Heute ist Fasching und nicht Fastenzeit. Cocktails sind angesagt, nicht Glaubersalz.
Und trotzdem nutzen gerade die Faschingsnarren die närrischen Tage für eine Entschlackungskur. In Büttenreden und bei Faschingsbällen ziehen sie Politiker und Chefs durch den Kakao. Was sich übers Jahr an Frust angesammelt hat, lassen sie jetzt raus. Jetzt dürfen sie das sagen, was ihnen stinkt. Und zwar, ohne dass sie dafür eine Abmahnung oder eine Anzeige bekommen. Denn die Angesprochenen fühlen sich nicht beleidigt, sondern verulkt. Manche können über sich selbst lachen. Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass der eine oder die andere den Wink mit der Narrenkappe beherzigt hat...
Unser Diakon hat heute Vormittag im Gottesdienst nicht gepredigt. Statt dessen hat er eine Büttenrede gehalten. Er ist ein paar Sachen losgeworden, die ihm nicht passen. Ich habe herzhaft gelacht, ebenso die anderen Leute in der Kirche – und ihm hat dieser seelische Stuhlgang gut getan.


Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 14.02.2002 (Valentinstag)

Der Festtag der Liebe

Verliebte auf der ganzen Welt haben sich heute Blumen geschenkt. Denn heute ist Valentinstag.
Schon seit mehr als zweitausend Jahren ist der 14. Februar der Festtag der Liebe. Angefangen haben damit die Römer. Sie verehrten an diesem Tag die Göttin Juno, die Ehefrau des höchsten Gottes Jupiter. Die normal sterblichen Ehefrauen bekamen von der Ehre der Göttin ein bisschen was ab: Blumen von ihrem Göttergatten.
Die Christen wollten das Fest beibehalten, aber sie konnten mit der Göttin nichts anfangen. So haben sie einen Gedenktag für den heiligen Bischof Valentin draus gemacht. Er soll im zweiten Jahrhundert gelebt haben. Der Legende nach hat er heimlich Liebespaare verheiratet, die nach damaligem Recht nicht zusammensein hätten dürfen: einen Bürger und eine Sklavin beispielsweise, oder Kinder verfeindeter Familien.
Viele bezweifeln, ob es diesen Valentin wirklich gegeben hat. Aber das ist auch gar nicht wichtig. Ebenso ist es egal, ob Verliebte sich heute Blumen geschenkt haben.
Die Hauptsache ist doch, dass sie sich zeigen: Ich hab dich lieb!, dass sie einen Festtag der Liebe feiern – jedes Jahr am Valentinstag. Und auch mal zwischendurch...


Matthias Blaha



„Auf ein Wort“ vom 16.02.2002

Gute Zeiten – schlechte Zeiten

Gute Zeiten, schlechte Zeiten – GZSZ ist Kult. Mehr als zweitausend Folgen sind schon über die Fernsehschirme geflimmert. Zu sehen gibt es eigentlich nichts Besonderes: Liebe und Trennung, Glück und Zwist in der Familie, Erfolg und Ärger im Beruf – Menschen wie du und ich im Auf und Ab des Alltags. Doch gerade das kommt an. Viele Zuschauer finden sich in dem wieder, was in GZSZ geschieht. Jede Lebensgeschichte kennt gute und schlechte Zeiten.
Schlechte Zeiten können lästig und lähmend sein. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich habe gedacht: „Aus dem Sumpf komm ich nie wieder raus!“ Ich habe nur mehr schwarz gesehen. Ich habe geglaubt, ich bin der große Verlierer. Am liebsten hätte ich alles hingeschmissen.
Was tun, um in schlechten Zeiten nicht zu verzweifeln?
Ein Bekannter hat mir einen Tipp gegeben: „Leg dir ein Tagebuch an. Nimm dir jeden Abend zehn Minuten Zeit und überleg dir: Wofür kann ich heute dankbar sein? Und das schreib in dein Tagebuch. Wenn du mal verzweifelt bist, nimm es her und blättere darin. Schwarz auf weiß siehst du das Schöne, das du schon erlebt hast. Wenn du um die guten Zeiten weißt, kannst du die schlechten Zeiten meistern.“


Matthias Blaha




„Auf ein Wort“ vom 18.02.2002

Es wäre so einfach...

Der Moslem hat seine Schuhe ausgezogen, den Gebetsteppich ausgerollt und wendet sich jetzt Richtung Mekka. Er betet zu Allah. Keine fünf Meter weiter sitze ich und bete – zu meinem christlichen Gott.
Wir beide haben uns zufällig getroffen: Im Gebetsraum des Internationalen Flughafens von Washington.
Nur eine Marmorschwelle trennt den muslimischen vom christlichen Bereich. Die Moslems finden in ihrer Hälfte Gebetsteppiche, einige Ausgaben des Koran und einen grünen Pfeil, der nach Mekka zeigt. Für die Christen sind Kirchenbänke und ein Altar aufgestellt; Bibeln und Gesangbücher liegen bereit.
Nach und nach füllen sich die Kirchenbänke.
Punkt achtzehn Uhr betritt ein Priester den Raum und feiert die Messe mit uns. Er redet mit gedämpfter Stimme, um den Moslem nicht zu stören. Der geht, als der mit seinem Gebet fertig ist, und nickt uns freundlich zu. Morgen um die gleiche Zeit predigt hier ein Baptistenpfarrer, und übermorgen leitet ein Imam das islamische Freitagsgebet.
Mein Flug wird aufgerufen. Ich danke Gott für die vergangene Urlaubswoche, und ich bitte ihn um eine gute Reise. Vor allem aber danke ich Gott, dass es diesen Gebetsraum gibt. Und ich denke mir: So einfach wär’s...


Matthias Blaha




„Auf ein Wort“ vom 20.02.2002

Teil-Zeit

Der Gong läutet die fünfte Unterrichtsstunde ein; die letzte Stunde für heute. Die Drittklässler freuen sich jetzt schon auf ihr Mittagessen.
Aber davor haben sie noch Religion.
Statt Arbeitsblätter hole ich heute ein Baguette aus meiner Tasche. Ich setze mich auf das Pult, reiße genüsslich ein Stückchen Weißbrot ab und stecke es mir in den Mund. Mit einem Mal heften sich siebenundzwanzig „Ich will auch was“-Blicke an mein Brot und mich.
Einer von den Vorlauten traut sich: „Herr Blaha, ich hab Hunger! Krieg ich ein Stück? Bitte..!“ „Nö. Das ist meins. Das esse ich ganz allein.“ – „Bah, ist das unfair!“ – „So, ihr meint also, das ist unfair? Dann müsst ihr halt was dagegen tun...“
Ein paar Augenblicke später werde ich von einer Horde Kinder überfallen. Sie wollen mir das Baguette aus der Hand reißen.
Die Lage beruhigt sich erst, als ich verspreche, das Baguette mit allen in der Klasse zu teilen. Dann zeige ich ihnen zwei Bilder: Auf dem einen sehen sie eine Familie am Mittagstisch. Das andere Bild ist aus Afrika; es zeigt ein Kind mit einer Blechschüssel und einer Handvoll Reis darin.
Nachdenklich kauen die Kinder ihr kleines Stück Brot. Sie haben verstanden.


Matthias Blaha